Gastbeitrag

Zufriedenheitsstudie – Asset Manager im Test

Institutionelle Anleger haben ein Ertragsproblem. Die Renditen aus ihren Kapitalanlagen reichen vielfach nicht, um die finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Viele Häuser planen daher eine Neuausrichtung der ­Anlagestrategie – oder auch das Auswechseln des Asset Managers. Die Zufriedenheitsstudie 2016/17 von TELOS gibt Aufschluss über die Stimmung in der Branche und beziffert, wie zufrieden Investoren mit ihren Asset Managern sind.


Dr. Frank Wehlmann
TELOS GmbH

Die TELOS GmbH hat sich in der Zufriedenheitsstudie 2016 /2017 damit auseinandergesetzt, wie zufrieden die Investoren mit ihren Asset Managern sind, mit ihren Investments und dem gesamten Leistungsspektrum. Darüber hinaus hat die Ratingagentur erhoben, wie viele neue Mandate mit welchen Anlagesummen geplant sind, wie groß die Loya­lit­ät zu den Managern (noch) ist und wo gegebenenfalls ein Mandatswechsel mit dem Austausch des Managements droht.

In der aktuellen Studie hat TELOS 250 Interviews mit institutionellen Entscheidungsträgern geführt, um deren Zufriedenheit mit mandatierten Asset Managern zu eruieren. Dabei repräsentieren die einbezogenen Investoren den Durchschnitt des institutionellen deutschen Marktes mit Banken (41,5 Prozent), Versicherern (10,5 Prozent), Vorsorgeeinrichtungen (14,5 Prozent), Corporates (20 Prozent) sowie Verbänden und Stiftungen (13,5 Prozent).

Die Umfrage ergab beispielsweise eine sukzessive Hinwendung der institutionellen Anleger zu alternativen Anlageklassen, um einen Ausgleich für die niedrigen Renditen im Anleihebereich zu schaffen. Diese Neuausrichtung geht aber nicht zwangsläufig mit einem Ausbau des eigenen Know-hows oder einem Aufstocken des Management-Teams einher. Vielmehr rücken auch die Dienste von Beratern, Consultants und Ausschreibungsplattformen stärker in den Fokus. Je spezieller die gesuchten Assetklassen – wie Infrastruktur, Senior Loans, Nachranganleihen, Rohstoffe, Währungen etc. – desto eher wird die Möglichkeit der Beauftragung von Spezialisten in Betracht gezogen. Damit zeigt sich, dass der derzeitige Anlagenotstand den Beratermarkt beflügeln könnte.

Laut TELOS-Studie gaben im Schnitt 36 Prozent der Befragten an, einen Berater oder eine Plattform für Ausschreibungen zu nutzen. Die am meisten interessierten Anlegergruppen im Bereich Manager Search finden sich bei Körperschaften und Corporates mit über 40 Prozent. Der Anteil bei den Altersvorsorgeeinrichtungen ging von 44 auf 28 Prozent zurück. Bei den Banken stieg der Anteil der Nutzer um zehn Punkte auf 35 Prozent, bei Versicherern von 25 auf aktuell 29 Prozent. Allerdings ist mit der Beauftragung eines Beratungshauses nicht auch verbunden, sämtliche Mandate über den Berater abzuwickeln. Die institutionellen Anleger gaben an, gezielt auf Dienstleis­ter für bestimmte Assetklassen zurückgreifen zu wollen, während die klassischen Assetklassen selbst abgedeckt werden. Zugleich sollen für unterschiedliche Auswahlprozesse auch unterschiedliche Berater ausgewählt werden.

Es zeigt sich auch deutlich, dass die geringen Anleiherenditen auf Investoren Handlungsdruck ausüben. Dies in Verbindung mit der vermehrten Einschaltung von Consultants erhöht wiederum für Asset Manager die Gefahr, ausgewechselt zu werden. Für sie wird damit das „Halten“ eines Anlegers zu einer echten Herausforderung, was sich letztlich in dessen Loyalität gegenüber dem Asset Manager niederschlägt. Die TELOS-Zufriedenheitsstudie wirkt dahingehend etwas beruhigend, da der komprimierte Loyalitätswert der befragten Investoren gegenüber ihren Managern wieder deutlich angestiegen ist, auf jetzt 85 Punkte nach 71 Punkten im Vorjahr.

