Anleihen - Chancen in einem Hochzinsumfeld

  • Bastian Gries
  • ODDO BHF AM

FRANKFURT – „Derzeit rechnen die Märkte mit mehreren Zinssenkungen noch in diesem Jahr“, sagt Bastian Gries von ODDO BHF AM. „Vor diesem Hintergrund bleiben die Bewertungen von Anleihen attraktiv und dürften mittelfristig ein gutes Aufwärtspotenzial bieten.“

Ab hier folgt der Marktkommentar von Bastian Gries, Global Head of Investment Grade & Asset Allocation bei ODDO BHF AM:

Unternehmensanleihen bieten Gries zufolge in diesem Jahr ein gutes Risiko-Rendite-Profil – sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich. Allerdings gelte es bei der Auswahl die Kreditwürdigkeit der Unternehmen und sektorale Besonderheiten zu berücksichtigen. Die Immobilienbranche beispielsweise stecke bis auf weiteres in der Krise, weshalb hier die möglichen Erträge nicht für die Risiken entschädigten. Insgesamt sei eine auf den Fundamentaldaten basierende Kreditselektion daher unerlässlich.

Unternehmensanleihen mit gutem Risiko-Rendite-Profil

„Wir gehen davon aus, dass die Anleihemärkte 2024 weiter an Boden gutmachen werden. Insbesondere Erträge von Unternehmensanleihen in Höhe von 4 bis 6 % erscheinen unabhängig vom makroökonomischen Szenario dank der nach wie vor vorhandenen soliden Puffer durchaus realistisch“, so der Investmentexperte.

Investment-Grade-Anleihen erzielten im vergangenen Jahr eine Rendite von rund 8 %, was auf niedrigere Kreditspreads und sinkende Basisrenditen zurückzuführen war. Auch der europäische Markt für Hochzinsanleihen (HEAE-Index ICE BofA Euro Non-Financial Fixed & Floating Rate High Yield Constrained) zeigte 2023 mit einem Plus von über 12 % eine starke Performance, wobei sich die Spreads um mehr als 100 Basispunkte verringerten. Abgesehen von leichten vorübergehenden Schwächen im Februar/März aufgrund der Turbulenzen um SVB (Silicon Valley Bank), Credit Suisse und im Oktober aufgrund der Eskalation im Nahen Osten zeigten alle Monate eine positive Performance. Insbesondere die letzten beiden Monate des Jahres sahen starke Kursgewinne, da der Markt über bevorstehende Zinssenkungen bei sinkender Inflation und einer fragilen gesamtwirtschaftlichen Situation spekulierte.

Aussichten für 2024

Das Wachstum in Europa dürfte sich Gries zufolge weiter abschwächen. Vor allem in den ersten beiden Quartalen könnte die Wirtschaft aufgrund der anhaltend hohen Energiekosten und eines sehr fragilen Konsumverhaltens unter Druck geraten. „In der zweiten Jahreshälfte könnten dann höhere Reallöhne und niedrigere Zinssätze zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen. Der weltweite Rückgang der Inflation wird es den Zentralbanken ermöglichen, die Zinssätze zu senken“, erläutert der Anleihenportfoliomanager. Der Zeitpunkt dafür sei jedoch ungewiss und könnte zu Enttäuschungen auf den Kapitalmärkten führen. Die hohe Staatsverschuldung und die anhaltende Unberechenbarkeit der geopolitischen Lage bergen ein Volatilitätspotenzial.

Das Renditeniveau von 3,6 % (vom 31.12.2023) für Investment-Grade-Credit bietet dem Experten von ODDO BHF zufolge einen starken Carry, insbesondere wenn man mögliche Zinssenkungen im Laufe des Jahres berücksichtigt. Der Markt habe ein Soft-Landing-Szenario mit einem disinflationären Trend eingepreist, der die Inflation in Richtung der Zentralbankziele zurückführe. „Dabei ist eine Wachstumsverlangsamung bereits eingepreist, nicht jedoch eine Rezession. Im Falle einer stärkeren Rezession dürften die zugrunde liegenden Renditeniveaus weiter sinken und könnten einen Ausgleich für potenziell höhere Kreditspreads bieten“, führt Gries aus.

Die Bedingungen und die Qualität des europäischen High-Yield-Marktes bleiben laut Gries unterdessen gut: „Über 60% der Emissionen liegen im BB-Bereich und Ratingveränderungen fielen eher positiv aus (mehr Herauf- als Herabstufungen). Bis auf Unternehmen im Immobiliensektor, in dem wir die meisten zukünftigen Ausfälle erwarten, ist die Liquidität der Unternehmen zufriedenstellend und zukünftige Fälligkeiten können frühzeitig refinanziert werden. Wir erwarten eine gute Neuemissionsaktivität im High-Yield-Markt für das Jahr 2024.“

Risiken beachten

Zu den Risikofaktoren, die vorübergehend zu einer Ausweitung der Spreads führen könnten, gehört ein unerwartet starker Wirtschaftsabschwung. Emittenten von Euro-Investment-Grade-Anleihen wiesen jedoch im Durchschnitt eine gute Kreditqualität auf und verfügten über einen relativ geringen Verschuldungsgrad und hohe Liquiditätspuffer, die sie in den letzten Jahren aufgebaut haben. Daher seien die meisten Unternehmen grundsätzlich gut positioniert, um eine Phase der wirtschaftlichen Schwäche zu überstehen. Dennoch bleibe die fundamentale Kreditauswahl in einem Umfeld hoher Energiekosten und einer schwachen Verbrauchernachfrage entscheidend.

Der Schwerpunkt einer Investition sollte auf Unternehmen liegen, die über ein robustes Geschäftsmodell verfügen und in der Lage sind, einer möglichen Konsumschwäche mit einer moderaten Verschuldung zu begegnen oder diese schnell zu reduzieren.

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