Beste Aussichten für Gold
- Benjamin Louvet
- Head of Commodities
- Ofi Invest Asset Management
MÜNCHEN – „Die Zeichen stehen auf Grün für Gold im Jahr 2025“, sagt Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management. Als einen der Hauptgründe für seine Prognose führt er die schiere Höhe der Staatsschulden vieler westlicher Volkswirtschaften an, allen voran der USA, was niedrige Leitzinsen notwendig mache.
Die Experten von Ofi Invest sind überaus optimistisch für Gold eingestellt, sodass sie einen Goldpreis von bis zu 3000 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2025 für realistisch halten, was gegenüber dem aktuellen Stand von 2616 Dollar einen Zuwachs von rund 15 Prozent bedeutet.
Sinkende Zinsen als Push für den Goldpreis
Als Grund für den Optimismus für das gelbe Metall führt Ofi-Manager Louvet vor allem die Schuldenprobleme und das aufkeimende Misstrauen gegenüber dem Dollar an – also strukturelle Probleme, die sich langfristig auf die Goldpreisentwicklung positiv auswirken dürften. So würden die Kosten für den Schuldendienst in den USA heute schon über 1100 Milliarden Dollar jährlich betragen, wie er vorrechnet, was mehr als 4 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2023 entspreche.
Da zudem ein Drittel der US-Schulden in den nächsten drei Jahren umgeschuldet werden soll, könnten die Kosten für den Schuldendienst bald sogar 5 Prozent des BIP übersteigen, argwöhnt Louvet. Sein Haus geht daher davon aus, dass die Leitzinsen langfristig weiter gesenkt werden, „auch wenn die protektionistischen Maßnahmen der Trump-Regierung kurzfristig den Druck auf die Inflation erhöhen könnten“.
Die einfache Rechnung dabei: Sofern die Zinsen niedrig sind, sind Anleihen weniger attraktiv, weshalb Anleger vermehrt in Gold investieren. Historisch gesehen hat ein Rückgang der Realzinsen um 1 Prozent den Goldpreis um durchschnittlich 22 Prozent steigen lassen, wie Louvet erinnert. In dem Maß, in dem die Zentralbanken die Zinsen senken, wird Gold für Anleger also attraktiver.
Steigende Goldnachfrage der Zentralbanken
Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis pushen dürfte, sind die Käufe der Zentralbanken weltweit. Schon 2022 und 2023 hätten sie – allen voran die People's Bank of China (PBoC) –Rekordmengen an Gold in etwa einem Viertel des gesamten Weltmarkts gekauft, wie Louvet berichtet. In der ersten Jahreshälfte 2024 habe sich dies fortgesetzt, allerdings mit verlangsamtem Tempo. Im dritten Quartal 2024 seien wiederum beispielsweise die Zentralbanken von Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik als Nettokäufer von Gold am Markt beobachtet worden.
Last but not least begünstigt auch die geopolitische Lage die Preisentwicklung von Gold. So hat die Entscheidung der amerikanischen Regierung, russische Vermögenswerte wegen der Invasion in der Ukraine einzufrieren, in einigen Ländern das Vertrauen in den Dollar erschüttert. Als Folge daraus ist zu beobachten, dass Länder mit angespannten Beziehungen zu den USA ihre Dollar-Bestände reduzieren und ihre Goldreserven aufstocken. „Die chinesische Zentralbank beispielsweise verkaufte in der ersten Jahreshälfte 2024 eine Rekordmenge an auf US-Dollar lautende Vermögenswerte“, präzisiert der Ofi-Manager.
