Bitcoin-Absturz – Zwischentief statt Krypto-Winter
MÜNCHEN – Der starke Rückgang von Bitcoin hat viele Anleger überrascht. Während die weltweit größte Kryptowährung noch vor Kurzem Höchststände nahe 126.000 Dollar testete, ist sie inzwischen auf unter 90.000 Dollar gefallen. Dies löste eine Verkaufswelle aus, die den Kurs weiter drückte. Anleger rätseln nun, ob ein Krypto-Winter bevorsteht, oder ob es sich lediglich um eine Korrektur handelt.

Auslöser der jüngsten Bitcoin-Hausse dürften unter anderem ETFs gewesen sein, schreibt der ETP-Anbieter Leverage Shares in seinem Marktkommentar, was sich dann doch recht plötzlich zu einem Kanal für Verkaufsdruck entwickelte. Der Bitcoin hat damit in Kürze seine Gewinne für das Jahr wieder eingebüßt und liegt gegenüber Jahresbeginn sogar im Minus.
Die Experten schätzen, dass allein im Monat November bereits rund 2,8 Milliarden Dollar aus Bitcoin-ETFs abgezogen wurden. Zudem seien Absicherungen gegen Kursrückgänge auf 85.000 bzw. 80.000 Dollar auffallend stark nachgefragt, was als Zeichen dafür gewertet werden könne, dass weitere kurzfristige Korrekturen nicht ausgeschlossen werden. Unter dem Eindruck einer allgemeinen Verschlechterung der globalen Risikostimmung sei der Bitcoin der schnellste Indikator für die Risikobereitschaft und reagierte als erstes und am aggressivsten, so Leverage Shares.
Makroökonomische Gegenwinde nehmen zu: Die Fed spielt nicht mit
Des Weiteren gehen die Experten davon aus, dass die Krypto-Rallye zu Beginn dieses Jahres durch die Erwartung beflügelt wurde, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit der mehrfachen Senkung der Leitzinsen beginnen würde. Dieser Optimismus war indes evrfrüht, da unter anderem der längste Shutdown der US-Regierung in der Geschichte zu einem Blackout bei den makroökonomischen Daten führte – und die Fed zur Vorsicht veranlasste. Wenn wiederum die Liquidität knapp werde, würden Assets wie Bitcoin dies als Erste spüren, beschreibt Leverage Shares. Insofern fungierte der Bitcoin in den letzten Wochen als globales Liquiditätsbarometer und signalisierte, dass das makroökonomische Umfeld kälter wird und die Risikobereitschaft der Anleger nachlässt.
Warum dies – noch – kein Krypto-Winter ist
Derzeit sehe die Reaktion des Marktes noch nach einer geordneten Risikoreduzierung als nach einer ungeordneten Flucht aus dem Markt aus, schreibt der ETP-Anbieter. Zwar habe sowohl an der Nasdaq als auch bei Kryptowährungen die Volatilität zugenommen, doch der VIX-Boden sei nur geringfügig angestiegen. Dies deute auf einen Markt hin, der sich in Stärke abgesichert hat und nun eher dazu neigt, Positionen zu reduzieren, als in Panik zu verfallen.
Der Begriff „Krypto-Winter“ wiederum ist zu einer Kurzform und Synonym für tiefe, anhaltende Abschwünge geworden. Dies sei im Moment eher nicht zu erwarten, denn der Abwärtstrend bei Bitcoin werde durch makroökonomische Unsicherheiten angetrieben und nicht durch eine strukturelle Schwäche. Entsprechend positiv schätzen die Experten bei Leveraged Shares die Aussichten für 2026 ein. Der Bitcoin befinde sich zwar technisch gesehen in einem Bärenmarkt, es gebe jedoch keine Anzeichen für systemische Belastungen. Die aktuelle Korrektur sei sogar typisch für das historische Verhalten von Bitcoin, bei dem Rückgänge von 25 Prozent bis 30 Prozent häufig in der Mitte eines Bullenmarktes und nicht am Ende auftreten.
Der ETP-Anbieter redet aktuell einer Krypto-Bereinigung das Wort, die zwar hart genug sei, um Neulinge abzuschrecken, aber gesund für eine langfristige Positionierung. Es sei festzustellen, dass die Verkäufe in erster Linie von kurzfristigen Anlegern stammen. Langfristig orientierte Anleger würden dagegen weiterhin zukaufen. Die gegenwärtige Marktsituation sei zwar unangenehm, aber wiederum auch typisch für die nächste Aufwärtsbewegung.
Worauf sich Anleger jetzt konzentrieren sollten
Zu den wichtigen Risiken, die es zu beobachten gilt, gehören ein mögliches Ausbleiben der Zinssenkung im Dezember, eine tiefere Korrektur bei Technologieaktien, beschleunigte ETF-Abflüsse und eine anhaltende Verschlechterung der Liquidität. Auf der positiven Seite könnten eine sich stabilisierende Risikobereitschaft bei globalen Aktien und sich abzeichnende Bitcoin-Akkumulationen um die 80.000-Dollar-Marke eine Grundlage für eine eventuelle Erholung bilden.
Insofern sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren, bis klare Anzeichen dafür zu erkennen sind, dass der Ausverkauf vorbei ist und die Fed weiter im Auge behalten, raten die Experten. Der kalte Wind, der heute durch die Kryptowelt weht, komme nicht aus der Branche selbst. Er wehe aus Washington herüber.
Über Leverage Shares:
Leverage Shares wurde 2017 gegründet und bietet mehr als 160 ETPs an, die sowohl gehebelte als auch ungehebelte Investments in Einzelaktien, ETFs und Rohstoffen beinhalten.
