Die Trump-Wende aus Investorensicht
- Cathie Wood
- ARK Invest
MÜNCHEN – Der Amtsantritt von Donald Trump wurde an den Finanzmärkten vom ersten Moment an scharf beobachtet. Insbesondere seine Pläne bezüglich Wirtschafts-, Geld- und Fiskalpolitik könnten weitreichende Folgen haben, ahnt beispielhaft Cathie Wood, CEO der Investmentgesellschaft ARK Invest. Sie erwartet positive Auswirkungen für die internationale Marktdynamik.
Der zu erwartende Fokus von Donald Trump auf Wirtschaft und Aktienmärkte scheint klar, sagt Cathie Wood: „In der Tat verweist Präsident Trump häufig auf die Wirtschaftstätigkeit, die Beschäftigung und den Aktienmarkt als Gradmesser für den Erfolg der Regierungspolitik.“ Vor allem in Bereichen Steuern, Fiskalpolitik und der Entwicklung der Konjunktur seien Änderungen zu erwarten, betont die Portfoliomanagerin, die für sich in Anspruch nimmt, politische Chancen und Risiken ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihrer potenziellen Auswirkungen auf den Markt und ihrer Relevanz für ihre Anlagestrategie zu analysieren.
Steuersenkungen für Unternehmen und breite Hausse am Aktienmarkt
„Überzeugt davon, dass Steuern und Regulierung kleinere Unternehmen – das Rückgrat der Beschäftigung in den USA – erstickt haben, wird die Trump-Administration den Kongress wahrscheinlich davon überzeugen, nicht nur die zum Jahresende auslaufenden Steuersenkungen beizubehalten, sondern auch andere Steuersätze für Unternehmen und Privatpersonen zu senken“, prognostiziert Wood. Zudem sei Deregulierung auch in jenen Branchen zu erwarten, in denen bis jetzt vor allem Großunternehmen mittels Lobbyismus Vorteile für sich geschaffen hätten – auf Kosten kleiner und mittlerer Unternehmen.
„Infolgedessen wird sich die Hausse an den Aktienmärkten wahrscheinlich von einigen wenigen kapitalkräftigen Aktien mit hoher Marktkapitalisierung auf eine breite Masse von Aktien ausweiten, die durch die Angebotsschocks, den rekordverdächtigen Zinsanstieg und die anhaltende Rezession, die die letzten vier Jahre kennzeichneten, beeinträchtigt wurden“, so die Chefin von ARK Invest.
Inflation und Staatsausgaben
Was die Haushaltssituation der USA angeht, sieht Cathie Wood zum einen Chancen im zu erwartenden Wirtschaftswachstum, das das US-Defizit gemessen am BIP begrenzen könnte. Außerdem sieht sie Potenzial in der im Aufbau befindlichen Präsidialkommission DOGE (Department of Government Efficiency), das von Tesla-Chef Elon Musk geleitet werden soll: „Dieses könnte die Entwicklung des Defizits grundlegender und überzeugender verändern.“ Elon Musk habe erklärt, dass Staatsausgaben Steuern seien und um diese zu bezahlen, die Steuern heute, in der Zukunft oder die Inflation als regressivste aller Steuern steigen müssten.
Daneben dürfte die Aussicht auf niedrigere Defizite die Ängste auf dem Anleihemarkt zerstreuen und dazu beitragen, den Druck auf die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen zu verringern und sie auf ein Niveau zu bringen, das stärker vom realen BIP-Wachstum und der Inflation abhängt, fügt Wood an.
Die Inflation selbst könnte wiederum trotz eines starken Wachstums niedriger als erwartet ausfallen, denn dieses führe, anders als gemeinhin angenommen, nicht in allen Fällen zu Inflation: „Vom Beginn der Reagan-Revolution in den frühen 1980er-Jahren bis zum Ende der Technologie- und Telekommunikationsblase ging die Inflation parallel zum raschen Realwachstum zurück“, erinnert sie. Aufgrund einer disziplinierter Geld- und Fiskalpolitik, steigenden Produktivitätszuwächsen im Zusammenhang mit dem explosionsartigen Wachstum von PCs und der Stärke des Dollars. Diese Situation könnte erneut eintreten, denn die Entwicklungen bei künstlicher Intelligenz, Robotern, Energiespeicherung, Blockchain-Technologie oder auch multimikrobieller Sequenzierung könne enorme nachhaltige Produktivitätssteigerungen mit sich bringen.
