Interview

„Wir bringen ein disruptives Fondsportal nach Deutschland“

Fundplat ist eine führende Schweizer Event- und Medien-Plattform der Fondsindustrie, die stark auch nach Deutschland expandiert. Bekannt ist Fundplat einerseits mit seinen Experten-Lunches und andererseits seinen wöchentlichen Newsletters. Jetzt plant Fundplat-Chef Thomas J. Caduff die nächsten Schritte der Expansion. Hedgework News hat nachgefragt.


Thomas J. Caduff
Fundplat
HEDGEWORK: Herr Caduff, Sie sind schon recht lange im Geschäft.
Thomas J. Caduff: Ja, das kann man wirklich sagen. Seit der Banklehre bei der heutigen UBS in Chur (Schweiz) sind es 37 Jahre. Jeden Morgen schaue ich mir die Geburtstagsmeldungen auf Xing an. Nur ganz selten sehe ich ältere Kolleginnen und Kollegen.
 
HEDGEWORK: Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?
Caduff: Da ich mich einer robusten Gesundheit erfreue, ist es ganz sicher ein Vorteil. Einerseits bringt mich fast nichts mehr so schnell aus der Ruhe, andererseits kann ich jüngeren Kolleginnen und Kollegen beispielsweise erzählen, wie es war, als ich Aktienhändler für die Bank Vontobel an der Zürcher Börse war und der Telefax eingeführt wurde, oder wir im ganzen Händlerbüro einen einzigen Reuters-Monitor hatten. Bloomberg gab es zu dieser Zeit ja noch nicht. Lustig finden es Gesprächspartner auch, wenn ich ihnen erzähle, dass mein erstes Mobiltelefon, ein tragbares Motorola-Gerät, umgerechnet rund 12.500 Euro kostete.

HEDGEWORK: Macht der Finanzberuf heute mehr oder weniger Spaß?
Caduff: Ich habe viele Jahre hart dafür gearbeitet, dass ich heute sagen kann: mein Job ist mein Hobby. Ich investiere keine Zeit, darüber nachzudenken, wie es einmal war. Heute sind viele Sachen großartig, man denke nur ans Internet. Für mich ist das Glas immer halb voll, nie halb leer – ich bin Optimist und freue mich auf die Zukunft. 
 
HEDGEWORK: Sie expandieren mit Ihrem Unternehmen „Fundplat“ auch stark nach Deutschland. Was steckt dahinter?
Caduff: Bekannt sind wir in der Schweiz und in Deutschland hauptsächlich mit unseren Experten-Lunches. Mit diesem Format haben wir in Zürich begonnen, an einem runden Tisch im Carlton-Restaurant mit fünf Leuten. Heute sind wir mit 16 Experten-Lunches in fünf Ländern präsent – Schweiz, Deutschland, Großbritannien, Luxemburg, Österreich –, und es nehmen daran mehr als 600 ausgewählte Personen teil. Ein weiterer Schwerpunkt sind unsere Interviews mit Persönlichkeiten aus der Finanzindustrie, da kommen über 100 Publikationen im Jahr zusammen. Wir versenden jeden Montag Newsletters für die Schweiz und für Deutschland, praktisch ausschließlich an B2B-Adressen, das ergibt von Januar bis Dezember rund 280.000 Aussendungen.

HEDGEWORK: Das ist eine Nummer. Welche Projekte haben Sie noch auf Lager?
Caduff: Wir verfeinern jeden Tag die Datenbank, damit wir aus unseren mehreren Tausend Adressen immer wieder interessante Menschen zu den Experten-Lunches einladen können.

HEDGEWORK: Und Ihre nächsten Schritte?
Caduff: In diesem Jahr wollen wir noch mit einer neuen Marke nach Deutschland kommen. Ein Team ist aktuell dran, ein Portal für wirklich ausgezeichnete Fonds zu bauen. Das Ganze wird auch preislich disruptiv sein. So, wie beim wichtigsten Fonds­event in Deutschland – dem „FONDS professionell KONGRESS“ in Mannheim, wo alle Anbieter die gleiche Standgröße haben –, sind auch die Chancen, bei uns dabei zu sein, für große und kleine Häuser die genau gleichen.

HEDGEWORK: Gibt es nicht schon genügend Fondsportale in Deutschland?
Caduff: Für wirklich Gutes und Neues gibt es immer Nachfrage. Wir haben den deutschen Markt sehr genau studiert, haben auch unzählige Online- und Printpublikationen ausgewertet. Wir brauchten nicht mal so viel Zeit, um herauszufinden, dass mehr oder weniger immer die gleichen Adressen vorkommen. Das ist aus finanzieller Sicht natürlich einleuchtend, weil bei den wichtigsten Namen der Branche auch die größten Budgettöpfe sind. Aber aus Sicht des Marktes ist es selbstredend nicht das Optimale. Wir werden zusammen mit erfahrenen Partnern die Grenzen verschieben.