Bei der Frage nach der Wiederwahl des seinerzeit ausgesuchten Managers ging der Wert sogar von 74 auf hohe 89 Punkte, was darauf hindeutet, dass institutionelle Kunden zurzeit eine sehr viel engere Bindung zu ihrem Asset Manager haben als in den Vorjahren. Bezüglich der Frage, ob die Anleger mit ihrem bestehenden Manager weiterhin zusammenarbeiten wollen, wurde ein noch besserer Wert von 92 Punkten ermittelt, gegenüber 75 Punkten im Vorjahr.

Die Ergebnisse lassen sich dahingehend deuten, dass die Asset Manager bei Kundenservice und Qualität der Betreuung ihrer Investoren deutlich nachgelegt haben. Die in der Befragung bestplatzierten Asset Manager im jeweiligen Leistungsbereich finden Sie in Tabelle 1. Tabelle 2 zeigt die aus Sicht der Investoren beliebtesten Asset Manager insgesamt. Einschränkend ist aber auch festzustellen, dass etliche Investoren die Beziehung zu ihrem Asset Manager auf den Prüfstand gestellt haben. So gab immerhin jeder neunte Befragte an, einen oder mehrere seiner Asset Manager innerhalb der nächste zwölf Monate austauschen zu wollen.

Neue Mandate in Sicht: Jeder Fünfte der befragten Investoren plant, in diesem Jahr neue Mandate aufzulegen. Diese Prozentzahl beinhaltet sowohl die Mandate aus dem Wechsel eines bestehenden Managers als auch die Mandatsauflagen, die aus frischen Geldern gespeist werden. Sehr aktiv bei der Neuvergabe wollen sich Versicherer zeigen, die mit jetzt 55 Prozent der Teilnehmer eine über vier Mal so hohe Quote im Vorjahresvergleich aufweisen. Gerade die Versicherer leiden neben niedrigen Zinsen unter dem strengen Reglement von Solvency II. Von den Einrichtungen aus der Altersvorsorge plant jeder dritte Investor die Auflage neuer Fonds. Es folgen die Corporates mit 18 Prozent, Körperschaften (15 Prozent) und Banken (7,0 Prozent).

Im Schnitt sollen pro auflagebereitem Investor zwei neue Mandate aufgelegt werden, mit einem durchschnittlichen Volumen von rund 200 Millionen Euro. Damit weist der Weg in Richtung großvolumigerer Fondsauflagen – im Vorjahr lag das Durchschnittsvolumen zwischen 60 und 100 Millionen Euro. Ein gewichtiger Grund, weshalb es für Asset Manager sinnvoll ist, die Anstrengungen bezüglich der Portfoliomanagementprozesse sowie der Produkt- und Beratungsqualität weiter zu erhöhen, um Investment-Kunden an das eigene Haus binden und neue Mandate gewinnen zu können.

Grafik 1_Zufriedenheitsstudie

Grafik 2_Zufriedenheitsstudie

Vita:

Dr. Frank Wehlmann ist Mitbegründer, Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter der Ratingagentur TELOS GmbH, Wiesbaden, die über das Angebot qualitativer Ratings im Bereich Kapitalmarktprodukte hinaus auch institutionelle Anleger bei der Auswahl von Fondsprodukten und Asset Managern berät.
Wehlmann verfügt über mehr als 25 Jahre Finanzmarkt- und Kapitalanlageerfahrung und war vor Gründung der Gesellschaft im Jahr 1999 unter anderem in leitenden Funktionen bei verschiedenen Finanzinstituten und Beratungsgesellschaften mit Aufgaben in den Gebieten Betriebliche Altersvorsorge, Investmentprozess- und Fondsanalyse sowie Kundenbetreuung (institutionelle Anleger) betraut. Er verfügt über einen Studienabschluss der Rechtswissenschaften und ist als Rechtsanwalt am LG Wiesbaden zugelassen.