Emerging Markets als Investments in Technologie und Halbleiter
- Timo Steinbusch
- apoBank
FRANKFURT – Der technologische Wandel verändert auch die Struktur der Schwellenländerindizes spürbar, wie Timo Steinbusch von der apoBank betont. Die gestiegene Bedeutung von Tech-Werten mache deutlich, dass Anleger stärker denn je auf die Indices der Emerging Markets schauen sollten.
„Wir bleiben für Emerging Markets positiv gestimmt“, sagt Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBank. Seine Begründung: Im Vergleich zu globalen Aktien werden Schwellenländer weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt, während die Gewinnerwartungen höher ausfallen als in den Industrieländern. Dieses Bild sei jedoch keineswegs einheitlich: Während China und Südkorea aus Bewertungssicht attraktiv erscheinen, würden Märkte wie Indien und Taiwan inzwischen mit deutlichen Prämien bewertet.
Regional zu investieren bedeutet zugleich, thematisch zu investieren
Als Beispiel führt der Experte den Technologiesektor an, der inzwischen mehr als 40 Prozent des MSCI Emerging Markets Index ausmache. „Wer in Schwellenländer investiert, setzt damit in erheblichem Maße auf Technologie und Halbleiter“, fasst er zusammen. Deshalb reiche der Blick auf die regionale Diversifikation allein nicht mehr aus. Entscheidend sei, welche Unternehmen und Risikotreiber tatsächlich hinter den jeweiligen Indexgewichten stehen.
Insbesondere den Halbleitersektor sieht er als strukturellen Wachstumstreiber. Der Ausbau von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren sorge langfristig für eine hohe Nachfrage. Gleichzeitig würden sich die Unternehmen der Branche erheblich hinsichtlich Wachstum, Bewertung und Qualität unterscheiden. Nachhaltige Ertragsperspektiven lassen sich deshalb nur durch eine sorgfältige Analyse von kurzfristigen Markterwartungen trennen.
Anlagebeispiel Südkorea
Wie stark Chancen und Risiken inzwischen miteinander verknüpft sind, zeigt der Experte am Beispiel Südkorea: Rund 70 Prozent des MSCI Korea Index entfallen auf Technologieunternehmen. Mit Samsung Electronics und SK Hynix verfügt das Land über weltweit führende Halbleiterkonzerne und damit über attraktive Wachstumsperspektiven. Die hohe Konzentration auf einen Sektor bedeute aber zugleich, dass einzelne Branchenentwicklungen den gesamten Markt spürbar beeinflussen können.
„Hohe Indexgewichte sind deshalb nicht automatisch ein Hinweis auf die attraktivsten Anlagechancen oder eine ausgewogene Risikostruktur“, warnt Steinbusch. Gerade in den Emerging Markets könne eine bewusste Steuerung von Unternehmens-, Sektor- und Themenkonzentrationen sinnvoll sein. Daher sei nicht die möglichst genaue Abbildung eines Index für den langfristigen Anlageerfolg entscheidend, „sondern ein differenzierter Umgang mit den tatsächlichen Chancen und Risiken innerhalb der Märkte“.
