Comeback nachhaltiger Aktien – trotz US-Politik
- Gerhard Wagner
- Swisscanto
MÜNCHEN – Nachhaltiges Investieren ist aus der Mode gekommen. So scheint es zumindest. Doch Gerhard Wagner von Swisscanto kann anderes berichten. Seiner Ansicht nach seien etliche nachhaltig ausgerichtete Unternehmen zu finden, die zurzeit innerhalb ihrer Vergleichsgruppen outperformen.
„In Zeiten einer US-Politik, die sich von Klimazielen verabschiedet hat und mit der Losung ‚drill baby drill‘ die Förderung von fossilen Energieträgern forcieren will, sticht die aktuelle Entwicklung ins Auge“, sagt Gerhard Wagner, Head of Sustainable Investments Equities für Swisscanto LUX-Fonds. Entgegen der Erwartungen würden an den weltweiten Aktienmärkten Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, in zahlreichen Fällen zur Outperformance ansetzen. Aktuell sei dies insbesondere bei Firmen zu beobachten, deren Aktivitäten auf die Investmentthemen Klimaschutz und Dekarbonisierung sowie auf den Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft einzahlen.
„Die Entwicklung bestätigt unsere Anlagephilosophie, die wir nun schon seit mehr als 20 Jahren bei den explizit nachhaltigen Fonds vertreten“, ergänzt Wagner, dessen Fokus auf die Bereiche der Wirtschaft ausgerichtet ist, bei denen explizit Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft bestehen würden. „Wir favorisieren Aktien von Unternehmen, die unserer Meinung nach mit ihren Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag leisten können, die Welt besser zu machen“, bringt er es auf einen kurzen Nenner.
Als Alpha-Quellen hat Wagner fünf nachhaltige und strukturelle Investmentthemen identifiziert, die sich mit Klimaschutz und Dekarbonisierung, Aktivitäten gegen die Wasserknappheit, Digitalisierung und digitale Infrastruktur, dem Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft und schließlich einer gesunden Langlebigkeit befassen.
Beispiel Energiewende
„Um der von Menschen verursachten Klimaerwärmung entgegenzuwirken, sind einschneidende Maßnahmen vonnöten“, betont der Experte. Dabei müsse die angestrebte Dekarbonisierung der Wirtschaft aber nicht nur Verzicht bedeuten – sie könnte auch zu einem anhaltenden Treiber für Wachstum werden. Gemäß Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im Jahr 2024 fast 2 Billionen Dollar in saubere Energieträger investiert. „Um von diesem Wandel zu profitieren, sehen wir insbesondere Chancen im Bereich der Stromnetze und -infrastruktur“, sagt Wagner. Der Trend eröffne aber auch Opportunitäten bei der Energieeffizienz und -speicherung, bei sauberer Infrastruktur und Verkehr sowie bei erneuerbaren Energien.
Beispiel Gesundheitswesen
Auch steigende Gesundheitsausgaben erachtet der Experte aus Investmentsicht als interessant. Ende 2025 könnten UN-Prognosen zufolge bis zu 2 Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sein, wobei mit zunehmender Lebenserwartung der Bedarf an Behandlung chronischer Krankheiten und altersbedingter Beschwerden steigt. Das schaffe einen robusten Markt für Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen. Darüber hinaus brauche es Innovationen, um nicht zuletzt das Wachstum der Gesundheitskosten zu begrenzen – womit die Prävention in den Vordergrund rückt. Beispielsweise Behandlungen gegen Fettleibigkeit, um Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen, Niereninsuffizienz oder neurodegenerativen Leiden vorzubeugen. Schätzungen, wonach im Jahr 2035 bis zu 1,8 Milliarden Menschen an Adipositas leiden könnten, würden die Dringlichkeit präventiver Behandlungen unterstreichen.
Allerdings müsse auch das qualitative, nachhaltige Wachstum im Blick bleiben: „Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, können unserer Meinung nach überdurchschnittlich wachsen. Indes, wenn Unternehmen ihre Kapitalkosten nicht verdienen, schaffen sie unseres Erachtens auch keinen Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger.“
