Drei Investmentthemen für die 2. Jahreshälfte 2026
- Christophe Braun
- Capital Group
MÜNCHEN – Trotz geopolitischen Risiken und höheren Energiepreisen sieht Christophe Braun von Capital Group attraktive Chancen an den Aktienmärkten. Drei Bereiche erscheinen ihm besonders interessant: der anhaltende KI-Investitionszyklus, neue KI-Gewinner außerhalb der USA und Unternehmen der physischen Infrastrukturwirtschaft.
1. Der KI-Investitionszyklus läuft weiter
Nach Einschätzung von Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group bleibt Künstliche Intelligenz der wichtigste strukturelle Wachstumstreiber an den Kapitalmärkten. Die Investitionen großer Technologieunternehmen in Rechenzentren, Infrastruktur und Rechenleistung liegen weiterhin in historischen Dimensionen und zeigten bislang keine Anzeichen einer Abschwächung. Allein fünf große Hyperscaler würden in diesem Jahr Investitionen von rund 650 Milliarden US-Dollar planen.
„Der KI-Investitionszyklus ist noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Braun. „KI ist heute weit mehr als ein Technologiethema. Die Investitionen reichen inzwischen tief in die Realwirtschaft hinein und beeinflussen Unternehmensgewinne über viele Branchen hinweg.“
Erste Schätzungen gehen inzwischen davon aus, dass das globale Investitionsvolumen rund um KI in den kommenden zehn Jahren auf bis zu 30 Billionen US-Dollar steigen könnte. Gleichzeitig mahnt Braun, die Entwicklung nicht ausschließlich auf die bekannten Gewinner der ersten Phase zu reduzieren. Mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur könnten sich die Nachfrage- und Wertschöpfungsschwerpunkte innerhalb der Lieferketten zunehmend verschieben.
Gerade deshalb werde Selektivität wichtiger. Die entscheidende Frage sei, welche Unternehmen die Investitionen langfristig in nachhaltige Erträge übersetzen können.
2. Chancen entstehen auch außerhalb der USA
Während die großen US-Technologiekonzerne weiterhin im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, sieht Braun attraktive Perspektiven in internationalen Märkten. Insbesondere in den Schwellenländern hätten sich Unternehmen etabliert, die eine zentrale Rolle innerhalb der globalen KI-Wertschöpfungskette einnehmen.
Hinzu komme, dass viele internationale Märkte derzeit niedrigere Bewertungen aufweisen als vergleichbare US-Unternehmen. Gleichzeitig würden dort teilweise deutlich höhere Gewinnzuwächse erwartet. Nach Konsensschätzungen wird für die Schwellenländer derzeit bis Ende 2026 ein Gewinnwachstum von rund 49 Prozent erwartet – deutlich mehr als in den meisten Industrieländern.
„Viele Anleger konzentrieren sich nach wie vor stark auf die USA“, erklärt Braun. „Dabei entstehen zahlreiche Chancen außerhalb des US-Marktes – sowohl in den Schwellenländern als auch bei etablierten Unternehmen in Europa und Asien, die in ihren jeweiligen Branchen globale Marktführer sind.“
3. Die Realwirtschaft profitiert vom Infrastrukturboom
Sein 3. Schwerpunkt liegt für Braun auf Unternehmen der sogenannten physischen Wirtschaft. Der Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur erhöhe die Nachfrage nach Stromerzeugung, Netzinfrastruktur, Industrietechnik, Baumaterialien und Rohstoffen.
„KI funktioniert nicht ohne physische Infrastruktur“, sagt Braun. „Wer nur auf Software und Halbleiter schaut, übersieht einen großen Teil der Wertschöpfungskette.“ Davon könnten Industrie-, Infrastruktur-, Energie- und Materialunternehmen profitieren. Gleichzeitig gebe es Geschäftsmodelle, deren Wachstum vergleichsweise unabhängig von technologischen Disruptionen verlaufe und die dadurch zusätzliche Stabilität in Portfolios bringen könnten.
Fazit: Chancen bleiben breit gestreut
Für die zweite Jahreshälfte erwartet der Experte weiterhin ein konstruktives Umfeld für Aktien. Zwar gebe es auch weiterhin Risiken durch geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise und ambitionierte Bewertungen in einzelnen Marktsegmenten. Zugleich spreche das robuste Gewinnwachstum vieler Unternehmen aber für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung.
