Schwellenländeranleihen bleiben trotz volatilem Umfeld widerstandsfähig

  • Stephen Li Jen
  • CEO bei Eurizon SLJ Capital

FRANKFURT – „Das letzte Quartal des Jahres 2023 begann für die Währungen der Schwellenländer aufgrund der Volatilität, die durch die internationalen Krisen ausgelöst wurde, etwas holprig“, sagt Eurizon-Manager Stephen Li Jen. „Doch selbst in diesem Umfeld zeigte sich die Anlageklasse widerstandfähig, was uns weiterhin optimistisch stimmt.“

Ab hier folgt der Marktkommentar von Stephen Li Jen, CEO bei Eurizon SLJ Capital:

„Angesichts der rekordhohen Inflation und des politischen Kurswechsels der Zentralbanken dürfte das globale Kapital in die Schwellenländer zurückkehren. Die vorsorgliche Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbanken, die den heutigen Industrieländern weit voraus ist, hat zu einem erheblichen Carry in der Anlageklasse geführt.

Mit Blick auf die kommenden Monate, einschließlich des Jahres 2024, sind wir gegenüber Schwellenländeranleihen positiv gestimmt. Dabei dürften drei fundamentale Themen im Vordergrund stehen:

Wachstum:
Eine tiefe globale Rezession ist unwahrscheinlich. Wir gehen grundsätzlich von einem mehrjährigen, technologie- und wettbewerbsgetriebenen Wirtschaftswachstum aus, insbesondere in den USA und China. Die Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums wird dank des nach wie vor robusten Konsums in den USA und der politischen Wende in China gering ausfallen. Die Verlangsamung in den Schwellenländern, die auf die Straffung der Geldpolitik zurückzuführen ist, dürfte durch dieses stabile globale makroökonomische Umfeld und die wahrscheinliche Trendwende in der lokalen Geldpolitik abgefedert werden.

Inflation:
Die jahrzehntelangen deflationären Faktoren wie Demografie und Technologie sind nach wie vor intakt und dürften den Preisdruck wieder verstärken. Infolgedessen beenden die politischen Entscheidungsträger, insbesondere in den Schwellenländern, ihre Straffungszyklen. Auch die Trendwende der Fed steht kurz bevor: Die negativen Signale der Zentralbanken der Schwellenländer sind ein Indikator für das, was dem Offenmarktausschuss bevorsteht.

China:
Das Problem der Wachstumsverlangsamung in China war in den letzten Jahren eine große Belastung für viele aufstrebende Volkswirtschaften. Die Erholung der chinesischen Wirtschaft ist eine positive Entwicklung. Enttäuschend ist bisher das geringe Tempo der Erholung. Die politischen Entscheidungsträger in Peking müssen mehr tun, um den Immobiliensektor und damit auch das Vertrauen der privaten Haushalte und den Konsum wieder anzukurbeln. Wir sind zuversichtlich, dass entsprechende politische Maßnahmen ergriffen werden. Es gibt also nicht nur schlechte Nachrichten aus China.“

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