Aktuelle Herausforderungen – wie Anleger reagieren können
- Justin Thomson
- T. Rowe Price
MÜNCHEN – Die äußerst aggressiven Zölle, die die Trump-Regierung verkündete, waren ein Schock für die Weltwirtschaft und möglicherweise auch für die Weltordnung. Noch ist unklar, wann und in welcher Höhe diese in Kraft treten. Doch für Anleger bedeute dies, sich sowohl taktisch als auch strategisch besonnen aufzustellen, wie Justin Thomson von T. Rowe Price rät.
Justin Thomson hält extreme Tail-Ereignisse – etwa eine vollständige Aufhebung der Zölle oder andererseits den wirtschaftlichen Weltuntergang, der auf eine vollständige Entkopplung Chinas und der USA folgen könnte – für unwahrscheinlich. Der Leiter des T. Rowe Price Investment Institutes erwartet vielmehr einen noch unklaren Mittelweg, der mit dauerhaft höheren Zöllen und weiteren Handelsverhandlungen gepflastert sein dürfte. Zugleich warnt er, dass der orthodoxen Wirtschaftstheorie folgend, Zölle inflationär wirken und der Nachfragerückgang der US-Wirtschaft und der Weltwirtschaft erheblichen Schaden zufügen werden. Allerdings sei derzeit nur sehr wenig an der Politik orthodox.
Das passende Vorgehen für Anleger
Insofern die Wirtschaft in eine Rezession eintritt, stehen aus taktischer Sicht defensive Sektoren wie Versorger, Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter im Fokus. Jedoch sollten Anleger auch strategisch vorgehen und potenzielle strukturelle Veränderungen berücksichtigen. In Europa seien beispielsweise Impulse zu beachten sowie die massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Letztlich sollten Anleger ruhig, zuversichtlich, energiegeladen, fokussiert, sachkundig und vorausschauend bleiben. Seine Erfahrung zeigt, dass die Chancen sehr gering sind, wirklich großartige Unternehmen zu großartigen Preisen zu kaufen. „Daher glauben wir daran, Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten“, mahnt Thomson.
Identifizierung von Wettbewerbsvorteilen
Der erste Schritt besteht darin, ein tiefgreifendes Verständnis von Unternehmen zu erlangen, was sich letztendlich dann auszahlen wird, wenn sich die Bedingungen verbessern. Daher sollte die Welt mit einem überdurchschnittlich langen Blick betrachtet werden und eine Konzentration auf das Wesentliche stattfinden.
Die Volatilität zum Vorteil nutzen
Wenn die Märkte in Unordnung geraten und die Volatilität extrem wird, sollten Anleger umfassende Portfolioänderungen vermeiden. Allerdings bieten extreme Verwerfungen bei den Wertpapierpreisen die Chance, Positionen günstig aufzubauen.
Verzicht auf exakte Prognosen
Da niemand in der Lage ist, den genauen Tiefpunkt bei Aktienkursen vorherzusagen, sollten Anleger nicht versuchen, danach zu handeln und stattdessen vermeiden, sich verrückt machen zu lassen. „Ungefähr richtig zu liegen ist besser als präzise falsch“, formuliert Thomson, der eine Mittelwertstrategie präferiert.
Investiert bleiben
Wenn an den Märkten eine Gegenbewegung einsetzt, ist diese oft stark und zeitlich begrenzt, was eine rechtzeitige Reinvestition erschwert. In allen Bärenmarktzyklen seit den 1990er-Jahren wurde der Wendepunkt erst im Laufe der Zeit deutlich, wie Thomson sich erinnert. Es gab keine Glocke, die den Tiefpunkt signalisierte. Daher rät er, allen Verunsicherungen zum Trotz investiert und diversifiziert zu bleiben. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sich die relative Ertragskraft von Unternehmen gegebenenfalls verändert hat, so dass die historischen Notierungen allenfalls Erinnerungswert haben. Man kann leider nicht zu den Kursen von gestern handeln.
