Die nächste Krise kommt bestimmt

  • Michael Frick
  • Lupus alpha

FRANKFURT – Schwelende Handelskonflikte, rekordhoher Goldpreis, rasanter Renditeanstieg bei langfristigen Staatsanleihen – Krisenanzeichen gebe es derzeit einige, mahnt Michael Frick von Lupus alpha. Zugleich würden sich die Aktienmärkte recht sorglos zeigen. Sicher sei, dass Kapitalmarktkrisen jederzeit auftauchen können – und oft aus unerwarteten Richtungen. Da helfe nur eines: „sich vorbereiten!“

„Crash-Warnungen hört man zuhauf“, kritisiert Michael Frick, Managing Partner und CFO bei Lupus alpha. So beschwört Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, „sehr, sehr dunklen Zeiten“, vor allem wegen der hohen US-Staatsverschuldung. Nouriel Roubini, emeritierter Ökonomie-Professor der Stern School of Business an der New York University und auch bekannt als „Dr. Doom“, prognostiziert das Platzen der Blase an den Krypto-Märkten. Investor Michael Burry, bekannt für seine Wette gegen den US-amerikanischen Immobilienmarkt kurz vor der Finanzkrise, erwartet wiederum ETFs als Auslöser der nächsten großen Turbulenzen.

Die nächste Gefahr lauert dort, wo wir sie am wenigsten erwarten

„Unmöglich ist das alles nicht“, sagt Frick. Denn tatsächlich gebe es im Moment ein paar handfeste Anzeichen, dass sich etwas zusammenbrauen könnte: der ständig hochkochende Handelskonflikt zwischen USA und China etwa, die immer neuen Allzeithochs der Krisenwährung Gold oder der rasante Anstieg der Renditen für langfristige Staatsanleihen quasi aller Industrieländer Anfang September – teils auf den höchsten Stand seit 30 Jahren. Von den Kurskapriolen der Kryptowährungen ganz zu schweigen.

Fricks Erfahrung geht dahin, dass Kapitalmarktkrisen aus ganz unterschiedlichen Ecken kommen können. Etwa die globale Finanzkrise 2008, die mit bis dato wenig beachteten, faulen Hypothekenkrediten begann. Die Krise der britischen Pensionskassen 2022 wiederum sei allein durch steigende Anleiherenditen ausgelöst worden. Und 2023 gerieten US-Regionalbanken unerwartet durch Liquiditätsprobleme in Schwierigkeiten.

Natürlich haben viele Marktteilnehmer gelernt, mit solchen Herausforderungen umzugehen und wachsam zu sein. Dennoch werde sich auch die nächste Krise nicht zuverlässig antizipieren lassen, wie der CFO warnt. Entscheidend sei daher, aus den Erfahrungen zu lernen, um für das nächste Mal gewappnet zu sein.

Schlussfolgerungen aus vergangenen Krisen

Gesunde Skepsis gegenüber Untergangspropheten: Viele von ihnen seien Vertreter in eigener Sache. So kämen von Ray Dalio kämen regelmäßig Aussagen, mit denen er vor allem Werbung für seinen Fonds mache. Aus Investorensicht helfe da nur eine langfristige Anlagestrategie, eine breite Streuung des Vermögens – und das Ignorieren der „Dr. Dooms“ dieser Welt.

Aber auch nie zu sorglos werden: Krisen könnten jederzeit drohen und zu einer kompletten Neubewertung von Prozessen, Unternehmen und ganzen Branchen führen – siehe zum Beispiel die Rüstungsindustrie. Das Monitoring möglicher Krisenquellen sei daher ein Muss.

Eine langfristige Anlagestrategie entwickeln und daran festhalten – auch wenn es schwierig wird: Das bedeute, eine strategische Vermögensaufteilung festzulegen und die einmal definierten Anteile im Sinne eines Rebalancing regelmäßig wiederherzustellen. Kurzfristige Strategieänderungen aufgrund von Schocks und Emotionen seien langfristig meist ein Fehler, weiß Frick. Wer seinen Aktienanteil in einer der genannten Krisen verkauft oder reduziert hatte, dürfte sich heute ärgern. „Time in the Market“ sei besser als „Timing the Market“!

Ausblick

Wer das Monitoring von Krisen und die Suche nach geeigneten Investments nicht selbst in die Hand nehmen möchte, sollte das einem krisenerfahrenen Profi überlassen und in einen aktiv gemanagten Fonds investieren, rät der Experte. Für diejenigen mit begrenztem Risikobudget seien auch Wertsicherungskonzepte oder Risiko Overlays eine gute Wahl. Dem Aktienmarkt fernzubleiben, sei trotz möglicher Krisen jedenfalls keine Alternative.

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