Erste Lichtblicke bei Substanzwerten

  • Jarrid Klug
  • DWS

FRANKFURT – „In den vergangenen Wochen haben wir eine relative Erholung von Substanztiteln gesehen, insbesondere, weil große Technologiewerte ihr Momentum nicht aufrechterhalten konnten“, sagt DWS-Fondsmanager Jarrid Klug. Das eröffne insbesondere Stockpicking attraktive Gelegenheiten.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Jarrid Klug, Fondsmanager bei der DWS:

Wachstumswerte versus Substanzaktien – in den vergangenen 18 Jahren war das ein ungleiches Duell. Mit Ausnahme des Jahres 2022 hatten Wachstumswerte immer die Nase vorne, in der Regel äußerst deutlich. Derzeit scheint es wieder etwas Hoffnung für die Anhänger von Substanzwerten zu geben, also Unternehmen mit einem in der Regel niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis, vergleichsweise hohen Dividendenrenditen und einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis.

„In den vergangenen Wochen haben wir eine relative Erholung von Substanztiteln gesehen, insbesondere, weil große Technologiewerte ihr Momentum nicht aufrechterhalten konnten“, sagt Fondsmanager Jarrid Klug. Die Gründe dafür: Zuletzt besser als erwartet ausgefallene Wirtschaftsdaten und die damit einhergehende geringere Wahrscheinlichkeit für eine Rezession.

Klug erwartet zwar nicht, dass die Dominanz der Wachstumstitel der Vergangenheit angehört. „Die Wertentwicklung am globalen Aktienmarkt wird auch dieses Jahr bislang von Unternehmen dominiert, denen eine starke Position beim Mega-Trendthema Künstliche Intelligenz zugeschrieben wird“, so Klug. Allerdings könnte eine anhaltend starke US-Wirtschaft dazu beitragen, dass Substanzwerte sich wieder besser entwickeln könnten. Zumal der Bewertungsabschlag von Subtanzwerten zum breiten Markt nach wie vor sehr hoch sei. „Dazu kommt, dass hohe Bewertungsunterschiede im Markt tendenziell für Substanzwerte ein gutes Umfeld fürs Stock-Picking, also der gezielten Auswahl von möglichst vielversprechenden Einzeltiteln, sind“, sagt Klug.

Aus den klassischen Sektoren von Substanzaktien – dem Finanz-, Gesundheits-, Industrie- und Energiesektor – seien zuletzt vermehrt positive Nachrichten gekommen. Möglicherweise weniger starke als bislang erwartete Zinssenkungen könnten sich positiv auf die Gewinnsituation von europäischen Banken auswirken, die zudem nach wie vor sehr niedrig bewertet seien. Auch im häufig kritisch gesehenen Automobilsektor schienen die Gewinne längst nicht so stark einzubrechen, wie dies die niedrigen Bewertungen implizierten.

Im gebeutelten Chemiesektor wiederum gebe es erste Anzeichen dafür, dass sich die Auftragseingänge verbesserten und im US-Baugewerbe nähmen die Aktivitäten wieder zu, trotz der immer noch hohen Zinsen. Regional favorisiert Klug Substanzwerte aus Europa gegenüber ihren US-Pendants, da letztere im Durchschnitt nach wie vor recht teuer seien. Allerdings müssten europäische Unternehmen auch in der Lage sein, ihr Gewinnwachstum zu steigern, damit sie wieder mehr in den Fokus von Anlegern gerieten.

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