Für Stiftungsmanager ist Fonds-Controlling unerlässlich
Alternative Investments sollten angesichts der Schulden- und damit der Anleihenmisere Bestandteil einer jeden zeitgemäßen Vermögensallokation von Stiftungen sein. von Pascal Seppelfricke
Vorstand Seppelfricke & Co.
Family Office AG
Stiftungen sind daher herausgefordert, ihre internen Prüfverfahren zur Eignung eines Alternativen Investments zu professionalisieren. Nur dann liefern sie die Mehrwerte, die sich Stiftungsmanager erwarten.
Die Fähigkeit einer Stiftung, ihren Stiftungszweck zu erfüllen, hängt unmittelbar mit der Wirtschaftlichkeit ihres Vermögens zusammen. Je besser das Stiftungsvermögen verwaltet wird, desto mehr Mittel stehen für den Stiftungszweck zur Verfügung. Da wundert es nicht, dass große internationale Stiftungen ein richtungsweisendes Vermögensmanagement auszeichnet. Viel mehr verwundert es, dass viele kleine und mittlere Stiftungen in Deutschland diese wichtige Aufgabe nicht in die besten und professionellsten Hände geben.
In unserer heutigen arbeitsteiligen Zeit sind wir doch beinahe auf jedem Gebiet Laien. Das Know-how, dass der Einzelne besitzt, ist zumeist auf ein sehr kleines und spezielles Fachgebiet konzentriert. Wenn jemand Zahnschmerzen hat, dann geht er sicherlich nicht zum Orthopäden – das leuchtet ein.
Diversifikation ist die Lösung
Eine alte Binsenweisheit an der Börse lautet: „Lege nicht alle Eier in einen Korb.“ Das bedeutet, man soll nicht nur in eine, sondern in mehrere Aktien investieren. Das ist natürlich sinnvoll. Was aber, wenn der gesamte Aktienmarkt unter Druck gerät und erhebliche Einbußen hinnehmen muss? Dann empfiehlt es sich, neben Aktien auch noch Bundeswertpapiere, Unternehmensanleihen, ausgesuchte Hedgefonds, Private Equity und dazu noch Immobilieninvestments, vielleicht auch noch Investments in erneuerbare Energien dem Portfolio beizumischen.
Die wichtigste Lehre aus den Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre ist, dass ein breit gestreutes Portfolio am besten mit den Wechselfällen der Finanzmärkte zurechtkommt. In den meisten Portfolien sind allerdings Sachwerte aktuell unterrepräsentiert. Speziell für Stiftungen besteht hier das größte Potenzial mehr Stabilität und Sicherheit zu gewinnen, denn die meisten Stiftungsportfolios sind zu weiten Teilen in Anleihen und damit in Papierwerten investiert.
Das Problem mit Anleihen – sehr niedrige Renditen und je nach Marktentwicklung droht bei dem einen oder anderen Emittenten Abschreibungsbedarf – dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, weshalb die Stiftungsdepots nicht unerhebliche Risiken in sich bergen. Entsprechend kann ein Investment in Alternative Investments ein Ausweg sein, angesichts der nicht enden wollenden Schuldenmisere muss es sogar ein Ausweg sein. Neben Direktinvestments, die nur für sehr große Stiftungen überhaupt in Frage kommen, sind zumeist Beteiligungen an „Geschlossenen Fonds“ das gebräuchlichste Vehikel. Allerdings eines, das es genauer zu erklären gilt.
Was ist ein Geschlossener Fonds?
Geschlossene Fonds bündeln das Kapital mehrerer Investoren mit dem Ziel, konkrete Wirtschaftsgüter zu finanzieren. Es geht also um die Finanzierung klar definierter Projekte. Das können Wohn- oder Gewerbeimmobilien, Container, Schiffe oder Erneuerbare Energien sein. Die Schwierigkeit für die Entscheidung für oder gegen ein Realwert-Investment liegt dabei nach wie vor in der Problematik der Einzelfall-Entscheidung.
Entscheidungen im Einzelfall erfordern naturgemäß einen deutlich höheren Prüfaufwand als Entscheidungen im Regelfall. Das leuchtet unmittelbar ein. Aber die Initiatoren haben in den vergangenen Jahrzehnten wenig dazu beigetragen, dass aus Einzelfällen Regelfälle werden.