HEDGEWORK: Woher kommen all die Ideen?
Caduff: Wie eingangs schon gesagt, sind mehr als 30 Jahre Berufserfahrung natürlich ein Pfund. Hinzu kommt mein Privileg, an allen Experten-Lunches dabei zu sein und so im Jahr mehrere Hundert Leute persönlich zu treffen. Das führt auch dazu, dass mein Kontaktnetz über LinkedIn und Xing täglich wächst. Ganz wichtig ist natürlich auch das Team, auf das ich mich seit Jahren verlassen kann. Da wir eine Outsourcing-Matrix haben, besteht mein Luxus darin, mit wirklich intelligenten und arbeitsfreudigen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Ich sehe mich wie Fußball-Trainer Jürgen Klopp, der auch schaut, die besten Spieler auf der richtigen Position spielen zu lassen. Dies ist umso wichtiger, da unsere Webseiten und Newsletters größtenteils in Vietnam produziert und gepflegt werden. 

HEDGEWORK: Woher nehmen Sie die Energie zu all dem?
Caduff: Mein Leben verläuft sehr diszipliniert. Ich habe 32 Jahre in der Schweizer Armee gedient. Der Militärdienst hat mich sehr geprägt, da ich auch in allen Landesteilen der Schweiz im Einsatz war. Im Mai wiederum besuchte ich meine Frau in Herzogenaurach, die einige Monate bei Adidas als Designerin arbeitete. Als ich all die schlanken Leute auf dem wirklich eindrucksvollen Campus sah, begann ich gleich am nächsten Tag am Zürichsee mit dem Lauftraining. Dann lud ich aus Google noch ein paar Ernährungstipps runter und siehe da – heute wiege ich exakt 15 Kilo weniger. Das meiste im Leben ist eben eine Frage des Willens!

HEDGEWORK: Ihre Devise?
Caduff: Ich las jüngst ein Interview mit dem Formel-1-Piloten Lewis Hamilton, der sagte, er würde jeden Tag so leben als sei es sein letzter. Das ist ganz genau meine.

HEDGEWORK: Kommen wir noch einmal zurück zur Fondsindustrie – was geht Ihnen dazu spontan durch den Kopf?
Caduff: Da denke ich zunächst einmal an den Vertrieb. Es ist doch verrückt, dass die Power-Point-Präsentationen heute noch genauso aussehen wie vor zehn Jahren – und meistens auch noch genauso langweilig vorgetragen werden. Man muss sich nur mal einen 911er-Porsche anschauen, wie er früher aussah und wie er heute daherkommt. Welch ein Unterschied! Aber in der Fondsindustrie hat sich die Art der Präsentationen und Veranstaltungen überhaupt nicht verändert. Außer, dass heute bei Geschäftsessen deutlich weniger Alkohol getrunken wird. Weil wiederum unser Experten-Lunch-Format eben ganz anders ist, haben wir auch so großen Erfolg damit. Dann ist sicherlich auch noch die Vielzahl an Pressemitteilungen zu erwähnen. Bei den Absendern ist offensichtlich noch nicht angekommen, dass die Empfänger – sprich Buy-Side und Medienschaffende – gar nicht die Zeit haben, dies alles zu verarbeiten. Vor Großereignissen wie Regierungswahlen oder EZB-Entscheiden erhalte ich Mitteilungen im Minutentakt. Aber was mich wirklich stört, ist die Tatsache, dass viele Meldungen handwerklich schlecht gemacht sind. Mit der richtigen Expertise und ein paar wenigen Änderungen könnte hier enorm viel verbessert werden.

Das Interview führte Ronny Kohl

Vita:

Thomas J. Caduff ist seit Sommer 2017 CEO der Fundplat GmbH, wo er zuvor schon als Head of Events & Media tätig war. Im Mai 2017 hat er mit seiner Familie das Unternehmen von Business Angels übernommen. Der Schweizer ist seit über 30 Jahren in der Finanzindustrie tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehörten das Börsenkommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Caduff diente ferner drei Jahrzehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/Medienoffizier.

Fundplat.com ist eine führende Event- und Medien-Plattform der Fondsindustrie in der Schweiz, in Deutschland, Großbritannien, Luxemburg und Österreich. Bekannt sind die regelmäßigen Experten-Lunches in Zürich, Frankfurt, Hamburg, München, London, Luxemburg und Wien sowie die wöchentlichen Interviews mit Persönlichkeiten aus der Welt der Finanzen.