Die Ruhe vor dem Sturm – US-Wahlen üben Druck auf Anleihemärkte aus

  • Axel Botte
  • Ostrum AM

FRANKFURT – „Die jüngsten Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung wurden von den Finanzmärkten weitgehend ignoriert“, sagt Axel Botte von Ostrum AM. „Stattdessen schauen alle gebannt auf die US-Wahlen.“ In seinem Ausblick beschreibt er mögliche Auswirkungen auf Anleihemärkte und Währungen.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Axel Botte, Chefstratege des französischen Asset Managers Ostrum AM:

„Haushaltsdefizite üben Aufwärtsdruck auf die langfristigen Zinssätze aus. Dies spiegelt sich auch in der Underperformance von Staatsanleihen gegenüber Swaps wider. Die Breakeven-Inflationsraten preisen jedoch die langfristigen Risiken für die Preisstabilität nicht ein, im krassen Gegensatz zu Gold, das als universeller sicherer Hafen gilt. Der Yen ist politischen Zwängen ausgesetzt und hat seinen Status als sicherer Hafen längst verloren.

Zentralbanken stemmen sich gegen Aufwärtsdruck

Die vor uns liegende US-Wahl sowie die Sitzung der US-Notenbank sind entscheidend für die Marktentwicklung in den kommenden Monaten. Weltweit werden die Leitzinsen in beschleunigtem Tempo gesenkt, um den Druck durch übermäßige öffentliche Defizite zu mildern. Gilts stehen unter Druck, ebenso wie langfristige T-Bonds, da Donald Trump in den Umfragen leicht vorne liegt. Die Zentralbanken stemmen sich gegen den Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen, aber die Versteilung der Zinsstrukturkurven bleibt ein bedeutender Trend an den Anleihemärkten.

Die Europäische Zentralbank scheint ein düsteres Bild der Wirtschaftstätigkeit im Euroraum zu zeichnen und bereitet die Märkte auf eine taubenhaftere Haltung vor. Andrew Bailey von der BoE schloss sich an.

Sowohl Dollar als auch Gold dürften profitieren

In Japan ist die Schwäche des Yen symptomatisch für den politischen Druck auf die Bank of Japan und die mögliche Eskalation des Handelskrieges, sollte Donald Trump gewinnen. Die Währungen dürften sich als Reaktion auf eine Erhöhung der Zölle rasch anpassen, wovon sowohl der Dollar als auch Gold profitieren.

Schwellenlandwährungen unter Druck

Ein stärkerer Dollar ist für die Währungen der Schwellenländer negativ, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Die Handelspolitik und der Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen sowie der Überweisungen von Arbeitsmigranten sind die drei spezifischen Risiken für die Schwellenländer. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen der mexikanische Peso, die Währungen Mittelamerikas und der Karibik sowie der südkoreanische Won am anfälligsten.“

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