Ausblick für Industriemetalle

  • Benjamin Louvet
  • Ofi Invest Asset Management

MÜNCHEN – Gold ist in den Fokus der Anleger gerückt und markiert immer wieder neue Höchstpreise. Doch wie sieht es mit den anderen Metallen aus? Benjamin Louvet, Head of Commodities bei Ofi Invest Asset Management, gibt einen Ausblick für die Entwicklung der Industriemetalle Kupfer, Zink, Nickel und Aluminium für 2025.

Beispiel Kupfer: Hier sieht Benjamin Louvet eine deutliche Nachfragesteigerung, die beispielsweise durch die Entwicklung von Elektroautos angetrieben wird, die viermal so viel Kupfer benötigen als herkömmliche benzinbetriebene Autos. Daneben benötigt auch der Aufbau von Photovoltaik- und Windenergiekapazitäten Kupfer, die 2025 laut der Bank of America um 15 % bzw. 60 % wachsen dürften.

Die chinesische Regierung wiederum habe angekündigt, 2025 stärker in das heimische  Stromnetz investieren zu wollen – Schätzungen zufolge in Höhe von 89 Milliarden Dollar.

Demgegenüber bezeichnet Louvet die aktuellen Meldungen der Bergbaukonzerne bezüglich der Produktion als eher konservativ. Die jüngsten Prognosen von Ivanhoe Mines lagen etwa 5 % unter den vorherigen. First Quantum äußerte sich ebenfalls zurückhaltend. Und in Peru, dem zweitgrößten Produzenten der Welt, ging die Produktion 2024 im Oktober um 1,4 % und im November um 5,0 % zurück.

Chile, als weltweit größter Produzent, senkte seine mittelfristigen Prognosen um etwa 14 % und rechnet mit einem Höchststand seiner Produktion im Jahr 2027.

Im Ergebnis werde der Kupfermarkt aller Wahrscheinlichkeit nach in ein chronisches Angebotsdefizit übergehen, wobei nach Louvets Einschätzung 2025 das erste Jahr dieses langfristigen Trends sein könnte. Die Kupferpreise könnten sich wieder in die Nähe ihrer Höchststände bei etwa 10.500 Dollar pro Tonne bewegen.

Zinkpreis bleibt stabil

Nachdem die Zinkpreise 2024 durch schwerwiegende Produktionsbeschränkungen sowie durch Verzögerungen bei bestimmten Projekten und ungeplanten Zwischenfällen in die Höhe getrieben wurden, könnte die Produktion im Jahr 2025 um etwa 5 % steigen, schätzt der Experte. Dabei dürfte sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nur geringfügig verändern und von einem leichten Defizit zu einem leichten Überschuss führen. Louvet geht daher davon aus, dass die Zinkpreise dieses Jahr stabil bleiben oder sogar leicht ansteigen.

Wenig Potenzial für Kurssteigerungen bei Nickel

„Indonesien ist mit einem Marktanteil von mehr als 55 % bei der Produktion von raffiniertem Nickel zum größten Produzenten der Welt aufgestiegen“, blickt Louvet auf das Industriemetall Nickel. Der Markt weise seit mehreren Jahren einen Überschuss auf, der auf die Ausweitung der indonesischen Produktion zurückzuführen ist. Selbst wenn die Nachfrage weiter steigt, weil Edelstahl weiterhin gefragt ist und der Bedarf an Elektroauto-Batterien zunimmt, werden sich Angebot und Nachfrage nur langsam ausgleichen. In Europa, der Region, in der die meisten Batterien auf Nickelbasis verwendet werden, könnten strengere Umweltstandards die Autohersteller dazu veranlassen, das E-Auto-Segment zu forcieren.

In China wiederum könnte der Markt durch die Ausweitung der Abwrackprämie Auftrieb erhalten, wie der Experte hinweist. Einerseits dürfte dies den für dieses Jahr erwarteten Überschuss etwas verringern und sofern Indonesien einen Angebotsrückgang bestätigt, könnte sich der Markt wieder annähernd im Gleichgewicht einpendeln.

Unter dem Strich gibt es somit wenig Potenzial für Kursgewinne bei Nickel in diesem Jahr. Ebenso besteht aber auch wenig Risiko für eine Korrektur. „Die Preise müssen auf dem derzeitigen Niveau bleiben, damit die Produktion von Batterien rentabel ist und der Markt in diesem Segment angemessen versorgt werden kann“, resümiert Louvet.

Preisanstieg bei Aluminium erwartet

Der mit fast 60 % weltweit größte Produzent von Aluminium, China, ist inzwischen sehr nahe an seiner Produktionsgrenze angelangt. Die Regierung hat diese aufgrund des hohen Energieverbrauchs und des Umweltschutzes auf jährlich 45 Millionen Tonnen festgelegt (die Aluminiumproduktion verursacht enorme CO2-Emissionen; laut Weltbank durchschnittlich 18 Tonnen pro Tonne produzierten Metalls). Demgegenüber könnte die weltweite Alu-Nachfrage nach Angaben von JP Morgan um etwa 2,5 % steigen.

Aufgrund des zunehmenden Verbrauchs und der eingeschränkten Produktion werde der Aluminiummarkt 2025 daher ein Angebotsdefizit aufweisen, was die Metallpreise stützen dürfte, so Louvet. Je nach den Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage könnten die Aluminiumpreise seiner Ansicht nach um 5 bis 10 % steigen.

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