Anlagefavoriten aus China

  • James Syme
  • Senior Fund Manager bei J O Hambro Capital Management

FRANKFURT – James Syme von J O Hambro sieht im Ausverkauf chinesischer Aktien bei einzelnen Titeln große Chancen. Zwar würden die Kernprobleme Chinas bestehen bleiben, „bei denen politisch motivierte Entscheidungen erhebliche negative Auswirkungen haben“. Zugleich sieht er Titel mit günstigen Bedingungen, „die zu Unrecht mit abverkauft wurden“.

Ab hier folgt der Marktkommentar von James Syme, Senior Fund Manager bei J O Hambro Capital Management:

„Wir haben eine Grundannahme über die Chancen, die sich bei Aktien aus Schwellenländern bieten: Diese Anlageklasse wird von Bottom-up-Anlegern dominiert, die in ihrer Gesamtheit abwechselnd unter- und überreagieren, wenn es um Entwicklungen von oben nach unten geht. Manchmal kann sich diese Überreaktion nach unten verlagern, wenn Aktiengruppen innerhalb der Märkte aufgrund von Top-Down-Bedenken wahllos auf ein Niveau verkauft werden, das nicht gerechtfertigt ist. Wir glauben, dass dies in Teilen des chinesischen Aktienmarktes der Fall ist und dass sich bei diesen Kursniveaus echte Chancen bieten.

Der chinesische Aktienmarkt hat weiterhin zu kämpfen

Um es klar zu sagen: Wir sind nicht der Meinung, dass der chinesische Aktienindex die breitere Benchmark für Schwellenländer übertreffen wird. Auch weiterhin bleiben die Kernprobleme des Landes bestehen, bei denen politisch motivierte Entscheidungen erhebliche negative wirtschaftliche Auswirkungen haben. Der Immobiliensektor hat weiterhin zu kämpfen, und der Verlust von Marktanteilen bei den US-Importen wird nicht so leicht wieder aufgeholt werden können.

Gute Zeichen im Handel

Unser Prozess ist jedoch so angelegt, dass wir auf die Top-Down-Chancen sowohl zwischen den Ländern als auch innerhalb eines Landes achten. Für China zeigen sich solche zum Beispiel im Handel: Die Einzelhandelsumsätze stiegen im September um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinter diesem breiten Maßstab verbergen sich einige echte Stärken in bestimmten Segmenten. So lagen die Umsätze im Gaststättengewerbe bei 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bei Tabakwaren/Alkohol bei 23,1 Prozent.

Favorisierte Unternehmen in China

Zu den Favoriten gehört auch die Tsingtao-Brauerei. Das Unternehmen ist die zweitgrößte Brauerei Chinas mit einem Anteil von 15 Prozent am Inlandsmarkt. Tsingtao profitiert nicht nur von der konjunkturellen Erholung, sondern auch von der Abkehr der chinesischen Verbraucher von teureren ausländischen Marken hin zu den eigenen Premium-Marken sowie von der politischen Präferenz für einheimische Marken. In den jüngsten Ergebnissen zeigte das Unternehmen ein starkes Wachstum der durchschnittlichen Verkaufspreise und der Gewinnspannen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 stieg die Konsensprognose für die voraussichtlichen Gewinne des Unternehmens um 30,5 Prozent, aber die Aktie selbst fiel um 16,8 Prozent, wodurch das KGV der Aktie auf ein Rekordtief fiel.

Ein weiteres Beispiel ist Trip.com. Dieses Unternehmen ist Chinas führendes Online-Reisebüro, das umfassende Reisebuchungsdienste im Inland und international anbietet. Auch hier ist die Performance des Unternehmens sehr gut. Am chinesischen Valentinstag Ende August erreichten die gebuchten Hotelübernachtungen ein Rekordhoch, im dritten Quartal 2023 erzielten alle börsennotierten chinesischen Fluggesellschaften gewinnbringende Ergebnisse und die Einnahmen pro Zimmer erreichten ein nie dagewesenes Niveau für chinesische Hotels.

Während der Pandemie hat sich die Verlagerung der Reisebuchungen ins Internet massiv beschleunigt. Das half Trip.com, Marktanteile zu gewinnen und Skaleneffekte zu erzielen, die sich in steigenden Margen niederschlagen. Neben dem Inlands- und Auslandstourismus dürfte auch der Aufschwung bei Musikfestivals, Geschäftskonferenzen und Ausstellungen in China weiterhin unterstützend wirken. In den ersten neun Monaten des Jahres 2023 hat sich die Konsensprognose für die voraussichtlichen Gewinne des Unternehmens mehr als verdoppelt, aber die Aktie selbst ist leicht gesunken.

In anderen Bereichen des E-Commerce für Verbraucher scheint der anhaltende Erfolg von Meituan als Unternehmen von den Aktienmärkten ignoriert zu werden. Das gleiche Muster gilt für den Online-Riesen Tencent. Die schwache Performance von Tencent ist besonders auffällig, wenn man die derzeitige Begeisterung der Anleger für Aktien mit KI-Bezug bedenkt. Tencent ist wahrscheinlich weltweit führend in diesem Bereich und kombiniert seine bestehenden technologischen Stärken mit einem großen Investitionsprogramm in ein Chat-GPT-ähnliches Large Language Model. Das sieht man dem Aktienkurs allerdings nicht an.

Wachstum zu einem vernünftigen Preis

Dies ist kein ‚Buy-the-Dip‘-Argument – wir handeln nicht mit Kurssignalen. Und es ist auch kein ‚Deep-Value‘-Argument – wir bleiben Investoren, die Wachstum zu einem vernünftigen Preis anstreben. Was wir jedoch auf dem chinesischen Aktienmarkt sehen, sind Aktien mit günstigen Top-down-Bedingungen, starkem und stetigem Gewinnwachstum, positiven Ergebnissen und Prognosen des Managements sowie Bewertungen, die im Vergleich zu anderen Unternehmen und der eigenen Bewertungshistorie der Aktien attraktiv erscheinen. Wie immer bei unserem Prozess ist es entscheidend, dass die Top-down- und Bottom-up-Investitionsfälle übereinstimmen.“

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