Emerging-Markets-Aktien als Profiteure der US-Schwäche
- James Donald
- Lazard Asset Management
MÜNCHEN – Investoren würden derzeit verstärktes Interesse an Schwellenlandaktien zeigen, hat James Donald, Leiter der Emerging Markets-Plattform von Lazard Asset Management, beobachtet. Allerdings weniger aufgrund einer übergroßen Attraktivität der Emerging Markets, als vielmehr wegen der gestiegenen Skepsis insbesondere gegenüber dem US-Markt.
Damit dreht sich das Phänomen um, dass in den letzten Jahren die Performance von Aktien aus Schwellenländern im Vergleich zu solchen aus den entwickelten Ländern aufgrund deren relativer Attraktivität gedrückt hat. Investoren wollten US-Qualitätstitel – auch wenn diese sehr teuer bewertet waren und sind, bringt es James Donald auf den Punkt. Anleger konnten so gute Renditen erzielen, und das bei einem vergleichsweise geringeren Risikoprofil. Doch gerade mit Blick auf die Bewertungen seien die Emerging Markets im Vergleich eigentlich deutlich attraktiver: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im MCSI USA liege bei fast 20,5 gegenüber 12 im MSCI EM Index, beziffert der Experte den Unterschied. Die Gewinne pro Aktie liegen bei 15,60 US-Dollar für die Schwellenländer gegenüber 13 US-Dollar für die USA. Nur der Return on Equity sei in den USA mit 20 Prozent höher als in den EM mit 13 Prozent.
Auf die Region kommt es an
„Jetzt wendet sich womöglich das Blatt“, blickt Donald nach vorn. Etwa, weil die geopolitischen Risiken der jüngsten Geschichte die vermeintliche Sicherheit der entwickelten Staaten jüngst infrage gestellt hätten. Das zeige sich an den globalen Finanzmärkten durch eine verstärkte Volatilität und Turbulenzen, die beispielsweise auf den Importzöllen, Vergeltungsmaßnahmen und Unsicherheiten rund um bilaterale Verhandlungen basieren.
Einige Schwellenländer scheinen indes von der Zollpolitik des US-Präsidenten sogar zu profitieren. Mexiko etwa wurde nicht nur von den US-Maßnahmen verschont, so der Experte, auch scheine Präsidentin Sheinbaum sich als wirtschaftsfreudiger als ihr Vorgänger zu erweisen. Viele Forderungen der USA zu Einwanderung, Sicherheit und der Bekämpfung diskriminierender Praktiken im Energiesektor seien tatsächlich positiv für Mexikos Nearshoring-Initiative. Damit wecke Mexiko nach einem sehr schlechten Aktienjahr 2024 wieder das Interesse von Investoren. Auch Brasilien hält Donald für eine spannende Region mit großem Aufholpotenzial, nachdem auch hier das letzte Jahr mit Verlusten von fast 30 Prozent sehr unerfreulich gewesen sei.
In Asien sehe die Situation anders aus, erklärt der Lazard-Manager. Hier seien einige Länder von den höchsten US-Zöllen betroffen – insbesondere China. Doch gerade China habe einen klaren Vorteil, in dem es zur globalen Spitze des technologischen Fortschritts gehöre. „Die Einführung von DeepSeek und das rasante Tempo der Entwicklungen machen China zu einer Option, die Investoren zumindest beobachten sollten“, rät Donald. Schon allein die schiere Größe des Marktes und die damit einhergehenden Diversifikationsmöglichkeiten würden für ein ausgewähltes Investment in chinesische Aktien sprechen.
Europäische Staaten als heimliche Champions
Es seien jedoch weder die asiatischen noch die südamerikanischen Märkte, die Year-to-Date am besten performt haben, betont Donald, sondern Süd-Ost-Europa: Griechenland liegt bei plus 44,3 Prozent, Polen plus 42,9 Prozent, die Tschechische Republik plus 40,3 Prozent und Ungarn plus 34,6 Prozent – jeweils gemessen in US-Dollar am jeweiligen MSCI-Länderindex. Eine Erklärung dafür hat er ebenfalls parat: Obwohl Europa gerade keinen Wachstumsschub erfahre, würden einige Länder am Rande der Europäischen Union eine Blütezeit erleben. Griechenland sei ein gutes Beispiel dafür: Während der Staat lange Zeit in einer wirtschaftlich desolaten Lage gewesen sei, mit einer politischen Führung, die Anleger verschreckte, werde das Land heute politisch zuverlässig geführt und die Menschen könnten wieder ihre Rechnungen und ihre Kreditraten bezahlen. Mit Blick auf die nächsten zehn Jahre glaubt Donald daher, dass die griechische Wirtschaft die besten Chancen in Europa habe.
Fazit
„In den Schwellenländern bieten sich Investoren aktuell große Chancen, unterbewertete Investments zu finden“, resümiert der Lazard-Manager. Nirgendwo sonst seien Qualitätstitel mit hervorragenden Aussichten so günstig. Allerdings sei als Voraussetzung für ein erfolgreiches Portfolio die sorgfältige Betrachtung der geopolitischen und regionalen Risiken notwendig.