Faustregeln für den Fondserwerb
Zum Zeitpunkt des Investments sollte feststehen, in welches Anlagegut investiert wird. Die vielerorts in Mode gekommenen Blind Pools, also Fonds, die blind Geld einsammeln, ohne zum Zeitpunkt des Anteilserwerbs konkrete Informationen zum Investitionsobjekt liefern zu können, sind von vorn herein zu meiden.
Um das Produkt genau kennenzulernen, ist es für jeden Stiftungsvorstand obligatorisch, den Emissionsprospekt akribisch durchzuarbeiten. Hier werden unter anderem die verschiedenen Risiken der Anlage beschrieben und die Verwaltungskosten detailliert aufgeführt. Ein Kapitel für sich ist der Leverage-Effekt. Meist werden die Anlagegüter wie die Immobilie oder das Containerschiff nicht komplett aus den von den Investoren eingelegten Eigenmitteln des Fonds bestritten, sondern zum Teil auch via Bankkrediten finanziert. Die Rendite für die Stiftung auf das eingezahlte Kapital „hebelt“ sich somit um einen gewissen Faktor.
Fallen nun aber beispielweise Mietzahlungen bei einer Immobilie – etwa im Falle einer Wirtschaftskrise – aus, oder die Charterraten bei einem Schiffsinvestment, dann leiden in aller Regel die Ausschüttungen an den Investor darunter. Der Hebel wirkt dann unter Umständen in die entgegengesetzte Richtung und vergrößert die Einbußen.
Solaranlagen müssen diesen negativen Effekt weniger fürchten, weil die Rückflüsse an die Anleger über die jeweilige Einspeisevergütung erzielt werden.
Dennoch sollten Stiftungen darauf achten, dass das Stiftungsvermögen nicht vollständig in Alternative Investments investiert werden darf. Zudem ist der Tatbestand der Steuerersparnis nicht gegeben, da Stiftungen ohnehin steuerfrei gestellt sind. Für Stiftungen ist stets die Vorsteuerrendite ausschlaggebend. Fonds, bei denen Vor- und Nachsteuerrendite grob differieren, sollten außen vor gelassen werden.
Ganz wichtig für Stiftungen ist indes die Art der Einkünfte. Einnahmen aus Kapitalvermögen bzw. Vermietung oder Verpachtung werden bei einer Stiftung der Vermögensverwaltung zugewiesen und sind damit nicht steuerpflichtig. Solche Einkünfte, die jedoch gewerblicher Natur sind, unterliegen der gültigen Körperschaftssteuer. Entsprechend müssen sich Stiftungen hier sehr genau informieren, welche Art der Einkünfte ein Konstrukt erzielt, um nicht über vermeidbare Steuerzahlungen die potenzielle Rendite zu schmälern.
Hilfestellung von außen
Grundsätzlich will keine Stiftung mit einem Investment Geld verlieren. Daher möchte sie einschätzen können, ob ein zu prüfendes Investment kaufmännisch sinnvoll ist oder eben nicht. Hierzu benötigt sie klare Aussagen zu den Ertrags- und Risikoquellen, dem Management und natürlich zum Investmentgegenstand selbst. Es geht um die Offenlegung der wesentlichen Stellschrauben, die das Projekt beeinflussen.
Es ist sehr aufschlussreich, wenn verschiedene aktuelle Angebote unter denselben Gesichtspunkten nebeneinander gestellt und verglichen werden. Derzeit kann jeder Initiator nach eigenem Ermessen festlegen, mit welchem Zinssatz er eine eventuelle Anschlussfinanzierung rechnet, welche Inflationsrate er annimmt, wie sich bestimmte wirtschaftliche und steuerliche Entwicklungen auswirken.
Die schwachen Ergebnisse etlicher angebotener Investments aus den vergangenen Jahren sprechen da eine deutliche Sprache. Mit exakter Due Diligence und realistischen Annahmen bezüglich Anschlussfinanzierung, Wechselkursentwicklung, Anschlussvermietungen, Entwicklung von Charterraten oder Einspeisevergütungen – um nur einige zu nennen –, wäre so manches Investment erfolgreicher verlaufen.
