Chancen mit europäischen High-Yield-Anleihen

  • Leonardo Basile
  • Eurizon

MÜNCHEN – „Europäische High-Yield-Anleihen bieten attraktive laufende Erträge, während das Durationsrisiko vergleichsweise begrenzt bleibt“, sagt Eurizon-Manager Leonardo Basile. Die Renditen würden nach wie vor auf einem hohen Niveau liegen, während die Zinssensitivität des High-Yield-Marktes vergleichsweise gering sei. Gleichzeitig dürften die Ausfallraten relativ niedrig bleiben.

„Gerade angesichts hoher Unsicherheit über die weitere Entwicklung von Inflation und Leitzinsen ist die Kombination aus laufendem Ertrag und begrenztem Durationsrisiko relevant“, führt Leonardo Basile weiter aus. Höhere Finanzierungskosten könnten zwar insbesondere schwächere Emittenten unter Druck setzen, so der Portfoliomanager von Eurizon, der Markt differenziere derzeit jedoch im Allgemeinen gut zwischen den einzelnen Schuldnern. Für aktive Anleger eröffne dies Chancen, gezielt in Emittenten zu investieren, bei denen die Refinanzierungsrisiken stärker eingepreist sind, als es die zugrunde liegenden Fundamentaldaten rechtfertigen.

Enge Spreads, aber weiterhin attraktiver Carry

Trotz der vergleichsweise engen Spreads seien die Gesamtrenditen europäischer High-Yield-Anleihen auf einem Niveau, das ein gewisses Polster gegenüber Volatilität und einer Ausweitung der Spreads bietet, erinnert der Experte. Zudem würden die erhöhten Gesamtrenditen weiterhin für Mittelzuflüsse und damit für ein unterstützendes technisches Umfeld sorgen. „Solange sich das Wirtschaftswachstum robust zeigt und die Ausfallraten niedrig bleiben, ist die zusätzliche Rendite gegenüber laufzeitgleichen Investment-Grade-Anleihen nach wie vor überzeugend“, sagt er. Dies gelte insbesondere für das kurze Ende der Zinskurve, wo Anleger eine deutliche Renditeprämie vereinnahmen könnten, ohne ein hohes Durationsrisiko einzugehen.

„Den Sweet Spot sehen wir in einer selektiven Kombination aus kurz laufenden BB-Anleihen und qualitativ hochwertigeren B-Emittenten mit klarer Refinanzierungsperspektive“, wird Basile konkret. Während kurz laufende BB-Anleihen attraktive risikoadjustierte Renditen bieten würden, könnten ausgewählte B-Emittenten zusätzlichen Carry liefern, sofern sich ihre Fundamentaldaten verbessern und ihre Fälligkeitsprofile gut gesteuert sind. Zugleich habe der Anstieg der risikofreien Zinsen die Möglichkeit geschaffen, die Kreditqualität eines Portfolios zu verbessern, ohne dafür wesentlich auf Rendite verzichten zu müssen.

Selektivität bei Emittenten und Sektoren

Doch trotz aller Chancen bleibe bei der Auswahl einzelner Emittenten die Selektivität entscheidend, mahnt der Experte. Er bevorzugt Unternehmen „mit solider Liquidität, positiver Free-Cashflow-Generierung und einer überschaubaren Fälligkeitsstruktur sowie einem nachgewiesenen Zugang zu den Kapitalmärkten, etwa durch jüngste Anleiheemissionen oder erfolgreich abgeschlossene Refinanzierungen“. Vorsicht sei hingegen bei hoch verschuldeten Unternehmen geboten, die gleichzeitig unter anhaltendem Margendruck oder erheblichen Refinanzierungsanforderungen stünden.

Daneben würden auch auf Sektorebene die Unterschiede zunehmen. Infrastruktur, Verteidigung und Teile des Industriesektors könnten von strukturellen öffentlichen Ausgaben und einer verbesserten Visibilität bei den Umsätzen profitieren, während zyklischere Branchen weiterhin mit schwacher Nachfrage und Unsicherheiten im Welthandel konfrontiert seien. Energieintensive Branchen, darunter Bereiche des Glasverpackungssektors sowie einige Fluggesellschaften, würden durch erhöhte Energiepreise belastet. Immobilienemittenten wiederum stünden aufgrund der höheren Zinsen unter Druck.

Short Duration als Ergänzung zu Investment Grade

„Short Duration High Yield kann vor allem als höher verzinsliche Ergänzung zu Investment Grade interessant sein“, fasst Basile zusammen. Innerhalb einer High-Yield-Allokation könne die Strategie zudem eine defensivere Position darstellen, da die Sensitivität gegenüber Zinsbewegungen und Spread-Volatilität geringer sei.

„Angesichts der Unsicherheit über Inflation, Geldpolitik und geopolitische Entwicklungen bietet Short Duration High Yield aus unserer Sicht eine ausgewogene Balance zwischen laufendem Ertrag und Risikokontrolle“, erklärt der Experte. Bei bereits relativ engen Spreads sollten Anleger dabei vor allem mit dem laufenden Carry rechnen und nicht auf eine deutliche weitere Spread-Einengung setzen. Sollte die Inflation hartnäckig bleiben und die Renditen weiter steigen, dürfte das kürzere Durationsprofil dazu beitragen, das Abwärtspotenzial zu begrenzen. Komme es dagegen zu einer Rezession und einer Ausweitung der Credit Spreads, dürfte Short Duration High Yield aufgrund der kürzeren Spread Duration und der höheren Visibilität hinsichtlich der Rückzahlung gegenüber breiter aufgestellten High-Yield-Strategien besser abschneiden. Bei deutlich steigenden Ausfallrisiken wäre dagegen eine höhere Qualität im Investment-Grade-Bereich vorzuziehen.

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