Ausgangslage für Anleihen so attraktiv wie lange nicht

  • Michael Weidner
  • Lazard Asset Management

MÜNCHEN – „Bereits eingepreiste Risiken auf dem Anleihenmarkt ebnen derzeit den Weg für attraktive Realrenditen“, sagt Michael Weidner von Lazard Asset Management. Voraussetzung sei aber, flexibel zwischen Regionen und Laufzeiten zu agieren und robuste Märkte wie Skandinavien zu integrieren.

„Während der Iran-Krieg und der damit verbundene Energiepreisschock die Märkte im ersten Quartal unter Druck gesetzt haben, hat die daraus resultierende Renditeanpassung die Ausgangslage für Anleiheinvestoren so interessant gemacht wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, erklärt Michael Weidner, Portfoliomanager/Analyst bei Lazard Asset Management. Die Märkte hätten die neue Inflationsdynamik bereits in weiten Teilen verarbeitet, wodurch die Renditen auf ein attraktives Niveau gestiegen seien, das nun ein deutliches Polster biete. Damit sieht er ein Umfeld, das wieder primär von hohen laufenden Erträgen getragen werde und zugleich tiefgreifende relative Chancen für den weiteren Jahresverlauf eröffne.

Stabilität bei kurzen und mittleren Laufzeiten

Im kurzen und mittleren Laufzeitenbereich sei nach der jüngsten Korrektur ein hohes Maß an Stabilität zu erkennen. Zwar habe der Energiepreisschock die Erwartungen an die zukünftige Zinspolitik der großen Zentralbanken deutlich verschoben. Etwa in Form von Zinssteigerungen aufgrund strukturell hoher Staatsausgaben in Europa, enger Arbeitsmärkte und des neuerlichen Inflationsdrucks. Gleichzeitig sei eine restriktivere Phase bereits weitgehend eingepreist. „Somit bieten die aktuellen Niveaus eine gut planbare laufende Verzinsung, die dem Markt erheblichen Rückenwind gibt“, betont Weidner.

In den USA stelle sich die Lage gleichwohl ein wenig anders dar. Die US-Notenbank navigiere in schwierigerem Fahrwasser, da unsicheres Wachstumspotenzial auf eine hartnäckige Inflation treffe und der turnusgemäße Wechsel an der Spitze der Notenbank für zusätzliche Unsicherheit sorge.

Renditedruck am langen Ende

Am langen Ende der Kurve bleibe auch nach der jüngsten Neubewertung ein gewisser Renditedruck bestehen. „Wir gehen von einer neuerlichen Versteilerung der Zinskurven, insbesondere in der Eurozone, aus“, bemerkt Weidner. Dies wäre eine logische Konsequenz aus ambitionierten fiskalischen Programmen – etwa für Verteidigung und Energieumbau –, engen Arbeitsmärkten sowie unsicheren kurzfristigen Wachstumsaussichten. „Rentenanleger müssen grundsätzlich mit erhöhter Volatilität rechnen, werden dafür aber mit deutlich verbesserten Konditionen entschädigt“, sagt der Experte.

Die aktuell herrschende hohe Zinsvolatilität sei dabei kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein strukturelles Merkmal einer neuen Marktphase. „Divergierende geldpolitische Zyklen, geopolitische Verschiebungen und eine fragile Handelsordnung führen dazu, dass regionale Zinsmärkte nicht mehr synchron laufen“, erläutert der Experte. Für aktive, global agierende Manager würden diese Divergenzen außergewöhnliche Ertragschancen durch gezieltes Durationsmanagement und eine aktive Wertpapierselektion eröffnen.

Robuste Verfassung der Unternehmensschuldner

Hinsichtlich Unternehmensanleihen bleibe das Bild trotz der geopolitischen Eskalation bemerkenswert konstruktiv. „Die Kreditspreads haben sich trotz des Schocks nicht flächendeckend ausgeweitet“, weiß Weidner. Dies unterstreiche die robuste Verfassung der Emittenten. So würden im Umfeld höherer Marktzinsen stabile Margen und solide Refinanzierungsstrukturen für Widerstandsfähigkeit bei Unternehmen sorgen. Zudem sei der Umfang der Verschuldung in den meisten Sektoren unter Kontrolle. „Wir sind überzeugt, dass solide Emittenten ihre Mehrrendite gegenüber Staatsanleihen auch im weiteren Verlauf von 2026 verdienen werden.“

Skandinavien: Sicherheit mit Rendite-Plus

Im aktuellen Umfeld hebt der Experte den skandinavischen Markt besonders hervor. Die Region habe ihre relative Stärke durch solide Staatsfinanzen und institutionelle Stabilität untermauert. Zudem sei etwa im Nordic High-Yield-Segment ein Großteil der Anleihen variabel verzinst, weshalb das Zinsrisiko weitgehend neutralisiert werde – ein entscheidender Vorteil in Zeiten volatiler Inflationsdaten. „Bei Nordic High Yield finden Anleger aktuell die seltene Kombination aus kurzen Laufzeiten und überdurchschnittlichen Renditen, was dieses Segment zu einer der attraktivsten Nischen weltweit macht“, sagt Weidner.

Eine Überlegung wert seien außerdem dänische Callable Mortgage Bonds. Diese böten im High Quality-Segment (AAA) ein einzigartiges Ertrags-Risiko-Profil, welches das Renditeniveau von Investment-Grade-Unternehmensanleihen deutlich übertreffe und dies bei gleichzeitig höherer Bonität und Liquidität.

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