Essen als Medizin – der nächste Trend bei Gesundheitsaktien
- Maxim Dimitruk
- Apo Asset Management
FRANKFURT – Gesunde Ernährung klingt banal, wird für Healthcare-Aktien aber zunehmend wichtig, sagt Maxim Dimitruk von Apo Asset Management. Zwischen Diabetes, Adipositas und personalisierter Medizin sieht er ein neues Feld entstehen, das Nahrung stärker als Teil der Medizin versteht.
In der Medizin spielte das Thema Ernährung lange Zeit eine unterschätzte Rolle, doch das beginnt sich zu verändern, weiß Maxim Dimitruk, Portfoliomanager Healthcare bei Apo Asset Management. Unter dem Begriff „Food as Medicine“ (FaM) entstehe ein Markt zwischen Prävention, Behandlung und digitaler Gesundheitsversorgung. Gemeint sind nicht Proteinriegel oder kurzfristige Diäten, sondern wissenschaftlich fundierte Ansätze wie zum Beispiel medizinisch abgestimmte Mahlzeiten bei Diabetes, spezielle Kost für Krebskranke oder digitale Programme zur Begleitung von Adipositas-Therapien. Damit sollen Krankheiten früher, alltagsnäher und günstiger verhindert oder begleitet werden.
Wie Daten Ernährung personalisieren
Viele der innovativsten Modelle würden derzeit in den USA entstehen, präzisiert Dimitruk, wo verschiedene Start-ups Essverhalten mit Datenanalysen, Telemedizin und kontinuierlicher Betreuung verbinden. Unternehmen wie beispielsweise Omada Health entwickeln digitale Programme zur Begleitung von Menschen mit Diabetes oder Adipositas. Glukosesensoren können zeigen, wie sich bestimmte Mahlzeiten auf den Blutzucker auswirken. Andere Anbieter kombinieren Mikrobiom-Analysen und personalisierte Empfehlungen.
Als noch jungen Teilbereich erwähnt der Experte auch Nutrigenomik-Unternehmen, die genetische Analysen mit individuellen Ernährungsstrategien verbinden. Noch würden einheitliche Marktdefinitionen fehlen, doch allein der Markt für personalisierte Ernährung soll bis 2030 weltweit im Schnitt rund 14 Prozent pro Jahr auf über 30 Milliarden US-Dollar anwachsen. „Damit entstehen neue Investment-Chancen für Anlegerinnen und Anleger“, betont Dimitruk.
Auch große Konzerne positionieren sich
Inzwischen würden auch etablierte Unternehmen auf diese Entwicklung reagieren. So verbinden Medizintechnik-Unternehmen wie Abbott, Dexcom oder Medtronic kontinuierliche Glukosemessung zunehmend mit digitalen Stoffwechsel- und Ernährungsdaten. Auch Lebensmittel- und Gesundheitskonzerne wie Danone aus Frankreich, Nestlé Health Science aus der Schweiz, Fresenius Kabi aus Deutschland oder Ajinomoto aus Japan bauen ihr Angebot für medizinische und funktionelle Nahrung aus. Gleichzeitig sieht er neue Plattformmodelle am Entstehen: Unternehmen wie Season Health verbinden Beratung, Gesundheitsdaten und Prävention.
Innovation trifft Kapitalmarkt
Der Markt sei zwar teilweise noch jung, einige Bereiche wie medizinische Spezialernährung oder Diabetes-Monitoring jedoch bereits etabliert. Der Experte warnt, dass nicht jede Vision wirtschaftlich und wissenschaftlich tragfähig sein wird. Entscheidend werde daher sein, welche Unternehmen medizinischen Nutzen mit tragfähigen Geschäftsmodellen verbinden. Einige der spannendsten Gesundheitsunternehmen könnten künftig nicht nur Therapien unterstützen, sondern auch dazu beitragen, dass Menschen länger gesund bleiben. Insofern könnte sich Ernährung als Medizin zu einem relevanten Investitionsthema entwickeln, resümiert Dimitruk.
