Gastbeitrag

MDAX gegen DAX – von der Saisonalität profitieren

Wissenschaftliche Studien belegen die Existenz saisonaler Effekte an den Kapitalmärkten. Die wohl berühmteste Börsenregel „Sell in May and go away“ besagt etwa, in den Sommermonaten einen Bogen um den Aktienmarkt zu machen. Tatsächlich werden, statistisch betrachtet, in diesem Zeitraum nur unterdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet, gleichzeitig ist das Risiko von volatilen Abwärtsbewegungen deutlich erhöht. Im vorliegenden Beitrag wird eine Saisonalität vorgestellt, die zwischen dem MDAX und DAX zu beobachten ist.


David Pieper
Tradesignal

Die Analyse historischer Daten bietet die Möglichkeit, wiederkehrende Muster zu identifizieren, zu messen und auf Robustheit zu überprüfen. Handelt es sich um einen signifikanten Effekt, kann dieser als Basis für eine regelbasierte Handelsstrategie dienen oder in eine bestehende Strategie implementiert werden. Im vorliegenden Beispiel möchten wir einen einfachen marktneutralen Ansatz auf Basis der Indizes DAX und MDAX entwerfen, um von bestehenden Saisonalitäten zu profitieren.

Saisonales Muster liefert die Idee: Im ersten Schritt wird ein Ratio- bzw. Spread-Chart zwischen dem MDAX und dem DAX erstellt. Hierzu wird der Kursverlauf des MDAX durch den Kursverlauf des DAX dividiert. Um das saisonale Verhalten der beiden Indizes zueinander analysieren zu können, berechnet die Software auf Basis des gewünschten Zeitraums einen Durchschnittsverlauf. In Abbildung 1 zeigt die schwarze Linie die durchschnittliche Entwicklung des MDAX-DAX-Spreads auf Basis der letzten 20 Jahre. Eine steigende Linie signalisiert, dass der MDAX Stärke gegenüber dem DAX zeigt und umgekehrt. Wie man unschwer erkennen kann, liefert der MDAX im Schnitt eine Outperformance gegenüber dem DAX ab. Diese vollzieht sich relativ konstant bis etwa Ende September. In den Monaten Oktober und November – generell betrachtet überdurchschnittlich starke Aktienmonate – dreht sich der Spieß allerdings um: In diesem Zeitraum zeigt der MDAX gegenüber dem DAX signifikante Schwäche, sodass ein großer Teil des aufgelaufenen Vorsprungs wieder verloren geht.
Grafik 1_Tradesignal

Backtesten leicht gemacht: Mit Tradesignal können Portfoliomanager und Analys­ten aus solch einer Beobachtung ein einfaches Handelsmodell ableiten und dieses anschließend mit historischen Daten backtesten. Wie eingangs erwähnt, soll der zugrunde liegende Basisansatz marktneutral aufgestellt sein. Die Regeln für den Backtest sind daher alles andere als kompliziert:

  • Von Dezember bis September (zehn Monate) wird jeweils eine Long-Position im MDAX und eine Short-Position im DAX gehalten
  • Im Oktober und November (zwei Monate) herrscht die umgekehrte Ausrichtung: Der DAX wird long, der MDAX short gehandelt
  • Pro Index und Transaktion wird jeweils eine Million Euro investiert, eine Wiederanlage aufgelaufener Gewinne findet nicht statt
  • Zur Vereinfachung wird der Backtest auf Basis von Kassa-Daten durchgeführt, Gebühren finden keine Berücksichtigung, da nur zweimal im Jahr gehandelt wird.

Grafik 2_Tradesignal

Seit 1998 ist eine relativ stabile positive Entwicklung der Kapitalkurve (Abb. 3) zu beobachten. Obwohl in dieser Basisvariante keinerlei Filter- und Stop-Mechanismen implementiert wurden, fallen die Drawdowns – insbesondere während der Bärenmarktphasen um die Jahrtausendwende und von 2007 bis 2009 – auch durch die marktneutrale Ausrichtung relativ verhalten aus. Selbstverständlich ist der hier vorgestellte Ansatz noch keineswegs als abgeschlossene Strategie zu verstehen. Der softwaregestützte Test von Stops, Trendfiltern oder volatilitätsbasierten Positionsgrößen eröffnet hierbei noch zahlreiche Möglichkeiten, um aus dieser einfachen Idee eine robuste und profitable Handelsstrategie zu entwickeln.

Grafik 3_Tradesignal

Vita:

David Pieper verfügt über 15 Jahre Finanzmarkterfahrung und ist als Senior Technical Analyst bei Tradesignal Ltd. für die Betreuung institutioneller Kunden und redaktionelle Inhalte zuständig. Nach seinem BWL-Studium und der Weiterbildung zum Certified International Investment Analyst (CIIA) war er viele Jahre im Investment Research einer großen deutschen Landesbank tätig. Seine Leidenschaft zum Trading und zur Technischen Analyse kommt regelmäßig in Beiträgen des ­TRADERS-Magazins zum Ausdruck.

Tradesignal ist seit über 20 Jahren einer der führenden Softwarehersteller für den internationalen Finanz- und Energiemarkt. Kernkompetenz des Unternehmens ist die Entwicklung von Softwarelösungen zur Umsetzung regelbasierter Handelsstrategien und zur Technischen Chartanalyse. Dabei kooperiert das Unternehmen eng mit Datenanbietern wie Bloomberg und Thomson Reuters. Gemeinsam mit Partnern unterstützt Tradesignal von den Standorten Bremen, Frankfurt, London und Tokio aus zahlreiche Kunden weltweit dabei, eine nachhaltige Performance zu erzielen; darunter Banken, Versicherungen und Asset-Management-Gesellschaften sowie Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffhandel.