Donald Trump und die Rentenmärkte
- Eoin Walsh
- TwentyFour Asset Management
MÜNCHEN – Die Politik von US-Präsident Trump wird sich in den nächsten vier Jahren auch auf Anleger erheblich auswirken. Bislang konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf einen möglichen Zollkrieg und die Folgen für die Aktienmärkte. Doch auch die Rentenmärkte sind betroffen, wie Eoin Walsh von TwentyFour Asset Management mahnt.
Sollte die Inflation in den USA aufgrund von Zöllen, aber auch von Maßnahmen wie Steuersenkungen und möglichen Einwanderungsbeschränkungen, die US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf versprochen hat, ansteigen, könnte die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer geplanten Zinssenkungen verlangsamen, warnt beispielsweise Eoin Walsh, Partner bei TwentyFour Asset Management. Allerdings hätten die Anleger dieses mögliche Szenario im Blick, wie an den Märkten für US-Treasuries zu beobachten, wo es im letzten Monat zu einem massiven Ausverkauf kam.
Eine Belastung für US-Staatsanleihen sei auch die Entwicklung des Haushaltsdefizits in den USA, wie Walsh erinnert. Es hält es für unwahrscheinlich, dass das Defizit während Trumps Amtszeit verringert wird. Eher werde es wahrscheinlich noch weiter ansteigen.
Volatiler Verlauf der Zinspolitik
Last but not least sollte auch die Zinspolitik der Fed beachtet werden. Auf der Dezembersitzung machten Die Notenbanker deutlich, dass sie sich mehr Sorgen um die Inflation als um den Arbeitsmarkt machen. Die Anzahl und der Verlauf möglicher Zinssenkungen in den USA dürfte in den nächsten 12 Monaten deshalb eher volatil sein.
Europa: Grund zum Optimismus
„In Europa sehen wir trotz der überwiegend negativen Schlagzeilen Grund zum Optimismus“, sagt Walsh. Zwar hätte die Einführung umfassender Zölle auf europäische Waren, die in die USA verkauft werden, erhebliche negative Auswirkungen. Gleichwohl hofft er, dass es sich bei den Drohungen der Trump-Administration eher um eine Verhandlungstaktik handelt.
Deutschland, das bislang unter einem schwachen Wirtschaftswachstum leidet, verfüge beispielsweise im Vergleich zu anderen Ländern der Welt über eine „unglaublich niedrige Verschuldung“. Wenn die neue Regierung den Geldbeutel lockern und investieren würde, hätte das positive Auswirkungen, sagt der Vontobel-Experte.
Als weiteren Punkt nennt er den Ukraine-Krieg: Sollte Trump in der Lage sein, einen Waffenstillstand in der Ukraine zu vereinbaren wäre das positiv für Europa und die Energiepreise.
Finanztitel unter Risiko-Ertrags-Aspekten attraktiv
Unter dem Strich werde die Volatilität der Zinsmärkte vor dem Hintergrund geo- und wirtschaftspolitischer sowie konjunktureller Entwicklungen wahrscheinlich auch im Jahr 2025 anhalten. Für Anleger in festverzinslichen Papieren ist dies eine Quelle von Chancen und Risiken gleichzeitig. „Wachstum und eine unterstützende EZB werden einen attraktiven Hintergrund für festverzinsliche Anleger bieten“, sagt Walsh. Die Weltwirtschaft befinde sich in guter Verfassung, die USA verzeichnen ein angemessenes Wachstum und Europa habe das Negativwachstum überwunden. Daher bezeichnet Walsh die Renditen trotz der engen Spreads aufgrund der aktuellen Zinssituation als noch immer attraktiv.
Er rät zu qualitativ hochwertigen Unternehmensanleihen, mit nicht zu langer Laufzeit und interessanten Renditen. In dieser Hinsicht seien Finanzwerte − sowohl Banken als auch Versicherungen − und forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) nach wie vor sehr attraktiv.
