Amtseinführung von Joe Biden: Die Welt schaut auf die USA

- Carsten Mumm
- Donner & Reuschel
MÜNCHEN – Morgen wird Joe Biden in Washington als neuer US-Präsident vereidigt – das politische Top-Ereignis der Woche. Viele Amerikaner erwarten zusätzliche Unterstützung im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Die kurzfristigen Auswirkungen an den Börsen dürften indes überschaubar bleiben, ahnt Carsten Mumm von Donner & Reuschel.
Ab hier folgt die unredigierte Mitteilung der Gesellschaft:
Zwar könnte es erneut zu vereinzelten Ausschreitungen kommen, wie Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, befürchtet, jedoch dürften die Sicherheitskräfte anders als am 6. Januar besser vorbereitet sein. Zudem sicherte der amtierende Vizepräsident Mike Pence eine würdige Amtsübergabe zu.
Kampf gegen das Virus
Sofortige Auswirkungen an den Börsen dürften sich kaum ergeben, auch wenn Börsianer wohl sehnlichst erste Impulse durch die neue Regierung erwarten. Neben dem zusätzlichen Fiskalpaket zur Stützung des Konsums, für kleinere Unternehmen und Kommunen sowie zur Bekämpfung der Pandemie bzw. zur Unterstützung der Impfkampagnen, wird eine der ersten Amtshandlungen Bidens die Implementierung einer weiter greifenden Maskenpflicht sowie die Verlängerung des vorübergehenden Kündigungsschutzes für säumige Mieter sein.
Weitere Unterstützung von fiskalischer Seite und gezieltere Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind dringend geboten, denn die Auswirkungen der dritten und größten Welle der Corona-Pandemie in den USA zeigen sich immer deutlicher auch in der Realwirtschaft. So ist die Erholung des Arbeitsmarktes zuletzt ins Stocken geraten. Die Arbeitslosenquote wurde im Dezember mit 6,7 Prozent unverändert zum Vormonat und damit immer noch rund doppelt so hoch wie vor der Krise vermeldet. Erstmals seit dem Frühjahr wurden netto weniger Beschäftigungsverhältnisse vermeldet. Entsprechend sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der letzten Woche wieder deutlich auf knapp eine Million angestiegen und die wöchentlichen Folgeanträge lagen zuletzt noch immer über 500.000.
Finanzielle Unterstützung geboten
Schwächer entwickelten sich im Dezember auch das Verbrauchervertrauen und der als eine Stütze des für die USA besonders wichtigen privaten Konsums geltende NAHB-Hauspreisindex. In dieser Woche werden neben der aktualisierten Hauspreisentwicklung die Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindizes einen Eindruck über die Geschäftsaussichten der US-Unternehmen geben. Für die beiden wichtigsten Sektoren, die Dienstleistungen und das Verarbeitende Gewerbe, notierten zwar beide zuletzt noch deutlich über der Marke von 50 Punkten, wodurch eine Ausweitung der Produktion in den kommenden Monaten angezeigt wird. Allerdings werden für Januar leicht schwächere Werte erwartet.
Die zuletzt für November vermeldete Industrieproduktion lag noch immer 5,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Anders als China, das für 2020 gerade ein positives (!) Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,3 Prozent vermeldete, ist die US-Wirtschaft somit noch ein ganzes Stück vom Erreichen des Vorkrisenniveaus entfernt.