Das Comeback europäischer Aktien
- Stefan Duderstedt
- Head of Investment & Client Solutions
- Merck Finck
MÜNCHEN – Europäische Aktien haben seit Jahresanfang eine starke Wertentwicklung hingelegt. Doch wie weiter? Stefan Duderstedt von Merck Finck zumindest ist davon überzeugt, dass der Aufschwung andauert und hält deswegen eine taktische Übergewichtung von Aktien aus Europa für angezeigt.
Getrieben von steigenden Gewinnerwartungen, attraktiven Bewertungen und auch fiskalischen Impulsen haben sich europäische Aktien in der Gunst der Anleger nach oben gearbeitet. Besonders die geplanten höheren Staatsausgaben in Deutschland und das EU-Programm „ReArm Europe“ würden positive Akzente setzen, betont Stefan Duderstedt, Head of Investment & Client Solutions bei Merck Finck.
Er führt auch eine mögliche Friedensdividende an, falls der Russland-Ukraine-Krieg ende, was weiteres Aufwärtspotenzial verspreche. Zwar sei es falsch, sich zugunsten von Europa nun stark aus den USA zurückzuziehen, wie er nachschiebt. Dennoch sei die relative Attraktivität von Titeln aus der alten Welt zuletzt gestiegen. „Um unser europäisches Aktienexposure auszubauen, haben wir daher selektiv US-Aktien verkauft“, sagt Duderstedt. US-Titel blieben damit weiter leicht übergewichtet, aber weniger stark als zuvor.
US-Titel reduziert
Aufgrund der hohen Bewertung vieler US-Titel und der politischen Unsicherheit durch neue Zölle und die unklare zukünftige Steuerpolitik sieht er insbesondere die klassischen Indizes mit ihrem hohen Gewicht bei Tech-Werten skeptisch. Sein Akzent liegt inzwischen mehr auf Industrie- und Finanzwerten – auf Branchen, die von der neuen US-Politik profitieren könnten. „Gleichzeitig bleibt der technologische Fortschritt in den USA ein langfristiger Treiber, weshalb wir das Thema künstliche Intelligenz weiter im Blick behalten“, fügt der Experte hinzu.
Europa schließt wirtschaftliche Lücke
„Für Europa spielt die Fiskalpolitik eine entscheidende Rolle in unserer Neubewertung der Aussichten“, fährt Duderstedt fort. So plane die EU mittels „ReArm“ die Haushaltsregeln auszusetzen, um massiv in die Landesverteidigung zu investieren. Zudem plane Deutschland insbesondere höhere Staatsausgaben für Infrastruktur und Wirtschaftsreformen. „Diese Impulse schließen eine Lücke, die europäische Märkte lange belastet hat: zu wenig Wachstum, zu wenig Investitionen.“ Dies sollte sich nun ändern, womit gibt es wieder eine fundamentale Basis für eine nachhaltigere Kursrallye gebe.
„Dennoch bleiben Risiken bestehen“, warnt Duderstedt. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und mögliche Marktübertreibungen würden daher ein diszipliniertes Risikomanagement und eine breite Allokation erfordern – neben europäischen Aktien zum Beispiel mit kurzlaufenden Anleihen, Gold und weiteren Rohstoffen zur Absicherung.
