Deutschland hat gewählt – Szenarien für die Börse

  • Matthias Hoppe
  • Portfoliomanager
  • Franklin Templeton

MÜNCHEN – Deutschland hat hat seit einiger Zeit mit erheblichen wirtschaftspolitischen Herausforderungen zu kämpfen. Nun liegen die Hoffnungen auf einer neuen Regierung, um die Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Dabei stehe die Reform der Schuldenbremse im Fokus, wie Matthias Hoppe, Portfoliomanager bei Franklin Templeton, betont. Gleichwohl warnt er, kurz- und mittelfristig zu optimistisch zu sein.

„Die von den Finanzmärkten, insbesondere von internationalen Anlegern, am sehnlichsten erwartete Reform ist die verfassungsmäßige Schuldenbremse, die die strukturellen Defizite der Zentralregierung auf 0,35 % des BIP begrenzt“, sagt Hoppe. Die Hoffnung ist, dass eine Reform Deutschland in die Lage versetzt, die notwendigen Ausgaben zu tätigen, um auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren. Dabei könnte die aktuelle geopolitische Lage und ein möglicher Handelskonflikt mit den USA den notwendigen Druck auf die Politiker sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union ausüben, um Reformen anzustoßen.

Zeit für Optimismus?

Allerdings könnte es doch noch eine ganze Zeit dauern, bis die ersehnten Maßnahmen angegangen werden können. Zunächst stehen die Koalitionsverhandlungen an, die der mutmaßliche Bundeskanzler Friedrich Merz bis Ostern abschließen möchte. Danach muss sich die neue Regierung den finanzpolitischen Herausforderungen stellen. So weise die aktuelle Finanzplanung für die nächste Legislaturperiode bis 2028 eine durchschnittliche Finanzierungslücke von bis zu 0,5 % des BIP aus, wie Hoppe erklärt. Hinzu kommen die beabsichtigten zusätzlichen Verteidigungsausgaben sowie Infrastrukturinvestitionen, die den fiskalischen Druck zusätzlich erhöhen.

Hoppe sieht im Wesentlichen drei Optionen, um den notwendigen finanzpolitischen Spielraum zu schaffen. Die erste sei besagte Reform der verfassungsmäßigen Schuldenbremse, möglicherweise durch eine gestaffelte Defizitregel – einen finanzpolitischen Mechanismus, der das zulässige Haushaltsdefizit auf der Grundlage bestimmter wirtschaftlicher Bedingungen oder Schwellenwerte anpasst.

Die zweite Option sei ein außerbudgetärer Verteidigungsfonds, um die Militärausgaben über das derzeitige NATO-Ziel von 2 % des BIP hinaus zu erhöhen und zugleich den Bundeshaushalt zu schonen. Die dritte Alternative wiederum sei ein spezieller Infrastrukturinvestitionsfonds mit den gleichen Ausprägungen wie der Verteidigungsfonds, wobei sämtliche Optionen vom Bundestag abgenickt werden müssten, was allerdings durch eine Sperrminorität blockiert werden könnte.

Begrenzte Reform der Schuldenbremse

„Unserer Ansicht nach ist das wahrscheinlichste Szenario eine begrenzte Reform der Schuldenbremse in Form einer Stufenregelung“, sagt der Portfoliomanager. Dadurch würde sich ein fiskalischer Spielraum ergeben, der zusammen mit Subventionskürzungen für eine moderate Steuerreform genutzt werden könnte. Eine sinkende Steuerlast könnte die wirtschaftliche Stimmung aufhellen und gegebenenfalls das Investitionsklima verbessern.

Perspektiven für den DAX

Nachdem die Entwicklung des DAX schon einige Euphorie der Marktteilnehmer vorweggenommen hat, dürfte sich die Aufmerksamkeit nun auf die Zusammensetzung der Regierung richten. In den letzten Jahren habe sich der DAX im Einklang mit dem US-Markt entwickelt, wie Hoppe berichtet, vor allem wegen der internationalen Ausrichtung vieler DAX-Unternehmen. Im Gegensatz dazu hatten der MDAX als Index für mittelgroße Unternehmen sowie der SDAX für kleine Unternehmen, die stärker auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet sind, zu kämpfen. Für diese ebenso wie für Europa insgesamt werde nun wichtig sein, was in Deutschland geschieht.

„Viele der Probleme, mit denen Deutschland konfrontiert ist, sind auch umfassendere europäische Probleme“, bringt es Hoppe auf den Punkt. Wenn es Deutschland gelinge, sich selbst zu reformieren, gebe es auch für Europa und insbesondere für die Europäische Union Hoffnung.  

 

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