„10 vorrangige Aufgaben für das Team Biden“

  • Christopher Smart
  • Barings Investment Institute

MÜNCHEN – Christopher Smart, Chefstratege des Barings Investment Institute, hat zehn Aufgaben formuliert, die US-Präsident Joe Biden aus Sicht von Investoren anpacken sollte. Gleichzeitig warnt er davor, vom neuen „CEO der USA Inc.“ während der nächsten vier Jahre Wunder zu erwarten. Die Spielräume, Ressourcen und Optionen seien begrenzt.


Ab hier folgt die unredigierte Mitteilung der Gesellschaft:

„Am Mittwoch wird Amerikas neuer Präsident seine Hoffnungen und Pläne in seiner Antrittsrede darlegen. Die Wähler werden je nach politischer Zugehörigkeit mit Vorfreude oder Entsetzen zuhören, ausländische Machthaber werden Hinweise auf Amerikas neue Prioritäten in ihrem Teil der Welt sammeln, Investoren werden das Ereignis womöglich ignorieren.

Wie aber sollten die Finanzmärkte Joe Bidens Pläne beurteilen? Was kann der neue CEO der USA Inc. inmitten all seiner anderen Prioritäten zum Schutz der nationalen Sicherheit, zur Besänftigung rassistischer Spannungen und zur Heilung parteipolitischer Wunden realistisch erreichen, um die Bilanz des Landes zu verbessern? Welche längerfristigen Investitionen kann er tätigen, um die Wachstumsaussichten zu verbessern? Wenn es dabei vor allem um das wirtschaftliche Potenzial geht, ist hier eine Liste von 10 vorrangigen Aufgaben für das neue Team:

1) Die Pandemie eindämmen: Nichts ist möglich ohne ein Ende der Schließungen und eine Rückkehr zu Restaurants, Flugreisen und Händeschütteln mit Fremden.

2) Die Geschwindigkeit maximieren: Republikaner und Demokraten werden sich immer streiten, wie man Steuern und Ausgaben ausbalanciert – aber die Wirtschaft muss den derzeitigen Gegenwind überwinden. Das bedeutet eine Menge Staatsausgaben, zumindest bis sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Erwerbsquote wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

3) Die Schulden verwalten: Dies ist etwas anderes als ein Schuldenabbau, denn der beste Weg, sich die Notverschuldung des letzten Jahres zu leisten, ist, in das Wachstumspotenzial des Landes zu investieren.

4) Die transatlantischen Beziehungen kitten: Es gilt, die festgefahrenen Diskussionen zu lösen, um weitaus dringendere Fragen anzugehen, die für Unsicherheit in der Wirtschaft sorgen: die Besteuerung digitaler Dienstleistungen oder die Verbesserung des Datenschutzes.

5) Einen gemeinsamen Ansatz gegenüber China entwickeln: Selbst wenn das „Phase 1“-Handelsabkommen vom letzten Jahr am seidenen Faden hängt, haben chinesische Beamte es als in ihrem Interesse erachtet, Finanzdienstleistungen für Ausländer zu öffnen. Die beste Chance auf Erfolg besteht darin, die wirtschaftliche Agenda auf einige wenige konkrete Reformen zu konzentrieren.

6) Klare Klimaprioritäten setzen: Das Engagement des neuen Teams in der Klimapolitik kann der Attraktivität Amerikas als Investitionsstandort tatsächlich stärken, wenn es sicherstellt, dass die sich verändernden Anreize so klar und koordiniert wie möglich sind.

7) Infrastrutur reparieren: Ein föderaler Rahmen, der die Planungs- und Genehmigungsprozesse verbessert, kann helfen, Investitionen in die verfallende Infrastruktur zu beschleunigen, die eindeutig das Wachstumspotenzial untergräbt.

8) Steuern vereinfachen: Team Biden plant einige wichtige Änderungen bei der Unternehmens- und Haushaltssteuer, und alles, was das Berechnen und Bezahlen von Steuern einfacher macht, wird einen nachhaltigen Effekt haben.

9) Die Gesundheitskosten anpacken: Trotz aller Reformen wachsen die Gesundheitskosten schneller als die Wirtschaft und könnten bis 2028 fast 20% des BIP erreichen. Die Lösungen sind hochemotional und teuflisch komplex, aber jeder Fortschritt wird sich in den langfristigen Wirtschaftsaussichten auszahlen.

10) Ausweitung der Einwanderung: Studien streiten darüber, welchen wirtschaftlichen Beitrag Einwanderer leisten, aber es gibt wenig Zweifel, dass mehr Arbeitskräfte mehr Leistung bedeuten. Der Einwanderungsprozess muss geordnet und gestrafft sein, aber er ist ein wichtiger Bestandteil für das Wachstum in fortgeschrittenen und alternden Volkswirtschaften.

Die Liste könnte natürlich noch viel länger sein, selbst wenn man sich nur darauf konzentriert, was Amerika zu einem attraktiveren Investitionsziel macht. Aber bedenken Sie, dass auch die mächtigste Person der Welt keine Wunder vollbringen kann.“

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