Deutsche Aktien im Fokus der Anleger
- Olgerd Eichler
- MainFirst
MÜNCHEN – Der DAX ist auf Rekordfahrt, doch der Wirtschaftsstandort steht unter Druck und die Stimmung ist eher düster, fasst Olgerd Eichler von MainFirst die Lage zusammen. Er bringt es mit Produktionsrückgängen, schwächelnden Exporten, Unsicherheiten durch Bürokratie und hohen Energiekosten auf den Punkt. Gleichwohl würden sich an der Börse ausgezeichnete Chancen finden lassen.
Als wichtigen Punkt für mittelfristige Lichtblicke nennt Olgerd Eichler, Portfoliomanager bei MainFirst, das Sondervermögen für Investitionen und Sicherheit und hofft, dass die staatlichen Mittel zielgerichtet in Infrastruktur und Sicherheit fließen. Allerdings sei entscheidend, dass der politische Gestaltungswille konsequent umgesetzt werde, damit Unternehmen profitieren. Die daraus resultierenden Wachstumsimpulse dürften in diesem Jahr noch überschaubar bleiben, bieten seiner Einschätzung nach darüber hinaus aber eine attraktive Perspektive.
„Local-for-local“ – die Zukunft für Exportnationen
Für die Exportnation Deutschland sind schwierige Zeiten angebrochen, die durch die amerikanische Zollpolitik nicht einfacher werden. Deshalb gelte es für viele Unternehmen, ihre Strategien anzupassen, wie Eichler befindet. Die multipolare Weltwirtschaft und die globalen Umbrüche würden den Auf- und Ausbau lokaler Produktions- und Entwicklungskapazitäten erfordern. Zugute komme den deutschen Unternehmen hier ihre traditionell hohe Anpassungsfähigkeit und -geschwindigkeit. Als ein Beispiel der Local-for-Local-Strategie nennt der Portfoliomanager Volkswagen, wo zunehmend Produkte in China für China entwickelt würden.
Der DAX trotzt den Krisen
Die Entwicklung des DAX in diesem Jahr hat viele Anleger positiv überrascht – trotz Pandemie, Ukrainekrieg, Lieferkettenkrisen und Inflations- sowie Zinsschock. Seit dem Corona-Tief liege der deutsche Leitindex auf dem gleichen Steigerungsniveau wie der Nasdaq mit seinen Technologieriesen Amazon, Apple und NVIDIA. Und obwohl Deutschland und seine Großkonzerne in letzter Zeit oft schlecht geredet werden, spiegele sich dies an den Börsen kaum wider, erinnert Eichler.
Anleger mit Geduld und Gedächtnis sind im Vorteil
Gleichwohl seien die deutschen Werte zurzeit deutlich günstiger zu haben als die US-Pendants: Der DAX wird nach Eichlers Einschätzungen für 2026 gerade mal mit dem 14,7-fachen seiner Gewinne bewertet, der Nasdaq im Vergleich mit dem 24-fachen. Damit würden Deutsche Aktien kein übertriebenes Risikobewusstsein verlangen, sondern vielmehr ein gutes Gedächtnis – was für Langfristinvestoren ideal sei. „Erinnerungen an vergangene Krisenbewältigungen großer Konzerne wie SAP, Siemens oder BMW belegen, dass oft belohnt wird, wer Geduld hat“, betont Eichler.
Der Blick in die zweite Börsenreihe lohnt sich
Ein Sorgenkind der Anleger sind die Nebenwerte, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs und den damit einhergehenden Inflations- und Zinsschocks deutlich unter die Räder gekommen sind. Zur Erinnerung: Auch sie sind exportorientiert, allerdings auch abhängiger vom Binnenmarkt. Und so werde der SDAX mit gerade einmal dem 11-fachen seiner Gewinne für 2026 gehandelt, wie Eichler berechnet hat, wobei er viele Hidden Champions in seinen Reihen habe. Für Anleger ergeben sich daraus attraktive Chancen, denn gerade diese Unternehmen sollten nach Einschätzung des Aktienexperten von den in der Politik gesetzten Impulsen besonders profitieren.
Fazit: Die Volatilität bleibt hoch
„Der Standort Deutschland ist aktuell angeschlagen, aber nicht geschlagen“, resümiert Eichler. Trotz aller Konflikte würden sich Wirtschaft und Märkte außerordentlich widerstandsfähig zeigen. Und obwohl viele Indizes neue Höchststände erreicht haben, herrsche keine Euphorie – im Gegenteil. Es gelte nach wie vor: „Wer hinschaut, findet stille Gewinner zu vernünftigen Bewertungen.“
