„Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase werden Alternative Investments weiter sehr stark nachgefragt, insbesondere von institutionellen Investoren“

  • Marcus Storr
  • Head of Alternative Investments
  • FERI Trust GmbH

Hedgework: Erst einmal Gratulation zu Ihrer neuen Verantwortung. Damit sind ja sicherlich auch neue Aufgaben verbunden. Was ist für Sie neu an Aufgaben hinzugekommen?
Marcus Storr: Ziel der Bündelung aller Ressourcen im Bereich Alternative Investments in der FERI ist es, der Kundennachfrage noch zielgerichteter entgegenzukommen. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase werden Alternative Investments weiter sehr stark nachgefragt, insbesondere von institutionellen Investoren. Die Anfrage der Investoren ist aber nicht unbedingt immer Hedgefonds-individuell, Private-Equity-individuell oder Risikoprämien-individuell. Per se hat der Kunde erst einmal ein Anliegen, eine Investitionsquote im Bereich Alternative Assets aufzubauen oder zu optimieren.

Hedgework: Das heißt, dass die großen institutionellen Kunden jetzt umfassend abgeholt werden und bei FERI um die einzelnen Produktbereiche der Alternative Investments eine Art Klammer gelegt wurde. Können Sie Näheres zur Größe des Geschäftsbereiches Alternative Investments bei FERI sagen?
Storr: Wir haben derzeit ca. 8 Milliarden Euro an Assets im Alternatives-Bereich. Zu Alternatives zählen wir Hedgefonds-/Volatilitätsstrategien, Private Equity, Immobilien und Rohstoffe. Dazu gehören Investmentlösungen wie der FERRUM Fund Equity Hedge, der OptoFlex und der EquityFlex. Insgesamt belaufen sich die Assets, die im Konzern FERI/MLP gemanagt werden, auf aktuell 34,5 Milliarden Euro. Und damit machen Alternative Investments gemessen an der Gesamtsumme schon über 20 Prozent aus.

Hedgework: Welche realen Veränderungen bringt jetzt die Bündelung der einzelnen Bereiche in den Gesamtbereich Alternative Investments?
Storr: Die Bündelung der Tätigkeiten umfasst neben der Ansprache der Mandanten auch Themen wie das Reporting, Accounting oder Investment Management. Diese Bündelung wird von unseren Kunden erwartet und kommt unserem Geschäftsmodell zugute. Mit fast 35 Mitarbeitern im Alternatives-Bereich sind wir eine der größten Adressen in Deutschland.

Hedgework: Was bedeutet dieser Schritt denn für FERI als Ganzes? Es sieht ja doch wie eine größere organisatorische Veränderung aus.
Storr: Im Gegenteil, es ist keine organisatorische Veränderung. In erster Linie geht es darum, einige Bereiche in der Kommunikation gegenüber dem Kunden zu bündeln. Das vorhandene alternative Investmentangebot bzw. Know-how soll an einer Stelle konzentriert werden. Für die FERI ist das an sich ein normaler evolutionärer Schritt, denn das Wachstum in den vergangenen Jahren wurde auch durch die Alternative Investments getrieben. FERI bietet – übrigens als eines der ersten unabhängigen Investmenthäuser in Deutschland – seit über 20 Jahren Alternative Investments an.

Hedgework: FERI bietet daneben ja eine ganze Palette von Dienstleistungen an. Welche werden denn von den Kunden derzeit intensiv nachgefragt?
Storr: Kunden kommen zur FERI, um umfassend beraten zu werden. Dabei erwarten sie auch, über die bestmögliche Integration von Alternative Investments in ihren Depots informiert zu werden. Das nimmt über die Jahre ab, da viele Investoren hier bereits ihre Hausaufgaben gemacht haben und ihre Allokationen durchgeführt haben. Der Fokus liegt insbesondere auf Private Equity-Investments. In Hedgefonds wird von unseren Mandanten investiert, wenn parallel explizites Know-how beim Investor vorhanden ist. Das Thema Hedgefonds ist generell komplexer. Wir sehen hier ein deutliches Wachstumspotenzial.

Hedgework: Und sehen Sie auch neue Dienstleistungen am Horizont?
Storr: Nicht neue, aber stark nachgefragte. Interessanterweise rückt das Thema Reporting von Alternative Investments aktuell in den Vordergrund. Über Reporting-Notwendigkeiten, insbesondere im Hedgefondsbereich, entstehen bei institutionellen Investoren oftmals Kapazitätsengpässe. Somit steht ein Investor vor der Herausforderung, seinen In-Haus-Verpflichtungen nachzukommen. FERI kann an dieser Stelle Lösungen anbieten. Auch die Reallokation von Portfolien von Offshore-Plätzen zurück in die EU verspüren wir verstärkt. Da ist unsere Plattform in Luxemburg prädestiniert dafür.

Hedgework: Werden Sie jetzt ein Reporting-Haus?
Storr: Definitiv nicht! FERI ist ein Investmenthaus, nur kommt das eine in einem umfassenden Beratungsansatz nicht aus ohne das andere. Entsprechend bieten wir unseren Kunden seit Beginn unserer Geschäftstätigkeit vor über 30 Jahren ein sehr umfassendes und transparentes Reporting. Durch diese zusätzliche Lösungskompetenz entsteht eine ergänzende Möglichkeit, um auf unsere Kernkompetenz, am Kapitalmarkt die besten Investitionsmöglichkeiten zu finden, zu verweisen und neue Mandate zu betreuen.

