Bitcoin statt Dollar als Reserve?

  • Johanna Belitz
  • Valour

MÜNCHEN – „Die Position des Dollars als globale Reservewährung ist nicht garantiert“, schreibt Larry Fink, CEO von Blackrock, seinen Kunden. Tatsächlich stehen der US-Dollar und sein Status als Reservewährung stark unter Druck. Johanna Belitz vom ETP-Anbieter Valour bringt hier den Bitcoin ins Spiel, den sie als „perfekte Ergänzung für weltweite Währungsreserven“ sieht.

Was wie ein Tabubruch klingt, hat durchaus Substanz, erklärt beispielhaft Johanna Belitz, Marketing-Managerin beim ETP-Anbieter Valour. Denn Finks Warnung fällt nicht zufällig in eine Zeit, in der die Popularität des Bitcoin enorm steigt und die USA gleichzeitig mit einer historisch hohen Staatsverschuldung, Handels-Konflikten und einem schleichenden Vertrauensverlust gegenüber dem US-Dollar zu kämpfen haben. Konkret warnt Larry Fink: „Wenn die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, wenn die Defizite weiter anschwellen, riskiert Amerika, diese Position an digitale Vermögenswerte wie Bitcoin zu verlieren.“

Für Johanna Belitz kommt die Schwäche der globalen Leitwährung nicht allzu überraschend. Ihrer Ansicht nach hat der Abwärtstrend bereits vor rund 20 Jahren eingesetzt. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sei der Anteil des Greenback an den weltweiten Währungsreserven seither von 70 auf derzeit rund 58 Prozent gesunken. Die Frage ist allerdings, wie etwa der Bitcoin Abhilfe schaffen könnte, wenn der US-Dollar seinen Status als sicheren Hafen verlieren sollte.

Bitcoin als Ergänzung für Währungsreserven

Kurzfristig dürfte der Status des Dollars als Weltreservewährung zumindest gesichert sein. Belitz zumindest sieht ihn derzeit nicht unmittelbar bedroht. Dennoch stehe dieser längerfristig durchaus vor Herausforderungen. So hätten einige Nationalstaaten begonnen, alternative Vermögenswerte wie Bitcoin als Teil ihrer Reserve-Strategie zu prüfen. Und auch wenn Bitcoin den US-Dollar in absehbarer Zeit wohl nicht ersetzen wird, könnten Regierungen erste Schritte unternehmen, indem sie einen Teil ihrer Reserven als Absicherung darin investieren, ahnt die Valour-Managerin.

Es gibt Veröffentlichungen, denen zufolge die Vereinigten Staaten bereits eine beträchtliche Menge an Bitcoin besitzen, die größtenteils durch Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit strafrechtlichen Verfahren erworben wurden. Der Gegenwert soll aktuell bei über 15 Milliarden US-Dollar liegen. Bezogen auf die Gesamtmenge an Bitcoin, die auf 21 Millionen begrenzt ist, repräsentiere der Bestand der US-Regierung damit etwa 1 % aller Bitcoins, die jemals existieren werden, wie Belitz berechnet hat.

Bitcoin und Gold als Pufferwerte

Die Währungsreserven eines Landes sollen unter anderem in Krisenzeiten als Puffer dienen, internationale Zahlungsverpflichtungen absichern und das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität des Landes erhalten, erinnert die Managerin. Das Krisenmetall Gold hat daher in nahezu jeder nationalen Reserve einen festen Platz – neben stark nachgefragten Währungen wie dem US-Dollar. Und das aus gutem Grund: Das Edelmetall bietet in Krisenzeiten Liquidität und kann jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden. Doch was die USA in den vergangenen Monaten erkannt haben: „Was für Gold gilt, gilt auch für Bitcoin“, sagt Belitz.

Ebenso wie Gold sei die beliebte Kryptowährung nur begrenzt verfügbar, zählt die Expertin auf: mehr als 21 Millionen Bitcoin wird es nicht geben. Die Menge an Bitcoin lasse sich also im Gegensatz zu Fiat-Währungen wie dem US-Dollar nicht durch Nachdrucken einfach verwässern. Daher gilt der Bitcoin vielen Anlegern wie Gold als Inflationsschutz. Und ähnlich wie das gelbe Edelmetall lässt sich Bitcoin als Zahlungsmittel einsetzen. Dabei bringe es einige Vorteile gegenüber Gold mit: Durch die Blockchain ist Bitcoin technologisch sicher und schnell handelbar, es kann ohne großen Aufwand und mit nur geringen Kosten online gekauft und getauscht werden. Darüber hinaus ist Bitcoin zensurresistent, die Blockchain ist dezentral, Währungsinstitutionen wie Zentralbanken haben keine Kontrolle über die digitale Währung. „All diese Vorteile machen Bitcoin zur perfekten Ergänzung für weltweite Währungsreserven.“

Die Rolle der Notenbanken

Auch andere Nationen seien gut beraten, das digitale Gold in ihre Reserven aufzunehmen, rät Belitz. Denn der US-Dollar könnte als Devise zunehmend zur Belastung der eigenen nationalen Währungsreserve werden. Kern des Problems: die Schulden der Vereinigten Staaten. Mit über 34 Billionen Dollar Staatsverschuldung bewegen sich die USA auf einem fiskalischen Pfad, der immer schwerer zu legitimieren und – vor allem – zu beherrschen sei. Die jährlichen Zinszahlungen hätten bereits das Verteidigungsbudget überholt. Neue Schulden würden nicht mehr zur Finanzierung von Investitionen aufgenommen, sondern dienten zunehmend der Bedienung alter Schulden.

Währungsreserven brauchen Diversifikation

Zusammengefasst basiert der Status des US-Dollars als globale Reservewährung vor allem auf Vertrauen – in die politische Stabilität, in die Kreditwürdigkeit, in die Führungskraft der Vereinigten Staaten. Doch dieses Vertrauen steht zunehmend infrage, wie Belitz konstatiert. Geopolitische Spannungen, Zoll-Konflikte und eine aggressive Handelspolitik sowie die expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre würden weltweit Zweifel an der Stabilität des Greenback säen. Ähnlich wie Investoren sollten daher auch Staaten darüber nachdenken ihr Portfolio, sprich ihre Währungsreserven, zu diversifizieren, um die Risiken breiter zu streuen.

Klar ist: Bitcoin wird nicht über Nacht den US-Dollar als Reservewährung ersetzen. Aber er rückt zunehmend als Alternativwährung und als echte Option in den Fokus für Währungsreserven. „Wenn der US-Dollar unter der Last der Schulden und aggressiven Handelspolitik zu schwanken beginnt, könnte Bitcoin zum stabilisierenden Gegenpol werden“, resümiert Belitz. Die Warnungen von Blackrock-CEO Larry Fink seien daher einerseits eine Bestandsaufnahme und andererseits vielleicht auch eine Vorhersage.

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