Research
Prime Capital Hedge Fonds Review Mai 2011
Das neueste Review von Prime Capital zur Entwicklung der finanz- und gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der wichtigsten Hedgefondsstrategien steht bereit.
Belastende Faktoren nehmen zu
Risikoreiche Asset-Klassen setzten im April 2011 ihre Aufwärtsbewegung fort. Für eine kurzzeitige Unterbrechung sorgte lediglich der negative Ausblick von Standard & Poors für das US-Kreditrating. Während der MSCI World vier Prozent und der S&P 500 2,8 Prozent hinzu gewannen, verbuchten einzelne Marktindizes Rückschläge, wie der brasilianische Bovespa (-3,6 Prozent) sowie der japanische TOPIX (-2,0 Prozent). Die Rohstoffnotierungen legten im April weiter zu, Öl stieg um 6,2 Prozent, Gold um 8,1 Prozent. Die Schuldenkrise der PIIGS-Staaten sorgte für steigende Bondrenditen und Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen dieser Länder.
Zahlreiche Faktoren sprechen dafür, dass sich der kräftige Aufschwung, der sich überwiegend in den zyklischen Industrien abspielt, und die Gewinnsituation der Unternehmen bereits in einer späten Phase des Zyklus befinden. Die Emerging Markets heben die Leitzinsen an, im Westen neigt sich die Politik des billigen Geldes ihrem Ende entgegen, Rohstoffpreise steigen, Überraschungen bei den Gewinnzuwächsen der Unternehmen werden seltener und Aktienbewertungen liegen bereits vielfach über ihrem fairen Wert. Belastend wirken zusätzlich die Unruhen in Nahost und in Nordafrika sowie die ungelöste Lage der südeuropäischen Schuldenstaaten. Die Hoffnungen vieler Marktteilnehmer richten sich erneut auf die politischen Akteure und die Zentralbanken sowie insbesondere eine Fortsetzung der quantitativen Lockerung in den USA. Die realwirtschaftlichen Effekte dieses Stimulus blieben bislang jedoch gering und heizten eher spekulative Marktaktivitäten an.
Überblick über die Entwicklung der Hedgefondsstrategien
Relative Value: Während der April insgesamt ein guter Monat für Hedgefonds war, blieb Relative Value hinter anderen Strategien zurück. Convertible Arbitrage verbuchte erstmals in diesem Jahr Rückschläge (-0,4 Prozent). Die bisherige neutrale Einschätzung für diese Strategie ist jetzt negativ, da Wandelanleihen aufgrund der überwiegenden Zahl von Long only-Käufern mittlerweile als teuer einzustufen sind. Corporate Bond- (+0,9 Prozent) sowie Fixed Income Asset Backed-Strategien (+1,3 Prozent) konnten im April zulegen. Positiv sollte sich auch die Sub-Strategie Volatility Arbitrage entwickeln. Steigende Volatilitäten bei mittleren Laufzeiten sind auch weiterhin zu erwarten, während die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung unsicher bleibt. Die Märkte sind überkauft und die Unterschiede zwischen kurz und lang laufenden bzw. realen und implizierten Volatilitäten groß.
Event Driven: Distressed-Strategien führten im April bei Event Driven-Managern zu positiven Resultaten (+1,2 Prozent). Auch Risk Arbitrage Manager agieren weiter in einem günstigen Umfeld. Liquiditätsstarke Unternehmen setzen weiter auf Wachstum. Private Equity- und Staatsfonds verfügen nach wie vor über große Mengen nicht investierten Kapitals, die Bewertungen sind attraktiv und die Finanzierungskosten günstig. Positiv sind auch die Aussichten für die Sub-Strategie Distressed Securities. Die Wahrscheinlichkeit für Ausfälle steigt, da Preise für Rohmaterialien und Zinsen anziehen. Der hohe Fremdfinanzierungsanteil vieler Unternehmen wird dementsprechend zu Kreditausfällen führen.
Equity Hedge: Equity Hedge-Manager profitierten einerseits von niedrigeren Aktien-Korrelationen, andererseits belasteten fundamentale Faktoren. Wie im März schnitten Qualitätsaktien, wie sie von aktiven, fundamental orientierten Managern favorisiert werden, sowie systematisches Stock Picking eher schlechter als der Gesamtmarkt ab. Auch die derzeit bei Managern beliebten Value-Themen lieferten im April nur schwache Resultate ab. Überdurchschnittliche Korrelationen bleiben eine Herausforderung für die fundamentale Einzeltitelauswahl. Die Abhängigkeit von den großen Marktbewegungen lässt sich durch eine gute Diversifizierung reduzieren.
Tactical Trading: Der April war ein guter Monat für Tactical Trading Manager. Managed Futures Fonds legten deutlich zu; der DJ CS HFI Managed Futures Index stieg um 5,4 Prozent. Gewinne wurden hauptsächlich in US-Dollar-Short-Positionen erzielt sowie in Long-Positionen auf Metalle, Energierohstoffe und Aktien. Auch Global Macro-Strategien schnitten im April gut ab, systematisches Kurzfrist-Trading verbuchte gemischte Resultate. Das Umfeld für schnelle Gewinne in risikoreichen Assets wird zunehmend schwieriger. Die Chancen für eine relative Outperformance von Tactical Trading-Strategien nehmen aber in gleichem Maße zu, da sie sich flexibel und schnell an veränderte Rahmenbedingungen anpassen lassen.
Commodities: Rohstoff-Strategien waren auch im April erfolgreich. Commodity-Manager erzielten im Durchschnitt Zuwächse von 1,7 Prozent, gemessen am Newedge CTI-Trading Index. Der Energiesektor war von deutlichen Steigerungen bei Gas (+ 11,0 Prozent) sowie Heizöl (+ 4,7 Prozent) geprägt. Die Preise von Grundmetallen entwickelten sich sehr unterschiedlich, von -7,1 Prozent bei Blei bis zu +4,9 Prozent bei Aluminium. Unter den Edelmetallen verbuchte Silber im April mit einem Zuwachs von 28,2 Prozent den stärksten Anstieg. Nach wie vor steht die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise im Spannungsfeld der unsicheren wirtschaftlichen und politischen Situation an den Weltmärkten.
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