Exkurs: Investmentfonds
Ein Blick in die Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) zeigt ernüchternde Zahlen. So brachte eine Einmalanlage in internationale Aktienfonds Langfristinvestoren in den vergangenen 10 Jahren zum Stichtag Ende November 2011 im Schnitt eine Rendite in Höhe von -0,9%. Mischfonds (ausgewogen) mit internationalem Anlageschwerpunkt kamen im selben Zeitraum auf eine Rendite in Höhe von 0,2% p.a. und Rentenfonds international (Langläufer) auf eine jährliche Rendite in Höhe von 2,1%.
Einer Auswertung des Deutschen Instituts für Kapitalanlagen zufolge erzielten demgegenüber beispielsweise Geschlossene Fonds mit Anlageschwerpunkt Gewerbeimmobilien Niederlande zwischen 1993 und 2008 eine jährliche Rendite in Höhe von 6,32% nach Steuern. Berücksichtigt wurden insgesamt 94 liquidierte Fonds, für die valide Daten vorliegen. Die Renditen schwankten zwischen -3,02% und 15,96% p.a.
Das macht überdeutlich wie wichtig es ist, die verschiedenen Angebote vor Erwerb eingehend zu prüfen und miteinander zu vergleichen. Zudem sollten nach der Entscheidung für eine Beteiligung die erworbenen Fonds im Rahmen eines Fondscontrollings – das ist beispielsweise für die Seppelfricke & Co. Family Office AG (SFO) ein wesentlicher Faktor – permanent überwacht werden. Nur so kann bei Fehlentwicklungen korrigierend eingegriffen werden.
Neutrale Analyse und Controlling von Profis für Profis
Die SFO kann auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Sachwertebereich zurückgreifen. Dieses Know-how fließt sowohl in das Controlling von laufenden Beteiligungen als auch in die Bewertung von Neuemissionen ein.
Bei der Bewertung handelt es sich jeweils um eine Einzelfallentscheidung – das Chance-/Risikoverhältnis des zu prüfenden Beteiligungsangebots steht im Vordergrund. Wichtig ist zudem, wer das Fonds- und Assetmanagement verantwortet. Welchen Track Record können beide vorweisen, welches Risiko- und Liquiditätsmanagement wurde bei den bisher gemanagten Fonds installiert?
Ein entscheidender Faktor ist aber, dass die erworbenen Beteiligungen auch nach der Investitionsphase permanent überwacht werden. Das Controlling beinhaltet u.a. einen Fair Value, den Marktwert (Zweitmarkt), die Kapitalbindung, die Ermittlung einer Restrendite (Ertragspotenzial), eine Cash-Flow-Analyse, bei Immobilien die Vermietungsquote, den Loan to Value, die Marktmieten am Standort, die aktuelle Bonität der Ankermieter, die Beschäftigungssituation (z.B. ganz aktuell der geplante Stellenabbau bei IBM), die Vermietungssituation und die Leerstandsquote vor Ort, den Objektzustand sowie etwaige Baumängel etc.
Anhand des umfassenden Controllings und der gewonnenen Informationen führt SFO eine Neubewertung durch. Entweder verbleibt das Asset im Portfolio oder es wird am Sekundärmarkt veräußert. Ein derartiges aktives Portfoliomanagement führt zu einer Risikoreduktion und zu einer Verstetigung der Rendite des Gesamtportfolios und ist somit eine unabdingbare Voraussetzung für eine profitable Investition in Sachwerte.
Ausblick 2012
In absehbarer Zeit werden sich Bewertungsstandards, ein Controlling während der Bewirtschaftungsphase und objektive Vergleichsanalysen durchsetzen. Davon profitieren sowohl die Anleger als auch die Branche. Und es kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass in naher Zukunft mehr Alternative Investments etwa hinsichtlich Einkunftsart und Stiftungszweck stiftungstauglich ausgestattet sein werden. Damit bekommen Sachwerte endlich das, was ihnen allzu lange vorenthalten wurde: einen festen Platz in der Asset Allokation. Und jeder Investor sowie auch jede Stiftung gewinnen mehr Schutz und Sicherheit vor den kommenden Finanzkrisen.
Vita
Pascal Seppelfricke ist Vorstand der Seppelfricke & Co. Family Office AG, die als unabhängig agierendes Beratungsunternehmen im Bereich der Vermögensverwaltung mit Geschlossenen Fonds tätig ist. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Analyse und Bewertung (Fair Value) von Neuemissionen und laufenden Beteiligungen für vermögende Privatkunden, Banken, Stiftungen und institutionelle Investoren.
Kontakt
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