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Behavioral Finance - Sentix Fonds 1
Behavioral Finance beschäftigt sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen. Dabei werden Konstellationen untersucht, in denen Menschen im Widerspruch zur Modell-Annahme des Homo oeconomicus, also des rationalen Nutzenmaximierers, agieren.
Frankfurter Börsen-Zeitung
So steht es zumindest in Wikipedia. Inzwischen versuchen auch Fondsmanager, das Anlegerverhalten zu antizipieren und daraus für ihre Investments Nutzen zu ziehen. Beispielsweise die Macher des Sentix Fonds 1.
Die Angst vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise hält die Finanzmärkte fest im Griff. Nach Kursverlusten von bis zu 7% Anfang September stieg der deutsche Aktienmarkt nach dem EU-Gipfel in Brüssel Ende Oktober um mehr als 5%.
Die Kursschwankungen sind gemessen am VDAX, dem Angstbarometer, der sich aus den Optionen auf den deutschen Leitindex DAX errechnet, auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2009 gestiegen. Bereits Altmeister André Kostolany bezeichnete die Börse als ein Spiel zwischen Angst und Gier. Sowohl die ängstlichen als auch die gierigen Anleger neigen zu Überreaktionen und verursachen dadurch irrationale Kursschwankungen.
Studien wie die des Amerikaners Robert J. Shiller (1982) attestieren, dass lediglich 20 % der Kursbewegungen von Aktien durch fundamentale Faktoren wie Gewinn, Umsatz oder Dividende eines Unternehmens erklärbar sind. Die Übertreibungsphasen an den Märkten zeigen vielmehr, dass Anleger Herdentiere sind. Frei nach dem Motto „Die Mehrheit kann nicht falsch liegen“ investieren Anleger in Richtung des vorherrschenden Trends. Dabei werden vor allem die erfolgreichen Anleger gern in ihrer Strategie imitiert. Je mehr Menschen über die Börse oder gar über eine Aktie reden, umso größer ist das Herdenverhalten.
Anleger sind Herdentiere
Neben der Analyse von fundamentalen und charttechnischen Faktoren hat sich in den vergangenen Jahren die Behavioral Finance als drittes Standbein bei der Untersuchung der Märkte etabliert. Die Verhaltensökonomik beobachtet das Verhalten von Anlegern und versucht dadurch, frühzeitige Hinweise auf Wendepunkte an den Märkten zu geben.
In der Vergangenheit nutzten vor allem die Trader solche Zusammenhänge wie das Verhältnis von Kauf- und Verkaufsoptionen (Call-Put-Ratio) oder auch das Verhältnis von optimistischen zu pessimistischen Börsenbriefen. Heute wird die Anlegerstimmung durch umfangreiche Befragungen ermittelt. Die so gewonnenen Sentimentfaktoren werden im institutionellen Asset Management meist im Kontext mit fundamentalen oder charttechnischen Faktoren bei der Anlageentscheidung genutzt.
Mit dem Sentix-Fonds vom Herdentrieb profitieren
Der Sentix Fonds 1 (ISIN R-Tranche (Retail): DE 000 A1C 2XH 4, ISIN I-Tranche (institutionelle Tranche): DE 000 A1C 2XG 6) ist der bisher einzige Fonds in Deutschland, der einen Behavioral-Finance-Ansatz nutzt. Dieser Fonds hat sich in den zurückliegenden zwölf Monaten auch während der Marktturbulenzen bewährt.
Seit der Auflage erreichte der von Manfred Hübner und Patrick Hussy verwaltete Fonds in der Retail-Version eine Rendite von 2,6%, die institutionelle Tranche erreichte wegen niedrigerer Gebühren einen Gewinn von 3,8%. Trotz des ungünstigen Marktumfelds kamen sie dem mittelfristigen Ertragsziel von 5% jährlich bereits sehr nahe.

