9. HW-Talk: „Sieben der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt arbeiten inzwischen nach einem Plattformmodell“

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Erfolgreiche Plattformen-Unternehmen schaffen es, aus den Daten, die sie gewinnen, etliche Zusatzdienste zu generieren und damit viel Geld zu verdienen, erklärt Dr. Holger Schmidt, der an der TU Darmstadt Digitale Transformation lehrt, im Gespräch mit Hedgework-Gastgeber Uwe Lill. Daraus sei die Idee entstanden, die Überlegenheit dieser Plattformen gegenüber klassischen Geschäftsmodellen an der Börse abzubilden, einen Index zu berechnen und darauf einen klassischen Publikumsfonds zu setzen.

Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung des Podcasts:

Uwe Lill: Meine lieben Damen und Herren, liebe Hedgeworkerinnen und Hedgeworker. Mein Name ist Uwe Lill, ich bin der Initiator der Hedgework-Reihe, die sich seit 2004 um Diskussionen um alternative, nachhaltige und digitale Investments bemüht. Für den heutigen Hedgework-Talk, den neunten, habe ich einen ganz besonderen Gast, Dr. Holger Schmidt. Holger Schmidt ist Speaker zur Digitalisierung der Wirtschaft und der Arbeit. Seine Kernthemen sind Plattformökonomie, künstliche Intelligenz und digitale Geschäftsmodelle. Er lehrt Digitale Transformation an der TU Darmstadt, schreibt Bücher, ist Kolumnist und auch der Erfinder des Plattform-Index.
Da kommen wir später noch dazu. Ganz früher war er auch Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Da haben sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt. Lieber Holger, danke dafür, dass du heute im Hedgework-Talk mein Gast bist.

[01:12]

Dr. Holger Schmidt: Vielen Dank und vielen Dank für die Einladung.

[01:14]

Uwe Lill: Lieber Holger, lass uns heute mal hauptsächlich über das Thema Plattformökonomie reden. Was ist denn eine Plattformökonomie? Gib mal eine Definition, bitte.

[01:26]

Dr. Holger Schmidt: Plattformen sind die Unternehmen, die sich nicht auf die Produktion eines Produktes konzentrieren, sondern die die Interaktion zwischen Anbieter und Nachfrager herstellen. Ganz simpel gesprochen: Airbnb stellt die Interaktion zwischen Wohnungsmieter und Wohnungsvermieter her. Das ist sozusagen die Urform einer Plattform. Da gibt's inzwischen ganz viele Verästelungen und Weiterentwicklungen. Aber das ist so der Kern einer Plattform.

[01:47]

Uwe Lill: Ja, und welche Vorteile haben solche Plattformökonomien?

[01:50]

Dr. Holger Schmidt: Viele Plattformen haben sich inzwischen an die Spitze ihrer Märkte gesetzt. Sieben der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt arbeiten nach einem Plattformmodell. Das liegt einfach daran, dass Plattformen sehr viel Vorteile daraus ziehen, wenn sie größer werden, also zum Beispiel mehr Netzwerkeffekte. Meistens haben Unternehmen den Nachteil, wenn sie größer werden, dass sie dann langsamer und träger werden. Plattformen werden größer und schneller – und das ist ein Vorteil, den sie im Moment in vielen Märkten sehr elegant ausspielen.

[02:18]

Uwe Lill: Wenn du sagst, sieben von zehn Unternehmen, also von den größten Unternehmen der Welt, sind inzwischen Plattformökonomien, pick doch mal bitte zwei, drei, vier raus und sag uns, was da der USP ist.

[02:32]

Dr. Holger Schmidt: Die Unternehmen kennt jeder, das sind die GAFA´s: Google, Apple, Facebook, Amazon, Alibaba und Tencent. Schauen wir uns z.B. mal Amazon an, auch ein Beispiel, das jeder kennt. Die haben diesen Marketplace, auf dem inzwischen für ungefähr 400 Milliarden Dollar gehandelt wird, pro Jahr. Sie schaffen es virtuos, um diesen Marktplatz herum immer mehr Services zu bauen, also die Fulfillment-Services für die Händler. Inzwischen haben sie ein 20 Milliarden Dollar Werbegeschäft obendrauf gebaut und schaffen es immer weiter, in diesen Märkten zu wachsen.
Das ist eigentlich ihr Kerngeschäft. Mit dem Handel verdienen sie gar nicht so viel. Das Geld verdienen sie mit den Services, die sie außen herum bauen. Und das funktioniert bei den anderen, wie Alibaba beispielsweise, inzwischen genauso gut und wächst eigentlich immer mehr. Die Hälfte des Geschäfts läuft inzwischen über diese Plattformservices und nicht mehr über den Kern des Handels.

