Der andere Weg – was für chinesische Aktien spricht

  • James Cook
  • Federated Hermes

MÜNCHEN – Während in China die Anlegerstimmung weiterhin von Skepsis geprägt sei, eröffne die Kombination aus niedrigen Anleiherenditen, attraktiven Dividendenrenditen und niedrigen Bewertungen eine seltene Konstellation für langfristig orientierte Anleger, sagt James Cook von Federated Hermes. Chinesische Aktien böten derzeit einen ungewöhnlich hohen Renditevorsprung gegenüber Staatsanleihen.

„Während Inflation, Renditeanstiege und geldpolitische Straffungen die Weltwirtschaft belasten, zeigen sich an den asiatischen Märkten heterogene Effekte“, zeigt sich James Cook, Head of Investment Directors & Specialists bei Federated Hermes, überaus optimistisch. Höhere Abzinsungssätze hätten die Mindestrenditeanforderungen für Aktien angehoben, was in der Folge zu Bewertungsabschlägen führte, die vor allem wachstumsstarke Titel mit langem Anlagehorizont trafen – allen voran in Marktsegmenten mit anspruchsvollen Bewertungsmultiplikatoren und hohen Gewinnprognosen, so der Experte.

In China würden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch anders darstellen: Während die USA, Großbritannien und Europa weiterhin mit einer strukturell höheren Inflation sowie erhöhten Anleiherenditen zu kämpfen haben, sei das Reich der Mitte nach wie vor durch eine gedämpfte Inflation, eine akkommodierende Geldpolitik und außergewöhnlich niedrige Langfristzinsen gekennzeichnet. So liege die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen bei etwa 1,7 % und damit deutlich unter dem Niveau der meisten Industrieländer.

Dieses Niedrigzinsumfeld treffe auf eine Anlegerstimmung an den chinesischen Aktienmärkten, die nach wie vor von Skepsis geprägt sei. Seit etlichen Jahren sorgen sich Marktteilnehmer um das nachlassende Wirtschaftswachstum, die anhaltende Immobilienkrise, staatliche Regulierungsschritte und die Auswirkungen internationaler Handelskonflikte. In der Folge bewege sich der Hang-Seng-Index und der CSI 300 auf historischen Bewertungstiefs. Als Resultat sind die Dividendenrenditen in vielen Marktsegmenten auf ein Niveau gestiegen, das gegenüber inländischen Staatsanleihen ausgesprochen attraktiv erscheint.

Ein attraktiver Einstiegspunkt

„Aus unserer Sicht ist dadurch eine seltene und äußerst attraktive Einstiegsgelegenheit entstanden“, betont Cook. Für Anleger könne es sich lohnen, den Blick auf hochwertige Unternehmen mit langfristigem Gewinnwachstumspotenzial zu richten – insbesondere im Vergleich zur Rendite von Staatsanleihen. Die positive Renditedifferenz markiere ein historisch hohes Niveau, was signalisiere, dass das höhere Aktienrisiko mit einer entsprechenden Risikoprämie entlohnt werden könnte.
Vor allem aber ziehe sich diese Bewertungsdiskrepanz durch das gesamte Qualitätsspektrum: Branchenführende Unternehmen mit soliden Bilanzen, dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und hoher Cashflow-Generierung würden zu Bewertungsniveaus gehandelt, die historisch Unternehmen deutlich geringerer Qualität und zyklischeren Branchen vorbehalten waren.

„Zwar schaffen eine niedrige Inflation, niedrige Anleiherenditen und ein günstiges geldpolitisches Umfeld eine positive Ausgangslage, doch unser Optimismus für den chinesischen Markt basiert letztlich auf der Möglichkeit, in erstklassige Unternehmen zu Bewertungen zu investieren, die deren langfristige Ertragskraft unseres Erachtens erheblich unterschätzen“, fasst Cook zusammen. Für langfristige Anleger gebe es daher aus seiner Sicht derzeit weltweit kaum einen Markt, an dem die Kombination aus Bewertung, Qualität und Renditepotenzial so attraktiv sei wie in China.

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