Erste Anzeichen einer Trump-Rezession?

  • Steven Bell
  • Columbia Threadneedle

MÜNCHEN – US-Präsident Donald Trump setzt seine aggressive Wirtschaftspolitik unbeirrt fort, sodass sich viele Experten fragen, wie lange das noch gutgehen kann. Ein holistischer Blick zeige jedoch, dass weiterhin ein solides Wachstum zu erwarten sei, sagt Steven Bell von Columbia Threadneedle. Nicht zuletzt seien das auch für Risikoanlagen gute Nachrichten.

„Die Wirtschaftsdaten in den USA haben sich in letzter Zeit deutlich verschlechtert“, beginnt Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments, mit den Negativfaktoren. Des Weiteren sei das Verbrauchervertrauen gesunken – im Januar waren die Verbraucherausgaben besonders schwach. Zudem ist auch der viel beachtete zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex stark zurückgegangen: Er fiel von robusten 55,4 im Dezember auf einen ausgesprochen schwachen Wert von 50,4 im Januar, wie Bell aufzählt. „Den US-Verbrauchern missfällt offenbar die Diskussion rund um die Zollthematik, und zahlreiche Regierungsangestellte wie auch befristete Mitarbeiter haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren“, ergänzt er. Die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in den letzten zwei Wochen um 26.000 gestiegen.

Ist die außergewöhnliche Outperformance der US-Wirtschaft also jetzt zu Ende? Nicht ganz, denn im Großen und Ganzen seien die Fundamentaldaten weiterhin gut.

Die US-Wirtschaft ist nicht kleinzukriegen

Die angedrohten Zölle seien zweifellos sowohl für die amerikanischen Verbraucher als auch für die Importeure beunruhigend, doch würden sie keine Bedrohung für die relativ geschlossene US-Gesamtwirtschaft darstellen. „Einige Unternehmen leiden sicherlich unter den Zöllen, andere wiederum profitieren, da sich deren Wettbewerbsposition verbessert“, präzisiert der Volkswirt. Dazu komme, dass die Verbraucherausgaben im Januar zwar schwach waren, in den Monaten davor jedoch sehr stark – und der zugrunde liegende Trend gehe eindeutig nach oben. Zuletzt sorgten die Bedingungen auch für einen erheblichen Rückenwind bei der Kreditvergabe an kleine Unternehmen und Verbraucher. Weit bedenklicher sei Elon Musks aggressiver Ansatz, die Ausgaben zu kürzen. Die Situation dürfte sich jedoch auch hier in den nächsten Monaten wieder beruhigen.

Die Lohn-Preis-Spirale löst sich auf und Zinssenkungen sind in Aussicht

„Die Inflation scheint unter Kontrolle zu sein“, sagt Bell. Die Lohninflation verlangsame sich und dürfte in diesem Jahr ein Niveau erreichen, das mit dem Inflationsziel der Federal Reserve von zwei Prozent vereinbar ist. Auch bei den Mieten, die einen großen Teil des Verbraucherpreisindex ausmachen, sei ein Rückgang zu beobachten. Gleichzeitig scheinen die USA aus der Lohn-Preis-Spirale herauszukommen: Die Lohninflation verlangsamt sich zwar, doch die Preisinflation ist schneller zurückgegangen, sodass im Endeffekt die Reallöhne steigen. Daher ändert sich die allgemeine Marktmeinung dahingehend, deutliche Zinsschritte in den USA einzupreisen – es dürften also große Zinssenkungen bevorstehen.

„Die Daten sind momentan nicht besonders eindeutig“, resümiert Bell. Ein holistischer Blick zeige jedoch, dass Anleger für den Rest des Jahres immer noch ein gutes, solides Wachstum in den USA erwarten dürfen. „Angesichts der sinkenden Zinssätze sind das auch für Risikoanlagen gute Nachrichten.“

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