[03:20]

Uwe Lill: Du sprichst ja inzwischen auch von Plattformökonomien der dritten und vierten Generation. Was ist denn der Unterschied zur ersten und zweiten Generation?

[03:31]

Dr. Holger Schmidt: Die erste und zweite ist ungefähr das, was ich eben am Beispiel von Airbnb erklärt habe, dass man sozusagen nur Interaktion bereitstellt oder Sharing Economy. Dritte und Vierte, das sind die Modernen, die gehen sehr viel in Richtung Ökosysteme, dass sie es schaffen, diese Services permanent zu erweitern. Also sowohl horizontal als auch vertikal zu expandieren. Die vierte Generation, die ist relativ modern. Das sind die Unternehmen, die in die Richtung Datenökonomie gehen.
Das heißt, sie schaffen es, aus den Daten, die sie gewinnen, enorm viele Zusatzdienste zu generieren und damit auch Geld zu verdienen. Ein Beispiel: Alibaba hat inzwischen eine Milliarde Nutzer und kann mithilfe der Daten, die sie aus den Interaktionen dieser Milliarde Nutzer haben, sehr gut herausfiltern, welche Produkte die Nutzer in den nächsten drei bis sechs Monaten kaufen werden. Dann können Sie natürlich dieses Wissen ihren Händlern verkaufen. Inzwischen sind sie so weit, dass sie auf Basis dieses Wissens ganze Fabriken betreiben, die eben nur das produzieren, was sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten drei bis sechs Monaten auch verkaufen werden.
Es ist sozusagen ein Betriebssystem für eine Fabrik und damit hat man die Wertschöpfung komplett geschlossen, von der Produktion bis zum Absatz. Das ist ein Vorteil an einer Plattform, den andere Unternehmen so nicht erreichen können. Und das sind eben die Plattformen der vierten Generation. Diese Datenökonomie, das sind ihre Kennzeichen.

[04:46]

Uwe Lill: Also das klingt ja so ein bisschen scary – sie kennen die Zukunft schon und sie wissen, was wir in drei oder sechs Monaten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit kaufen werden. Es klingt ja auch sehr nach künstlicher Intelligenz. Sind das KI-Systeme, die da zum Einsatz kommen?

[05:02]

Dr. Holger Schmidt: Exakt, das ist künstliche Intelligenz und die funktioniert natürlich umso besser, je mehr Daten ein Unternehmen zur Verfügung hat. Z.B. werden auf der Alibaba-Plattform jede Sekunde 544 000 Interaktionen abgewickelt. Da gibt es natürlich auch extrem viele Daten, mit denen man arbeiten kann und entsprechend ist die KI dann auch besser.

[05:24]

Uwe Lill: Wir haben bis jetzt über amerikanische Unternehmen gesprochen und wir haben über asiatische Unternehmen gesprochen. Denk mal scharf nach und hol tief Luft. Und dann sag uns mal was über Deutschland. Wo stehen wir? Im Bereich der Plattformökonomie? Und wo stehen wir im Bereich Künstliche Intelligenz?

[05:40]

Dr. Holger Schmidt: Das ist schwierig. Der Anteil der europäischen Plattformen an den Top 100 beträgt genau drei Prozent. Also an den Werten der Top 100, das ist stabil seit vielen Jahren. Da tut sich nicht viel. Wir haben zwar inzwischen einige Plattformmodelle, die sich auch ganz gut entwickeln. Aber man muss dazu sagen, die anderen entwickeln sich mindestens genauso gut und genauso schnell. Werden aber mit viel mehr Risikokapital ausgestattet. Zwei Drittel der großen Risikokapitalrunden fließen in Plattform-Modelle. 61 Prozent davon sind letztes Jahr nach Asien geflossen, 35 oder 36 nach Amerika und zwei nach Europa.
Da sieht man, wo in den B2C-Welten die Musik spielt, hinsichtlich der Plattformen-Themen. Das ist relativ klar verteilt. Da kommen wir im Moment nicht ran. Unsere Wachstumschancen gehen eher Richtung B2B-Plattformen. Also solche Daten-Plattformen, die wir versuchen aufzubauen für die Industrie. Die skalieren nicht über diese Masse an Nutzern. Die können über die Masse an Maschinendaten skalieren. Das ist aber noch ganz in den Anfängen. Da müssen wir, glaube ich, uns jetzt aber auch sputen, dass wir den Vorsprung, den wir zumindest in der Industrie haben, halten können.
Und künstliche Intelligenz. Ja, da sieht es ähnlich aus. Wir haben zwei sozusagen KI-Supermächte. Da sind mit weitem Abstand immer noch die USA vorne. China hat sich aufgemacht, dort aufzuholen, investiert sehr viel Geld in künstliche Intelligenz, ist in der Forschung mittlerweile sehr stark. Sehr viele Research-Paper und Patente kommen aus China. Da ist Deutschland im oberen Mittelfeld gut dabei. Aber auch hier muss man feststellen, dass man mit den Investitionen, die in den USA und in China im Moment in KI fließen, dass wir da nicht mithalten können. Auch hier müssen wir uns mehr anstrengen.

