Europas Anleihenmärkte als sicherer Hafen

  • Suparna Sampath
  • Vanguard Europe

MÜNCHEN – Mit einem Emissionsvolumen von 400 Milliarden Euro seit Anfang des Jahres erreichten europäische Investment-Grade-Anleihen einen neuen Rekordwert. Hintergrund ist, dass Europa vom Status als sicherer Hafen profitiert, während in den USA steigende Defizite und politische Risiken die Märkte verunsichern, sagt Suparna Sampath von Vanguard Europe. Sie zeigt, wo die attraktivsten Chancen liegen.

Die Anleihemärkte waren zuletzt von hoher Volatilität geprägt, erinnert Suparna Sampath, Fixed Income Spezialistin bei Vanguard Europe. Insbesondere die Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen, Inflationsdruck und ausufernde Defizite hätten die Renditen in die Höhe getrieben. So durchbrach beispielsweise in den USA die Rendite auf dreißigjährige Staatsanleihen die Fünf-Prozent-Marke, nachdem die geplante Steuerreform mit knapper Mehrheit das Repräsentantenhaus passiert hatte. Der Gesetzentwurf sieht weitreichende Steuersenkungen vor, die das ohnehin wachsende Haushaltsdefizit der USA wohl noch vergrößern dürften. Der Treasury-Markt reagierte mit steigenden Renditen und die unerwartet schwache Nachfrage nach dreißigjährigen Treasuries bei einer Auktion schürte die Sorge um das ausufernde Defizit des Landes weiter.

Europäische Anleihen als risikoarme Renditequelle gefragt

Die Fundamentaldaten europäischer Investment-Grade-Unternehmen sind nach Sampaths Einschätzung demgegenüber nach wie vor robust und die meisten Unternehmen für etwaige Zollanhebungen gut aufgestellt. Im Vergleich zu den langfristigen historischen Werten hätten sich die Gewinnmargen gut gehalten, während der Nettoverschuldungsgrad insgesamt weitgehend stabil geblieben sei. Insofern dürfte der europäische Anleihemarkt in den kommenden Monaten von der Suche nach risikoarmen Renditequellen profitieren. So dürften insbesondere expansive Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und ein sprunghafter Anstieg der negativ verzinsten „sicheren Häfen“ wie Schweizer Staatsanleihen das Wachstum und die Nachfrage nach europäischen Investment-Grade-Anleihen ankurbeln, sagt die Expertin.

Ein Beleg dafür sei das Emissionsvolumen von rund 400 Milliarden Euro in den ersten vier Monaten des Jahres, was ein neues Rekordniveau bedeutet. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem Rückgang zu rechnen, sodass das Netto-Neuemissionsvolumen für das Gesamtjahr auf Vorjahresniveau liegen oder leicht zurückgehen dürfte.

Der Ausblick für Unternehmensanleihen

Bei globalen Unternehmensanleihen sieht Sampath Potenzial bei ausgewählten Investment-Grade-Emittenten – insbesondere in Europa, wo die Fundamentaldaten nach wie vor robust und die Bewertungen im Vergleich zum US-Markt weiterhin attraktiv seien. Bei den knappen Bewertungen im High-Yield-Segment sei dagegen Vorsicht geboten, zumal riskantere Emittenten im Falle einer Rezession wohl stärker unter Druck kämen. Auch in den Schwellenländern hätten die Risikoaufschläge wieder Tiefstände erreicht und die Bewertungen seien weniger überzeugend. „In diesem Bereich kommt es auf eine sorgfältige Auswahl an“, rät die Expertin. Potenzial gebe es indes sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen EM-Marktsegmenten.

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