Anleger aufgepasst! Politische Risiken nehmen zu
- Kay-Peter Tönnes
- Antecedo AM
FRANKFURT – „Der US-Präsident lebt unter dem Damoklesschwert der Zwischenwahlen 2026“, warnt Kay-Peter Tönnes von Antecedo AM. Sollte seine Mehrheit unter Druck geraten, werde er alles daransetzen, Stärke zu demonstrieren, was als zentraler Unsicherheitsfaktor für die Märkte zu werten sei.
Forderungen wie höhere Zölle oder geopolitisch aufgeladene Vorstöße rund um Grönland seien weniger wirtschaftlich motiviert als innenpolitisch getrieben, glaubt Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management. Jüngst habe er seine Drohung, Grönland notfalls zu „nehmen“, zwar rhetorisch abgeschwächt und teils Signale gesendet, bei Zöllen zurückzurudern. Gleichzeitig behauptete er jedoch in Davos, es gebe einen „Rahmen“ für NATO-Gespräche, der den USA faktisch umfassenden Zugriff bzw. Zugang zu Grönland eröffne.
Für die Kapitalmärkte bleibt damit das Kernrisiko bestehen: Ein politisch getriebener Konflikt kann schnell eskalieren und die Volatilität sprunghaft erhöhen. Und Grönland ist nicht das einzige Spannungsfeld. Die Auseinandersetzung um die Ausrichtung der US-Notenbank oder das Vorgehen der Einwanderungsbehörden können jederzeit zu großen politischen Konflikten heranwachsen.
Risiken aktiv managen
Um es vorweg zu nehmen: Tönnes sieht aktuell keine grundsätzlich schlechte Ausgangslage für die Aktienmärkte. Die Unternehmensgewinne seien solide, das Zinsumfeld moderat und die Inflation beherrschbar – ein Markteinbruch somit nicht zwingend zu befürchten. Zumal die Börsen in den vergangenen Jahren bewiesen haben, dass sie selbst schwere geopolitische Schocks verkraften können. Gerade deshalb sei eine pauschale Verkaufsstrategie für Anleger der falsche Ansatz.
Allerdings seien die Risiken spürbar gestiegen, weshalb sich Anleger gedanklich auf stärkere Schwankungen vorbereiten sollten, um zu prüfen, wie ihre Portfolios auf Rückschläge von 20 oder 30 Prozent reagieren. „Absicherung ist derzeit vergleichsweise günstig“, erklärt Tönnes. Die Optionspreise an den Märkten liegen noch unter dem langfristigen Durchschnitt. Schutzstrategien über Put-Optionen, Volatilitätsindizes oder Fonds, die von steigenden Marktschwankungen profitieren, könnten sinnvolle Bausteine sein. Daher gelte: „Risiken aktiv managen!“ Wer vorbereitet sei, könne Marktstress nicht nur abfedern, sondern unter Umständen sogar gezielt nutzen.