[07:24]

Uwe Lill: Also mir fällt jetzt spontan so ein Dreiklang ein von Geld, Regulierung und Kultur im Sinne von Herangehensweise an Problemlösungen. Offenbar gibt es bei allen drei Themen Probleme in Europa oder in Deutschland. Also diese Menge an Geld können wir überhaupt nicht aufbringen, die in den USA und in Asien aufgebracht werden. Ich würde mal wagen, dass wir dafür bei der Regulierung ganz vorne sind, egal, um was es da geht. Da frage ich mich, wieso wir das bei unserer ausgeprägten Unternehmenskultur, die wir im Mittelstand haben, nicht hinkriegen?

[07:58]

Dr. Holger Schmidt: Plattformen sind ein Geschäftsmodell und das erfordert andere Herangehensweisen. Plattformen sind ziemlich riskant. Also die gehen auch oft schief, muss man sagen. Plattformen brauchen auch eine gewisse Geduld. Schauen wir uns Amazon an, die zehn Jahre lang kein Geld verdient haben und dann auf einmal durch die Decke gingen. Solange hätten sie mit einem deutschen CFO wahrscheinlich nicht durchgehalten, weil der irgendwann gesagt hätte, ihr verdient kein Geld, das wird nichts mehr.
Das sind die beiden Dinge, dass man eben Geduld mitbringen muss und eine gewisse Risikobereitschaft, um so ein System aufzubauen. Das wird den Plattformen hier zu selten gegeben und ist, glaube ich, ein wesentlicher Grund, warum wir hier nicht vorankommen. Ein weiterer Grund ist natürlich, dass sich zumindest die B2C-Plattformen bevorzugt in den Märkten aufgebaut haben, in denen ganz viele Nutzer waren, sprich China und USA, was ihnen natürlich einen Startvorteil gegeben hat – neben mehr Geld, einer höheren Risikobereitschaft und mehr Geduld.

[08:55]

Uwe Lill: Du hast vorhin davon gesprochen, dass Alibaba schon eine Milliarde Nutzer hat. Wenn ich so richtig informiert bin, leben auf dieser Erde so knapp 10 Milliarden Menschen. Also haben sie jetzt schon 10 Prozent. Wo sind denn die Grenzen der Plattformökonomien?


[09:10]

Dr. Holger Schmidt: Von den Systemen her sehe ich da keine Grenzen. Die Grenzen werden im Moment eher vom Regulator gezogen, der sich das sowohl in Europa, wo er das schon immer tut, inzwischen aber auch in Amerika genau anschaut – und sagt: okay, wir haben nichts gegen Plattformen und wollen die eigentlich auch nicht zerschlagen, was immer wieder politisch mal gefordert wird. Das ist gar nicht das Thema. Es geht vielmehr darum, die Marktmacht so zu begrenzen, dass man einen fairen Wettbewerb erreicht.
Da gibt's sicherlich einige Dinge, die nicht gut gelaufen sind, sodass die Plattformen ihre Marktmacht ausnutzen konnten. Und das ist es, was die Regulierer im Moment abstellen wollen. Ich glaube, sie wollen weiterhin die Plattformen forcieren, weil sie natürlich eine Wirtschaftsmacht geworden sind, die ganz viel zum Wachstum und zur Produktivität einer Volkswirtschaft beitragen. Aber das muss fair abgehen. Insofern, glaube ich, wird es im Moment eher so sein, dass die ganz Großen ein bisschen eingebremst werden und andere im Markt dadurch die Chance haben, nochmal aufzuholen.
Das sehen wir in vielen Märkten, dass es sich eher auf die Top 2, 3 oder 4 konzentriert und weniger auf den großen Elefanten im Raum.

