Die Folgen der Rating-Herabstufung der USA durch Moody's

  • Greg Wilensky
  • Janus Henderson

MÜNCHEN – Am 16. Mai hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der USA von AAA auf AA1 herabgestuft – als letzte der drei großen Ratingagenturen. Für Greg Wilensky von Janus Henderson wenig überraschend. Moody's drücke damit die Besorgnis über die steigende Verschuldung aufgrund mangelnder Haushaltsdisziplin und zunehmender Zinslast aus. Für Anleger bedeute dies, sich angemessen zu positionieren, rät der Experte.

Zum Hintergrund: Moody's ist die letzte der drei großen Ratingagenturen, die den weltweit größten Anleiheemittenten herabstuft, und schließt sich damit S&P und Fitch Ratings an, die die USA 2011 bzw. 2023 auf AA+ herabgestuft haben. Damit sind es nur noch zehn Länder mit dem begehrten AAA-Rating: Australien, Deutschland, die Schweiz, Kanada, die Niederlande, Singapur, Dänemark, Schweden, Norwegen und Neuseeland, wie Greg Wilensky, Portfoliomanager, Janus Henderson Investors, aufzählt.

Die Rating-Herabstufung und die möglichen Auswirkungen auf US-Treasuries

Da die großen Indexanbieter die USA bereits seit der Herabstufung durch Fitch im Jahr 2023 mit AA+/AA1 bewerten, sollte die Herabstufung durch Moody's keine Auswirkungen auf das konsolidierte Gesamtrating der US-Regierung haben, sagt Wilensky.

„Zwar teilen wir die von Moody‘s erörterten Bedenken hinsichtlich der Schulden- und Defizittrends, doch gehen wir davon aus, dass diese Trends und politischen Erwartungen – wie die mögliche Verlängerung des Tax Cuts and Jobs Act von 2017 – von den Finanzmärkten bereits eingepreist wurden.“ Insofern rechnet er nicht mit einer dramatischen Marktreaktion.

Die Renditen der USA-Treasuries sind nach der Nachricht zwar angestiegen, werden aber immer noch um die 4,5 %-Marke gehandelt und liegen damit innerhalb ihrer Handelsspanne von 2025 – und deutlich unter ihrem bisherigen Jahreshoch von 4,79 %, wie der Experte weiter ausführt.

Bedeutung für Regierung und Fed

Allerdings belege die Herabstufung durch Moody's erneut den Handlungsbedarf der US-Regierung in der Haushaltspolitik. So dürften Marktteilnehmer weiterhin die Entwicklung der Haushalts-, Handels- und Zollpolitik sehr aufmerksam verfolgen, um deren Auswirkungen auf die Schuldenaussichten und das Wirtschaftswachstum beurteilen zu können.

Hinzu komme die Ungewissheit über die Auswirkungen der Handelsverhandlungen auf die Inflation und den Arbeitsmarkt sowie die Frage, wie und wann die Federal Reserve (Fed) reagieren wird. Die Fed befinde sich in einer potenziell schwierigen Lage, wie Wilensky beschreibt: Ihre Mandatsziele Preisstabilität und Vollbeschäftigung könnten sich gegenläufig entwickeln. Denn auch, wenn die Zentralbank erklärt hat, dass es sich bei den Zöllen eher um eine einmalige Steuer handelt, wird sie vorsichtig sein müssen, um zu hohe Inflationserwartungen zu verhindern, rät Wilensky.

Es sei zu vermuten, dass die Fed angesichts der unklaren wirtschaftlichen Entwicklung eine längere Pause einlegen könnte als erwartet. Die „weichen“ Daten seien schwach gewesen, aber die „harten“ Daten hätten sich weiterhin robust gezeigt. „Deshalb hat die Zentralbank angekündigt, die weitere Entwicklung abzuwarten, bevor sie eine Anpassung ihres geldpolitischen Kurses in Erwägung zieht.“

Auswirkungen auf Fixed-Income-Anleger

Für Fixed-Income-Anleger befinden sich derzeit viele Einflussfaktoren gleichzeitig im Spiel, wie Wilensky es ausdrückt, die eine widersprüchliche Dynamik bei den Treasury-Renditen erzeugen. Und wie zu erwarten, würden sich diese Unsicherheiten besonders stark am langen Ende der Zinsstrukturkurve manifestieren.

Das kurze Ende der Kurve biete nach Ansicht des Portfoliomanagers jedoch andere Möglichkeiten. Die potenziell fallenden Renditen würden als Ballast für Anleger wirken.

Sollten sich wiederum die Wirtschaft oder der Arbeitsmarkt erheblich abschwächen, so habe die Fed Spielraum für eine aggressive Senkung der Leitzinsen. „In einem solchen Szenario dürften die längerfristigen Inflationserwartungen gut verankert bleiben, selbst wenn Zölle die Preise kurzfristig in die Höhe treiben, was der Fed eine akkommodierende Haltung ermöglichen würde.“

Mögliche Positionierung für Anleger

„Jedwede Zinssenkung dürfte sich auf den vorderen Teil der Kurve auswirken, während die Auswirkungen auf Anleihen mit längeren Laufzeiten eher unklar sein könnten“, beschreibt Wilensky. Anleger sollten daher versuchen, ihre Portfolios so zu positionieren, dass sie von den Unwägbarkeiten ausreichend abgeschirmt sind und gleichzeitig von künftigen Zinssenkungen profitieren können, indem sie in hochwertige Anleihen mit kürzeren Laufzeiten investieren. „Während Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit eine geeignete Option sein können, halten wir verbriefte Sektoren für attraktiver bewertet – begünstigt von einer inhärent kürzeren Laufzeit.“

„Kuratierte Portfolios von Asset-Backed Securities (ABS), AAA bewerteten Collateralized Loan Obligations (AAA CLOs) und Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS)“ könnten Anlegern zudem alternative Möglichkeiten bieten, um sich am kurzen Ende der Kurve zu positionieren, während Agency MBS Investments entlang der gesamten Zinsstrukturkurve ermöglichen.

Darüber hinaus könnten Fixed-Income-Anleger auch nach Möglichkeiten zur Diversifizierung in nicht-amerikanische Emittenten – einschließlich der Schwellenländer – suchen. Zwar habe der Internationale Währungsfonds seine Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum kürzlich nach unten korrigiert, halte aber an einem zunehmenden Wachstumsgefälle zwischen den Schwellenländern und den Industrieländern fest. Die Fundamentaldaten der Schwellenländer werden als relativ robust angesehen, während ihre realwirtschaftliche Sensitivität gegenüber der US-Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen hat. Darüber hinaus hat das Wachstum in den Schwellenländern seit 2010 das Wachstum in den USA übertroffen – und Prognosen zufolge sollte es das US-Wachstum in den nächsten vier Jahren immer schneller übersteigen.

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