Hedgework: Nun steht bei FERI die Beratungskompetenz klar im Vordergrund. Sie haben aber auch eigene Produkte. Wie ist es denn dazu gekommen? Und – liegt hier nicht ein Widerspruch vor?
Storr: Die bekannten Investmentlösungen sind ein Resultat konkreter Kundennachfragen. Wenn ein Kunde für sich eine bestimmte Strategie als ideal ansieht, lässt er sich diese gerne auch in einer entsprechenden Investment-Struktur verpacken. Das sind dann individuelle Lösungen. So sind unsere Investmentlösungen wie die genannten FERRUM Fund Equity Hedge, OptoFlex und EquityFlex entstanden. Ich möchte aber klarstellen, dass die FERI kein Produkthaus werden wird. Für uns steht immer das Kundeninteresse, der Kundenwunsch im Vordergrund – jeder erhält die für seine Bedürfnisse optimale und individuelle Lösung.

Hedgework: Sie werden also in Zukunft keine Sales-Truppen einstellen?
Storr: Ein definitives Nein! Und neue FERI-Konzepte entstehen nur, wenn auf der Nachfrageseite ein deutlicher Pull-Effekt gegeben ist und wir nichts Adäquates am Markt finden und zusätzlich die Managementfähigkeiten und -kapazitäten intern vorhanden sind.

Hedgework: Sehen Sie Bereiche, in denen solch eine Nachfrage entsteht?
Storr: Ja, jedoch sehr punktuell und nischenfokussiert.

Hedgework: Ok. Vielleicht haben Sie noch ein bisschen mehr an Informationen für uns?
Storr: Wir sehen eine Nachfrage im Private-Equity-Sektor nach einem bestimmten Manager-Ansatz. Es handelt sich um den sogenannten Rising-Manager-Ansatz. Dieser ist ja aus dem Hedgefonds-Bereich hinreichend bekannt. Junge, dynamische Private-Equity-Manager liefern nachweislich ein überdurchschnittliches Rendite-Risiko-Profil. Hierzu gibt es mehr als ausreichend akademische Literatur. Dieses Konzept werden wir auch auf den Private-Equity-Bereich übertragen. Ob ein strukturiertes Konzept daraus entstehen kann, sehen wir dann im Zeitverlauf.

Hedgework: Was sind Ihrer Ansicht nach denn die Top-3-Gründe, warum Investoren in ein Rising-Manager-Konzept investieren sollten?
Storr: Die Outperformance von Rising-Managern liegt bei ca. 300 bis 400 bps IRR. Es besteht bereits ein breites Universum an Rising-Managern und im Gegensatz zu etablierten Managern ist das Fondsvolumenwachstum hier moderat. Mit anderen Worten: Es gibt keine Überhitzungstendenzen. Zudem sind Wettbewerbsvorteile von Rising-Managern insbesondere die volle Fokussierung auf den einen Fonds, geringer Investitionsdruck mit höherer Selektivität und einer hohen Angleichung der Interessen von Rising-Managern und Investoren.

Hedgework: Wann werden wir mehr davon hören?
Storr: Ich denke, Ende des zweiten Quartals wissen wir hier mehr.

Hedgework: Im September wird ja auch der 8. FERI-Hedgefonds-Investmenttag stattfinden. Können Sie hierzu schon etwas sagen?
Storr: Der 8. FERI-Hedgefonds-Investmenttag wird am 5. September wieder bei uns in Bad Homburg stattfinden. Der Ablauf bleibt wie bisher. Wir werden vier interessante Manager einladen; ich kann sagen, dass wir Top-Manager als Speaker angefragt haben. Die wie immer geplante Podiumsdiskussion dient dazu, dass kundige deutsche Hedgefondsinvestoren ihre Erfahrungen mit jenen Zuschauern teilen können, die vielleicht in diesem Bereich noch nicht so erfahren sind und gerne mehr praktische Hinweise zu einer Investition in Alternative Investments und Hedgefonds erhalten möchten.

Hedgework: Herr Storr, dann wünschen wir hier schon mal gutes Gelingen und bedanken uns für das Gespräch.

Vita:
Marcus Storr arbeitet seit 2005 im Investment Management der FERI Trust. Als Head of Alternative Investments zeichnet er verantwortlich für Alternative Investment Portfolios sowie für die Manager-Selektion und Due Diligence von Hedgefonds / Private Equity Fonds innerhalb des FERI. Seine Karriere begann er 1994 als Berater für vermögende Privatkunden. 1998 ging er nach London, wo er im Investment Banking von Robert Flemings Ltd. (heute JPMorgan) als Aktienanalyst tätig war. Bis 2003 war er als Abteilungsdirektor im Aktienresearch von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London tätig. Storr verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Capital Markets, Corporate Transactions und Asset Management und publiziert regelmäßig über Hedgefonds und Alternative Investments in anerkannter Fachliteratur und wissenschaftlichen Journals. Marcus Storr erwarb den Grad des Dipl. Kfm. mit der Spezialisierung in Finance/Capital Markets, sowie International Management an der Humboldt Universität in Berlin. Zusätzlich hat er eine zweijährige Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

FERI Trust verwaltet, als einer der größten Investment Manager in Deutschland mit Hauptsitz in Bad Homburg, über 34 Mrd. Euro inklusive 8 Mrd. Euro in Alternative Investments. FERI Trust investiert seit 1999 für institutionelle Investoren, sowie vermögende Privatpersonen und Family Offices weltweit in Hedgefonds und Private-Equity-Fonds.

Zurückzum Seitenanfang