[10:15]

Uwe Lill: Das führt mich jetzt dazu, auch ein bisschen auf den Markt der Plattformökonomie an sich zu schauen. Viele Plattformökonomien sind ja zum Glück auch immer börsennotiert. Das macht es relativ einfach, wenn man an diesem Trend mitverdienen möchte. Du hast im Jahr 2016 ein wissenschaftliches Projekt begonnen, um einen Plattform-Index zu berechnen. Sag doch mal, wie du da draufgekommen bist und was man sich darunter vorstellen muss.

[10:47]

Dr. Holger Schmidt: Es war die Idee, die Überlegenheit der Plattformen gegenüber klassischen Geschäftsmodellen an der Börse abzubilden. Daher habe ich 15 moderne Plattformen in einem Index zusammengefasst und berechne diesen Index seitdem einmal pro Woche und vergleiche ihn dann mit Standardindizes wie DAX 30, Dow Jones und Nasdaq Composite. Die Ergebnisse kann man auf Plattform-Index.com nachlesen. Da sieht man, dass der Plattform-Index von Anfang an deutlich stärker steigt als der Rest – also auch deutlich stärker als die klassischen Technologiewerte im Nasdaq.
Für mich ist das ein klares Zeichen, dass sich die Überlegenheit des Geschäftsmodells auch in der Börse zeigt.

[11:25]

Uwe Lill: Darf ich nochmal ein bisschen ins Detail gehen? Ist der Index denn gleichgewichtet, oder ist er nach Marktkapitalisierung gewichtet? Wie machst du das?

[11:32]

Dr. Holger Schmidt: Der Index war jahrelang nach Marktkapitalisierung gewichtet. Aber im vergangenen Jahr habe ich das umgestellt, weil die Großen, also die Google, Apple, Facebook´s dieser Welt so groß geworden sind, dass sie den Rest quasi erdrückt haben. Dabei hatten die vielen kleinen Plattformen, die in jedem Markt an den Start gegangen sind, keine Chance. Also habe ich umgestellt auf eine Gleichgewichtung. Somit ist jeder der 15 Werte im Index mittlerweile gleichgewichtet.
Das gibt den Plattformen im Job-Markt, im Reise-Markt und vielen anderen Märkten, in denen es inzwischen Plattformen gibt, die Chance, dort auch präsent zu sein oder stärker präsent zu sein.

[12:11]

Uwe Lill: Jetzt ist ja der nächste Schritt, wenn man einen Index baut, dass man daraus etwas Investierbares machen kann, also ein Zertifikat oder einen Fonds darauf bilden. Du hast jetzt fünf Jahre gewartet. Was kommt denn als nächstes, Holger?

[12:30]

Dr. Holger Schmidt: Ja, das kommt, wenn die BaFin zustimmt, dort liegt nämlich mein Fonds gerade zur Genehmigung. Es kommt ein klassischer Publikumsfonds, der die Idee des Plattform-Index in einem Fondsprodukt umsetzt.

[12:44]

Uwe Lill: Plant du dabei eine 1:1-Umsetzung des Index – oder hast du da etwas verändert?

[12:49]

Dr. Holger Schmidt: Nein, das kommt nicht eins zu eins. Es werden höchstwahrscheinlich mehr Werte drin sein, um einfach die Breite der Plattformen in den verschiedenen Märkten abzubilden. Als ich den Plattformindex im Jahr 2016 gebildet habe, da war es schon schwer, 30 Plattformen zu finden. Jetzt sind wir bei weit über hundert. Insofern macht es Sinn, den Fonds dann ein bisschen breiter aufzustellen. Ich denke an 25 Werte, aber ganz genau steht das noch nicht fest. Aber der Fonds liegt, wie gesagt, noch bei der BaFin und ist bislang noch nicht genehmigt. Aber das wird hoffentlich bald soweit sein.

[13:20]

Uwe Lill: Nenne doch mal zwei, drei Kriterien, nach denen du die Titel aussuchst, die ins Töpfchen kommen. Was ist für dich wichtig bei einer Plattformökonomie?

