5 Gründe, die aktuell für Schwellenländer-Aktien sprechen
- Anuj Arora
- J.P. Morgan AM
MÜNCHEN – Die Aktienmärkte der Schwellenländer waren in den letzten Jahren von starken Auf- und Abwärtsbewegungen geprägt, Erholungsphasen wechselten sich mit deutlicher Underperformance im Vergleich zu entwickelten Märkten ab. Nun hätten sich die Aussichten aber deutlich verbessert, sagt Anuj Arora von J.P. Morgan AM, der gleich fünf gute Gründe kennt, die für Schwellenländer-Aktien sprechen.
1. Rückenwind durch den schwächeren US-Dollar
Historische Analysen würden zeigen, dass sich Aktien aus Schwellenländern bei einem schwachen US-Dollar im Vergleich zu globalen Aktien oft besser entwickeln, erklärt Anuj Arora, Leiter des Teams für Schwellenländer- und Asien-Pazifik-Aktien bei J.P. Morgan Asset Management. Nach dem jahrelangen positiven Kreislauf aus starkem US-Wachstum und attraktiven Vermögenswerten, was Kapital anzog, die Währung weiter stärkte sowie die US-Aktienmärkte befeuerte, würden sich aktuell die Zeichen mehren, dass dieser Zyklus an Kraft verliert.
Seit den Zollankündigungen im April trübe sich das US-Wachstum ein, was das Aufwärtspotenzial des Dollars begrenzen dürfte. Ein schwächerer US-Dollar sollte sich wiederum positiv auf die Volkswirtschaften und Aktien der Schwellenländer auswirken, „insbesondere da viele Zentralbanken der Schwellenländer nach ihrer restriktiven Geldpolitik der letzten Jahre über erheblichen Spielraum zur Stimulierung ihrer Binnenwirtschaften verfügen“, wie Arora ausführt.
2. Widerstandsfähigkeit gegenüber Zöllen
Die Zollpolitik der US-Regierung belaste die US-Vermögenswerte, etwa aufgrund der anhaltenden Unsicherheit für den US-Konsum, das Wirtschaftswachstum, die Arbeitsmärkte, die Zinssätze und das Haushaltsdefizit. Nach Aroras Ansicht seien viele Schwellenländer dagegen vergleichsweise robust aufgestellt. „Die Umsätze eines Großteils der Schwellenländer-Unternehmen sind zu 75 bis 95 Prozent binnenwirtschaftlich ausgerichtet, was ihnen einen guten Schutz vor den US-Zöllen bietet“, betont der Experte.
3. Das Schlimmste scheint in China hinter uns zu liegen
Die Perspektiven für China seien nach wie vor von den Übertreibungen am Immobilienmarkt und einem schwachen Konsum geprägt, wobeit die produktionstechnische und technologische Wettbewerbsfähigkeit ungebrochen sei. „China ist nicht mehr nur Werkbank der Welt – das Technologie-Ökosystem ist in puncto Dominanz und Effizienz unübertroffen“, unterstreicht Arora. So habe nicht zuletzt der DeepSeek-Chatbot Chinas Ambitionen beim Thema KI untermauert. Ebenso zeige etwa die Entwicklung von Schnellladegeräten für Elektrofahrzeuge, wie schnell Innovationen vorangetrieben werden. Dies belege auch, dass die Zahl der Patentanmeldungen in China die der USA bei Weitem übersteige.
Überdies habe China seine fiskalischen und geldpolitischen Anreize seit Herbst 2024 verstärkt. Dadurch sollen Immobiliensektor, Konsum und Kapitalmärkte stabilisiert werden.
4. Von Indiens Wachstum profitieren
In Indien liegt Aroras Blick in erster Linie auf den heimischen Unternehmen, die durch starke Managementteams und hohe Eigenkapitalrenditen überzeugen können, die oft über dem US-Niveau liegen. „Die Bewertungen sind deutlich angestiegen und lagen Ende 2024 bei großen Unternehmen nahe dem Niveau, das zuletzt vor der globalen Finanzkrise erreicht wurde“, erklärt Arora. Seit 2020 fließen auch wieder verstärkt private Mittel in den indischen Markt, nachdem in den beiden Jahrzehnten zuvor die Abflüsse dominierten. Niedrigere Rohölpreise, eine feste indische Währung und eine lockerere Geldpolitik würden ebenso wie die sinkende Inflation zusätzlich unterstützen.
5. Technologieunternehmen der Schwellenländer stützen die globale KI-Revolution
Was viele Anleger noch nicht realisiert hätten, ist, dass der Technologiesektor inzwischen mit 22 Prozent den zweitgrößten Anteil im MSCI EM-Index hat, nur noch übertroffen vom Finanzsektor. Auch in den Schwellenländern gebe es inzwischen weltweit führende Unternehmen in den Bereichen Halbleiter, Elektronik, Hardware, Software, Outsourcing und Cloud-Technologie. „In der KI-Entwicklung spielen Tech-Unternehmen aus Schwellenländern inzwischen eine Schlüsselrolle“, so die Überzeugung von EM-Experte Arora. „Wer in Schwellenländer investiert, erhält so Zugang zu führenden Technologieunternehmen, die ähnlich stark wachsen wie ihre US-Pendants, aber zu einem Bruchteil des Preises“, führt Arora weiter aus
Fazit
In den Emerging Markets kommt es aus Sicht von Anuj Arora trotz der verbesserten Rahmenbedingungen aber nach wie vor darauf an, selektiv vorzugehen. Zwar würden die attraktiven Bewertungen und die zunehmende Markttiefe wie etwa in Indien gute Chancen für Stockpicker bieten. Allerdings sei dafür auch eine intensive Kenntnis der Marktgegebenheiten notwendig. Zumal Corporate Governance und Transparenz des Managements in vielen der Länder und Unternehmen noch nicht so etabliert seien wie in den entwickelten Märkten – und das gelte vor allem auch für den interessanten Bereich der kleineren, lokal agierenden Unternehmen.
