Die Märkte richten den Blick nach vorn

  • Lewis Grant
  • Federated Hermes

MÜNCHEN – „In der Debatte über den Konflikt im Iran erweist sich der Faktor Zeit als die zentrale Variable“, sagt Lewis Grant von Federated Hermes. Es gehe darum, welche Schäden angerichtet werden, bevor es zu einer Einigung komme. In jedem Fall sieht Grant Energieunternehmen als besonders gut positioniert und zählt sie zu den potenziellen Gewinnern des laufenden Jahres.

„Es stellt sich die Frage, ob die Dauer der Auseinandersetzung ausreicht, um den Inflationsdruck massiv zu erhöhen und eine globale Rezession einzuleiten“, betont Lewis Grant, Senior Portfolio Manager für Global Equities bei Federated Hermes. Während die Spotpreise für Öl und Erdgas mit hoher Volatilität auf die Schlagzeilen reagierten, würden sich die Terminmärkte (Futures) weitaus stabiler verhielten. Dies deute darauf hin, dass die Anleger derzeit von einer zeitnahen Normalisierung der Lage ausgehen, schließt Grant.

Das würden zumindest teilweise auch erklären, weshalb die Aktienkurse vieler Energieunternehmen die Entwicklung des Ölpreises nicht unmittelbar widerspiegeln. „Investoren bewerten diese Vermögenswerte vor allem auf Grundlage langfristiger Erwartungen“, weiß der Portfolio Manager. Dabei bestehe weitgehend Einigkeit darüber, dass US-Präsident Donald Trump aus einem langwierigen Konflikt wenig Nutzen ziehen würde – und ihm verschiedene Auswege offenstehen.

Der Faktor Zeit im Iran-Konflikt

Tatsächlich hat Donald Trump bereits angedeutet, dass ein Ende des Konflikts in Sicht sein könnte – eine Entwicklung, auf die die Märkte entsprechend reagierten. Gleichzeitig bleibt zu berücksichtigen, dass der Iran auch bei begrenzter Verfügbarkeit hochentwickelter Waffensysteme in der Lage sein könnte, Störungen durch gezielte und anhaltende Angriffe mit vergleichsweise einfachen Drohnen aufrechtzuerhalten. Frühere Konflikte im Nahen Osten haben gezeigt, dass sich ein Sieg zwar rasch proklamieren lässt und die Aufmerksamkeit anschließend anderen Themen zugewandt wird – die Folgen solcher Angriffe jedoch oft über einen längeren Zeitraum nachwirken und nicht einfach verschwinden, nur weil sich der Fokus der Öffentlichkeit verschiebt.

Zyklische Erholung erwartet

„Wir gehen davon aus, dass mit dem Abklingen des Konflikts ein Marktumfeld zurückkehren dürfte, das den Bedingungen zu Beginn des Jahres, insbesondere im Januar und Februar, ähnelt“, resümiert Grant. Damit könnte sich eine zyklische Erholung fortsetzen, gestützt durch KI-, jedoch mit einer deutlich breiteren Marktteilnahme als in den vergangenen Jahren, in denen die Entwicklung stark von wenigen Mega-Cap-Unternehmen geprägt war, führt er weiter aus.

Energieunternehmen besonders gut positioniert

„In einem solchen Umfeld bevorzugen wir klassische Value-Sektoren“, so der Manager. Daraus ergebe sich als Schlussfolgerung: „Unabhängig davon, ob der Konflikt länger anhält und damit tendenziell höhere Ölpreise bestehen bleiben, oder ob er endet und die zyklische Erholung weiter an Fahrt gewinnt, sehen wir Energieunternehmen als besonders gut positioniert.“ Aus seiner Sicht zählen sie daher in beiden Szenarien zu den potenziellen Gewinnern des laufenden Jahres.

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