Ausblick auf die Zukunft der „Magnificent Seven“

  • Alex Tedder
  • Leiter Global Equities bei Schroders und Fondsmanager des Schroder ISF Global Disruption Fund

FRANKFURT – „Nach einem starken Jahr für die großen US-Technologieaktien werden sich die Anleger fragen, wie es jetzt weitergeht“, ahnt Schroders-Manager Alex Tedder. Er rechnet mit einigen Herausforderungen, sieht aber auch Grund zum Optimismus.

Ab hier folgt der Marktkommentar von Alex Tedder, Leiter Global Equities bei Schroders und Fondsmanager des Schroder ISF Global Disruption Fund:

„Eines der Hauptmerkmale des Aktienmarkts der letzten Jahre ist der Erfolg von großen Technologieunternehmen aus den USA. Ihre Wertentwicklung war so sensationell, dass Kommentatoren dieser Gruppe (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia und Tesla) Namen wie „FAANGs“, „Tech-Riesen“ und zuletzt die „Magnificent Seven“ oder „Super-7“ gegeben haben.

Auch 2023 ist auf dem Weg, ein weiteres starkes Jahr für diese Unternehmen zu werden. Das liegt zum Teil am Hype um generative KI (künstliche Intelligenz). Die Markteinführung von ChatGPT im November 2022, ein generatives KI-Modell, das nahezu jede sprachbasierte Frage sinnvoll beantworten kann, hat die Begeisterung für Unternehmen, die von KI profitieren könnten, neu entfacht. Der Aktienkurs des Halbleiterentwicklers Nvidia beispielsweise ist seit Jahresbeginn um mehr als 200 % gestiegen. Angesichts solcher Kursbewegungen werden sich viele Anleger fragen, wie lange es noch so weitergehen kann.

Wir glauben, dass es Grund zum Optimismus gibt

Bevor wir ins Detail gehen, müssen wir einige grundlegende Aussagen machen. Erstens sorgen Labels wie „Magnificent Seven“ für ein falsches Gefühl von Ähnlichkeit. Natürlich überlappen sich die Unternehmen zum Teil (beispielsweise die Rivalität bei Cloud-Dienstleistungen zwischen Amazon, Google (Alphabet) und Microsoft), es gibt jedoch auch enorme Unterschiede.

Die Marktdynamik bei der Unternehmenssoftware (Microsoft) unterscheidet sich erheblich von der bei Elektrofahrzeugen (Tesla), Smartphones (Apple) oder sozialen Medien (Meta/Facebook). Nuancen werden leicht übersehen, wenn man sich auf grobe Klassifizierungen verlässt. Anleger müssen also über das Label der „Magnificent Seven“ hinaussehen und jedes Unternehmen einzeln prüfen.

Hohe Marktkapitalisierung durch starke Fundamentaldaten gerechtfertigt

Zweitens darf man nicht vergessen, dass eine hohe Marktkapitalisierung durch starke Fundamentaldaten gerechtfertigt werden kann. Das klingt vielleicht offensichtlich, diese Unternehmen sind aber einige der weltweit rentabelsten Unternehmen mit dem größten Cashflow der Welt. Aus diesem Grund ist ihre Bewertung am Aktienmarkt überdurchschnittlich hoch.

Und wer die starke Wertentwicklung dieser Unternehmen allein dem Hype um generative KI zuschreibt, wird ihnen nicht gerecht. Zwar ist generative KI für einige dieser Unternehmen zuträglich und wird es auch in Zukunft sein (beispielsweise Nvidia), jedoch lässt sich ihre Outperformance im Jahr 2023 nicht nur auf KI zurückführen. Wir müssen uns nur Meta/Google ansehen, um das deutlich zu machen: Beide Unternehmen werden in den kommenden Jahren generative KI aggressiv einsetzen, die Aktien wurden jedoch durch die Kombination aus einer Erholung an den Endmärkten und Kostenoptimierungen gestützt. Dies hat zu erheblichen Verbesserungen bei der Rentabilität und dem Cashflow geführt, insbesondere bei Meta.

Übergang zur Cloud bietet enorme Wachstumschancen

Cloud-Computing wird noch viele Jahre lang ein wichtiges Thema sein. Auch wenn die Ausgaben dafür in den letzten Monaten leicht zurückgegangen sind, bedeuten die Vorteile einer Auslagerung von Datenspeicherung und -management (in Bezug auf Kosten, Flexibilität und Sicherheit), dass Unternehmen weiterhin in die Cloud migrieren. Nach einer Schätzung von Amazon im April entfallen 90 % der globalen IT-Ausgaben immer noch auf lokal verwaltete Hardware im Unternehmensbesitz („On Premises“-Lösungen).