[13:32]

Dr. Holger Schmidt: Es müssen sozusagen die modernen Kriterien erfüllt sein. Die müssen angefangen haben, sich Ökosysteme zu bauen, sollten aus ihrem klassischen Geschäft schon herausgewachsen sein und in benachbarte Märkte gegangen sein und diese miteinander gekoppelt haben. Das zweite Kriterium ist, sie sollten das Thema Datenökonomie beinhalten. Also mithilfe der Daten, die sie gewinnen, zusätzliche Monetarisierungs-Möglichkeiten geschaffen haben.
Das dritte Kriterium, was häufig anzutreffen ist, bei modernen Plattformen, ist eine inverse Strategie. Das heißt, man nutzt sogenannte APIs, also Schnittstellen, um das Wissen von Entwicklern oder externes Wissen für Innovationen auf die Plattform zu holen. Ein Beispiel dafür ist ein App Store, bei dem eine Vielzahl von Entwicklern sozusagen ihr Wissen in Form von Apps auf diese Plattform draufgeben.
Das ist eine inverse Strategie, die inzwischen ganz viele Unternehmen verfolgen. Und das sind die drei Kriterien, von denen mindestens eine, besser zwei, erfüllt sein müssen, um als moderne Plattform in diesen Index aufgenommen zu werden. Das Portfolio selbst steht noch nicht hundertprozentig fest. Da muss immer wieder neu justiert werden, weil Plattformen sich auch ständig wandeln. Dann gibt es einen Pivot, dann wird das Geschäftsmodell neu gedreht. Das ist ein ständiges Kommen und Gehen und macht die Sache ein bisschen komplex – aber auch interessant.

[15:04]

Uwe Lill: Du hast ja auch eine riesige Fangemeinde, hätte ich fast gesagt. Also du hast einen großen Newsletter-Kreis, die sich alle für Digitales interessieren und sicher auch für den Plattformen-Index. Erhältst du auch Input von den Kollegen und den Lesern deiner Newsletter? Gibt es da konstruktive Vorschläge? Ist das eine Interaktion?

[15:23]

Dr. Holger Schmidt: Ja, ich habe einen Newsletter mit mittlerweile 19.000 Abonnenten und da gibt's auch immer mal wieder Anfragen, warum ist das jetzt eine Plattform und das keine? Oder, warum hast du die drinnen und warum hast du die nicht drin? Das sind dann öfter Diskussionen, die wissenschaftlich auch ein wenig abgleiten, weil es manchmal ein bisschen schwierig ist, eine Plattform auch zu erkennen. Manche schreiben Plattform drauf, sind aber keine. Und wieder andere sind eine Plattform, haben dieses Wort aber noch nie benutzt. Insofern ist das immer so ein bisschen kitzlig, das von außen zu erkennen. Und das sind immer sehr spannende und für mich auch sehr fruchtbare Diskussion.

[15:59]

Uwe Lill: Gut, dann bedanke ich mich ganz herzlich, Holger. Ich bin am Ende mit meinen Fragen. Ich wünsche dir sehr viel Erfolg beim Aufsetzen des Fonds. Ich werde das natürlich intensiv beobachten. Ich würde mich freuen, wenn wir nach einem Jahr, wenn der Fonds gestartet ist, ein Review-Gespräch machen könnten, um zu sehen, wie es funktioniert hat, wie es läuft und was für Erkenntnisse wir daraus gewinnen können. Und ansonsten bist du ja auch ein gesuchter Speaker, ein Sprecher zu den unterschiedlichsten Gebieten von der digitalen Geschäftsentwicklung bis Gott weiß was. Man kann, glaube ich, auch deine Vorlesungen im Internet anschauen. Stimmt das? Ist das so richtig?

[16:38]

Dr. Holger Schmidt: Ja, ich habe jetzt aus meiner Vorlesung an der TU Darmstadt einen Online-Kurs gebastelt, der gerade fertig geworden ist. Es gab einige Anfragen, dass man das zur Verfügung stellt, damit alle daran teilhaben können. Und ja, war viel Arbeit, aber jetzt ist es fertig.

[16:59]

Uwe Lill: Hätten wir uns auf den Fluren der Wirtschaftsredaktion der FAZ in den 90ern auch nicht vorstellen können?

[17:04]

Dr. Holger Schmidt: Nein.

[17:05]

Uwe Lill: Alles klar. Lieber Holger, herzlichen Dank, dass du mein Gesprächspartner warst.

[17:10]

Dr. Holger Schmidt: Dankeschön für die Einladung.

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