Europäische Infrastruktur: Gefundenes Fressen für Value-Investoren

  • Johannes Maier
  • Bantleon

MÜNCHEN – Ein milliardenschweres Konjunkturprogramm soll in Deutschland die Infrastruktur stärken und könnte eine europaweite Kettenreaktion auslösen, hofft Johannes Maier von Bantleon. Gleichzeitig seien die Bewertungen von Infrastruktur-Aktien sehr niedrig und böten attraktives Aufholpotenzial. Für Value-Investoren ein gefundenes Fressen!

Value-Investoren haben seit Jahren einen schweren Stand. Sie warten, dass die von ihnen favorisierten, vermeintlich unterbewerteten Aktien anspringen und die Lücke zu Wachstumstiteln verringern. Jedoch müsse eine Investition nicht nur preiswert sein, sondern auch einen Katalysator für die Wertrealisierung haben, erklärt Johannes Maier, Portfoliomanager bei Bantleon. Für Anleger reiche es nicht, unterbewertete Aktien zu finden. Es müsse auch einen Auslöser geben, der den Markt dazu bringt, den wahren Wert der Aktien zu erkennen.

Einen solchen Auslöser sieht Maier im angekündigten Finanzpaket der neuen deutschen Bundesregierung, das das historisch günstig bewertete Aktiensegment Infrastruktur wachküssen könnte. Mit dem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro soll gezielt in Versorgungsnetze, Straßen, Schienen und die digitale (Sicherheits-)Infrastruktur investiert werden, was „eine beispiellose Investitionswelle in Deutschland“ anschieben werde.

Deutschlands Infrastruktur-Plan: Zündfunke für Europa

Das Schuldenpaket soll drei Schwerpunkte haben: 100 Milliarden Euro für Klimaschutz (erneuerbare Energien, CO₂-Reduktion), 100 Milliarden für regionale Infrastruktur (Verkehr, Digitalisierung) und 300 Milliarden für Bundesprojekte (Schienen, Straßen, digitale Sicherheit). Überdies erlaubt das Lockern der Schuldenbremse den Bundesländern zusätzliche Schulden von bis zu 0,35% des BIP, was in etwa 16 Milliarden Euro jährlich entspricht, um Infrastruktur-Projekte voranzutreiben. „Das Finanzpaket setzt damit auf eine Kombination aus staatlichen Investitionen und der Mobilisierung privaten Kapitals, um den Strukturwandel in Deutschland langfristig zu finanzieren“, fasst Maier zusammen.

Er setzt darauf, dass das Infrastruktur-Paket ein starkes Signal für ganz Europa senden und ähnliche Initiativen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit anstoßen könnte. Insbesondere der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Stärkung der europäischen Energie-Infrastruktur seien entscheidende Kernbereiche, um den Rückstand gegenüber China und den USA aufzuholen und Europa wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen.

Doppelter Bewertungsabschlag für europäische Infrastruktur-Aktien

Das Giga-Fiskalpaket der Bundesregierung treffe auf ein Segment, das in den vergangenen zwei Kalenderjahren um fast 30 Prozentpunkte hinter den globalen Aktienmärkten zurückgeblieben ist, führt der Bantleon-Manager weiter aus. Dadurch seien die Bewertungen von Infrastruktur-Aktien trotz soliden operativen Wachstums „auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau gesunken“. Derzeit liege das Verhältnis des durchschnittlichen Unternehmenswerts zu den operativen Ergebnissen (EV/EBITDA) beim 10,5-fachen, im Jahr 2021 betrug es noch das 13,6-fache. Seit der Auflegung des Infrastruktur-Aktienindex S&P Global Infrastructure im Jahr 2007 seien die Aktien von Infrastruktur-Unternehmen im Vergleich zum MSCI World noch nie so günstig gewesen.

Trotz breiter Förderung – fundamentale Aktienanalyse entscheidend

Der angekündigte Rückenwind sollte mehrere Infrastruktur-Sektoren in Europa beflügeln: Energieversorger, Umweltdienstleister, Erneuerbare Energien, Netzbetreiber und die Bauwirtschaft. Um indes die Unternehmen mit den vorteilhaftesten Assets und Investitionsplänen in Deutschland zu identifizieren, ist eine fundamentale Aktienanalyse entscheidend, rät Maier, denn nur eine Handvoll der begünstigten Unternehmen sind auch in Deutschland beheimatet.

Zu den potenziellen Profiteuren zählt er den deutschen Projektentwickler Energiekontor, die belgische Elia Group, die über ihre Tochter 50 Hertz das deutsche Hochspannungsnetz betreibt, sowie die französischen Infrastruktur-Konzerne Vinci und Eiffage, die im deutschen Straßenbau etabliert sind. Gleichzeitig gelte es, das Risiko steigender Inflation und damit einhergehend steigender Zinsen bei der Aktienauswahl zu berücksichtigen.

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