Börsenhoch auf schmalem Fundament

  • Dr. Eduard Baitinger
  • FERI AG

FRANKFURT – Die Börsen weltweit feuern derzeit Höchststände. Dr. Eduard Baitinger mahnt indes vor allzu viel Euphorie. Der aktuellen Börsenhausse fehle die Marktbreite, die für einen stabilen und nachhaltigen Aufschwung nötig wäre, sagt er und rät zu einem „agilen Risikomanagement“.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Dr. Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der FERI AG:

„Die globalen Aktienmärkte setzen ihre positiven Trends unbeirrt fort und erreichen vielfach neue Allzeithochs. Weder die ungünstigen Inflationsdaten noch die Erkenntnis, dass die US-Notenbank die Zinsen doch nicht so schnell senken wird, wie ursprünglich erwartet, können die Euphorie der Anleger trüben. Es scheint so, als ob die Märkte aktuell von einer robusten Gewinnentwicklung angetrieben werden.

Von der befürchteten Gewinnrezession ist zumindest auf Index-Ebene keine Spur zu sehen. Allerdings täuscht diese Perspektive. Blickt man genauer hin, erkennt man, dass sich das Gewinnwachstum vor allem auf die großen Technologie- und Pharmawerte konzentriert. Der aktuellen Börsenhausse fehlt also die Marktbreite, die für einen stabilen und nachhaltigen Aufschwung nötig wäre.

Auffällig ist etwa, dass Unternehmen mit starkem KI-Bezug es immer wieder schaffen, die hochgesteckten Gewinnerwartungen zu übertreffen und damit die hohen Bewertungsniveaus zu rechtfertigen. Hinzu kommt die Marktpsychologie: Niemand will den Börsenboom verpassen. Daher werden aktuell selbst kleinste Rücksetzer zum Einstieg genutzt. Professionelle Investoren sollten in diesem Umfeld die betreffenden Sektoren aktiv gewichten und gleichzeitig ein agiles Risikomanagement beherzigen.

China: Ist der Boden erreicht?

Wie riskant die „Buy the Dip“-Mentalität ist, zeigt sich am Beispiel des chinesischen Aktienmarktes. In den letzten Jahren sind dort die Börsen mit einer erstaunlichen Kontinuität gefallen. Das Nachkaufen endete für viele Investoren in einem Verlustgeschäft.

Die Gründe für die chinesische Börsenschwäche sind vielfältig: Der autoritäre Kurs der Regierung, der hohe private Schuldenstand, die Wirtschaftsflaute und die Krise am Immobilienmarkt. Zuletzt hat Peking ein Maßnahmenpaket verabschiedet, um die Baisse zu beenden. So wurde die Geldpolitik abermals gelockert und ein milliardenschwerer Aktienstabilisierungsfonds in Aussicht gestellt. Gleichzeitig wurden unpopuläre Entscheidungen verkündet, wie die Einschränkung von Aktienverkäufen. Die Börsenkurse haben darauf verhalten positiv reagiert; ob es aber für ein nachhaltiges Comeback chinesischer Aktien reicht, bleibt abzuwarten. Denn Chinas Probleme sind größtenteils strukturell. Um die Wirtschaft zu stimulieren, wird mittelfristig wahrscheinlich kein Weg an unkonventionellen Maßnahmen vorbeiführen.“

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