Qualität ist Trumpf bei Schwellenländer-Corporates

  • Oliver Reinhard
  • Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management

FRANKFURT – „Grundsätzlich empfiehlt sich aufgrund der aktuell hohen risikolosen Renditen die Fokussierung auf bessere Kreditqualitäten“, rät Oliver Reinhard von Fisch AM. In den Emerging Markts bevorzugt er Anleihen aus Südkorea, Mexiko, Indonesien und Indien. „Vorsichtig sind wir aktuell in China und Hongkong sowie in Brasilien“, sagt er.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Oliver Reinhard, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management:

„Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets blieben im Anlagejahr 2023 unter dem Radar zahlreicher Investoren. Die Nachfrage war geringer als erwartet, obwohl das Segment – besonders attraktiv sind dabei Anleihen in Hartwährung – aus fundamentaler Sicht besser als je zuvor dasteht. Die Unternehmen in den Schwellenländern weisen zu einem Großteil solidere Bilanzen auf als ihre Pendants der westlichen Industriestaaten. Letztere nutzten die extrem lockeren Finanzierungsbedingungen seit der Covid-Pandemie und haben sich relativ zu den Schwellenländer-Unternehmen stärker verschuldet.

Entsprechend verbesserte sich auch die Kreditqualität der Emerging-Markets-Unternehmen und weist ein durchschnittliches Rating im Bereich Investment Grade (IG) von BBB+ auf. Auch der Ausschluss russischer Unternehmen im vergangenen Jahr sowie vieler chinesischer Immobilienunternehmen dieses Jahr trug zur Verbesserung der Qualität des Anlageuniversums bei.

Renditevorteil in den Emerging Markets

Aktuell erhalten Investoren einen höheren Ertrag von rund einem Prozentpunkt als Entschädigung für das Risiko einer Anlage in den Emerging Markets. Konkret sind dies derzeit rund 5,2 Prozent in EUR hedged (gegenüber 4,2 Prozent im Euro-IG-Universum). Dabei weisen beide Märkte derzeit dieselbe Duration von 4,5 auf. Ein im Vergleich zum globalen IG-Anleihenmarkt mit einer Duration von 5,8 niedriger Wert, der in der momentanen Zinssituation mit erhöhter Volatilität ebenfalls positiv einzuordnen ist.

Interessant ist auch der Fakt, dass viele Schwellenländer-Unternehmen aufgrund ihrer guten Finanzsituation keinen Druck verspüren, sich beim erhöhten Zinsniveau refinanzieren zu müssen. Im Gegenteil: sowohl in 2022 als auch in diesem Jahr sind Anleihenrückkäufe zu beobachten, statt einer Aufnahme neuer Schulden.

Attraktive IG-Schwellenländer-Corporates

Das Segment der IG-Schwellenländer-Corporates ist für defensiv orientierte Investoren zudem attraktiver als Staatsanleihen aus den Emerging Markets. Denn viele dieser Staaten verfügen über kein IG-Rating, sondern sind häufig im High-Yield-Bereich vorzufinden. Die Auswahl von Schwellenländern mit IG-Rating beschränkt sich derzeit lediglich auf 18, während Anleger im Unternehmensuniversum aus rund 430 Emittenten auswählen und damit ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen können.

Es ist zu erwarten, dass Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets in Hartwährungen nach einer Durststrecke wieder auf verstärktes Anlegerinteresse im kommenden Jahr stoßen. Generell registrieren wir hier bei den Mittelzuflüssen enorme Schwankungen, deutlich höher ausgeprägt als bei den westlichen Industrienationen. Wir gehen davon aus, dass die Diversifizierungsvorteile, die die Vielzahl an Schwellenländern per se aufweisen, vermehrt in den Portfolios berücksichtigt werden.

Positivmerkmale überwiegen mögliche Risiken

Während die aktuellen globalen wirtschaftlichen und (geo-)politischen Entwicklungen in den Kursen eingepreist sind, könnten am ehesten weitere geopolitische Risiken oder eine stärker als momentan erwartete Wirtschaftsabschwächung in den USA Störfeuer auslösen. Auch die US-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr kann zu Verunsicherungen an den Finanzmärkten führen. Doch die erwähnten Positivmerkmale wiegen aus unserer Sicht schwerer als die möglichen Risiken.

Bei den Schwellenländer-Märkten ist aktives Management sinnvoll, um Ineffizienzen in diesem heterogenen Gebilde optimal zu nutzen und agil auf Entwicklungen reagieren zu können. In Richtung Jahreswechsel gehört Indien mit seinem Wachstumskurs zu unseren favorisierten Regionen. Beispielsweise stufen wir die Bereiche Telekommunikation, Rohstoffe und Green Energy als attraktiv ein. Generell sind Asien und der Nahe Osten, trotz der momentanen Unruhen bezüglich Israel, aufgrund besserer Ratings gegenüber den meisten südamerikanischen Staaten weniger volatil.

Grundsätzlich empfiehlt sich aufgrund der aktuell hohen risikolosen Renditen allgemein die Fokussierung auf bessere Kreditqualitäten. Diese sind in den Emerging Markts regional breit gestreut anzutreffen. Wir bevorzugen hier Anleihen aus zum Beispiel Südkorea, Mexiko, Indonesien und Indien. Vorsichtig sind wir aktuell in China und Hongkong sowie in Brasilien.“

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