Job erfüllt: Der Sentix Fonds 1 zeigte in der ersten Zeit nach seiner Auflegung eine Schwächephase. Doch zuletzt hat er stark zulegen und die vorherigen Verluste wieder aufholen können. (Quelle: Sentix)
Seit Jahresanfang sieht die Entwicklung noch besser aus. Die Tranche für die institutionellen Anleger kam auf eine Performance von 5,7%, der Retailfonds auf eine von 4,7%. Die auf ein Jahr hochgerechnete Volatilität lag bei rund 3,8% und damit nach eigenen Aussagen auf dem Niveau von Bundesanleihen drei- bis fünfjähriger Laufzeit. Damit lag der Fonds im vorderen Feld der Kategorie der Mischfonds.
Wöchentliche Umfrage unter mehr als 3400 Anlegern
Die Fondsmanager nutzen bei ihren Anlageentscheidungen den Behavioral-Finance-Ansatz auf Basis der bei der Sentix-Umfrage ermittelten Daten im Kontext mit einer Preis- und Trendanalyse. Basis der Analysen und Handelsentscheidungen sind die Sentix-Daten, die durch regelmäßige, wöchentlichen Umfragen des Analysehauses unter mehr als 3400 Anlegern ermittelt werden. Diese werden immer in den Kontext der Marktpreisentwicklung gestellt, da die Preise nach Meinung von Sentix die einzige objektive Information an den Märkten darstellen.
Technische Analyse
Die Preisanalyse wird mit den Methoden der technischen Analyse durchgeführt. Neben systematischen Kurs- und Umsatzbetrachtungen analysieren Hussy und Hübner die Volatilität anhand der Bollinger-Bänder und messen Trends mit Trendfolgeansätzen. Zusätzliche Informationen über den Reifegrad von Investmentthemen holen sie sich durch die Analyse des „Medien-Tenors“.
Der Mischfonds wird nach dem Total-Return-Ansatz verwaltet. Das maximale Risikobudget des Fonds ist auf 10% pro Kalenderjahr begrenzt. Darüber hinaus hat jede Position ein eigenes, positionsbezogenes Risikobudget. Das Risikomanagement basiert auf einem systematischen, quantitativen Verfahren, bei dem aus den Größen Chance, Risiko und Eintrittswahrscheinlichkeit der angemessene Einsatz abgeleitet wird. Je nach Marktlage kann die Cashquote zwischen 0 und 100% variieren.
Total-Return-Ansatz
Aufgrund der Staatsschuldenkrise und der damit verbundenen Gefahren setzt das Fondsmanagement aktuell auf asymmetrische Chance-Risiko-Profile. Wegen der zuletzt erhobenen Daten sind Hussy und Hübner wieder pessimistischer für den Aktienmarkt eingestellt, vor allem für US-Technologiewerte. Dagegen habe sich die Lage bei Gold verbessert. Daher haben die Fondsmanager bei dem Edelmetall eine Position aufgebaut. Gleiches gilt für den Anleihemarkt.
Aufgrund seiner bisherigen Entwicklung eignet sich der Total-Return-Fonds für konservative Anleger, die einen alternativen Investmentansatz suchen, als Depotbeimischung. •
Daten: Sentix Fonds 1
ISIN: DE 000 A1C 2XH 4
Auflagedatum: 1.10.2010
Performance 2011*: 4,7%
Performance 12 Monate*: 2,6%
Volatilität: 3,8%
Verwaltungsvergütung**: 1,2%
Performance Fee: 20%
Quelle: Sentix,* per Ende Oktober,** Hinzu kommt eine leistungsabhängige Vergütung von 20%, wenn die Performance über dem Ertragsziel der Geldmarktrendite zuzüglich 5% liegt.
Autor
Dr. Armin Schmitz ist Redakteur der Frankfurter Börsen-Zeitung und ein ausgewiesener Kenner der Derivate- und Hedgefonds-Branche.In jeder Ausgabe von Alternative News untersucht er Alternative-Investment-Produkte auf Herz und Nieren.