Für Unternehmen mit den nötigen Mitteln und der technischen Kapazität, um die für diesen Übergang erforderliche Infrastruktur bereitzustellen, ergeben sich hier enorme Wachstumschancen. Es überrascht nicht, dass die größten Technologiegruppen die führenden Anbieter von Cloud-Dienstleistungen über ihre Tochterunternehmen AWS (Amazon), Azure (Microsoft) und GCP (Google) sind. Diese dürften weiterhin an der Spitze des Markts stehen.

Neben ihrem Cloud-Geschäft profitieren Microsoft, Amazon und Google auch von anderen wichtigen Wachstumschancen. Die Unternehmenssoftware-Produkte von Microsoft werden von Unternehmen in allen Größen auf der ganzen Welt genutzt. Das Wachstum dürfte durch die Einführung von Weiterentwicklungen der generativen KI, wie Microsoft CoPilot für Office, gestützt werden.

Der wirtschaftliche Erfolg des dominierenden E-Commerce-Geschäfts von Amazon wird derzeit noch nicht voll ausgeschöpft. Dies dürfte sich aber ändern, wenn sich die erheblichen Investitionen der letzten Jahre amortisiert haben.

Google weist dank Google Search und YouTube eine starke Position auf und dürfte weitere Neuerungen einführen und Kunden immer effektivere Werbedienste anbieten. Die Kombination aus Cloud-Vermögenswerten und verwandten Geschäften bedeutet, dass Microsoft, Amazon und Google auf vorhersehbare Zeit weiter deutlich wachsen werden.

Meta hingegen muss ein globales Social-Media-Geschäft in einer turbulenten Welt führen und steht durch die anhaltende Skepsis hinsichtlich seiner Governance-Struktur (insbesondere in Bezug auf die Kontrolle von Mark Zuckerberg über das Unternehmen) unter Druck. In den letzten beiden Jahren hat Meta jedoch umsichtige Investitionen und Produktinnovationen durchgeführt. Das Unternehmen hat sich an datenschutzrechtliche Änderungen auf dem Werbemarkt angepasst, sich im Wettbewerb mit neuen Rivalen wie TikTok behauptet und das Kundenengagement durch Plattformen wie Instagram und WhatsApp gestärkt.

Vielfältige Herausforderungen

Die verbleibenden Mitglieder der „Magnificent Seven“ – Apple, Tesla und Nvidia – sehen sich anderen Herausforderungen gegenüber. Apple ist ein außergewöhnliches Unternehmen, das nach wie vor einige der besten Konsumgüter der Welt anbietet. Die Endmärkte reifen jedoch aus, besonders bei Smartphones, deren Durchdringungsrate auf der ganzen Welt hoch ist. Außerdem besteht das immer präsente Risiko von Innovationen in der Funktechnik.

Auf der anderen Seite generiert Apple einen enormen Cashflow, der zu einem großen Teil über Aktienrückkäufe an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Außerdem investiert das Unternehmen intensiv in sein wachsendes und überaus rentables Dienstleistungsgeschäft, wozu App Store, Apple Pay, Apple Music und TV, Apple News sowie Apple Care zählen.

Tesla hat die Entwicklung von Elektrofahrzeugen (EV) angeführt und weist dank seiner Größe, marktführenden Herstellungsprozesse und Softwarelösungen beträchtliche Wettbewerbsvorteile auf. Das Unternehmen könnte jedoch Preisdruck ausgesetzt sein, wenn sich der Wettbewerb in der EV-Branche intensiviert.

Nvidia ist ein wichtiger Wegbereiter bei der Einführung von generativer KI weltweit. Die Grafikprozessoren (GPUs) des Unternehmens sind erstklassige Produkte, die komplexe Berechnungen für große Sprachmodelle leisten, welche Anwendungen für generative KI zugrunde liegen. Nach einer sensationellen Entwicklung dürfte sich der Umsatz im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr verdoppeln. Die Nachhaltigkeit des Wachstumsprofils des Unternehmens ist jedoch ungewiss. Auf kurze Sicht ist ein Szenario mit Überkapazitäten durchaus denkbar, zumal die Ausgaben wichtiger Kunden wie Hyperscaler-Anbieter in der Vergangenheit volatil waren.

Es ist vielleicht verlockend, sich nach einem derart starken Jahr von den „Magnificent Seven“ zu trennen. Insgesamt glauben wir jedoch, dass ein nuancierter Ansatz die bessere Wahl ist. Die Gruppe ist zwar heterogen, aber geeint durch den gemeinsamen Nenner starker Geschäftsfelder in Wachstumsbereichen.“

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