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Dach-Hedgefonds entdecken die kleineren Investoren
Große institutionelle Anleger investieren verstärkt direkt in Hedgefonds und zeigen Dach-Hedgefonds die kalte Schulter. Hier haben erste Häuser reagiert und öffnen sich zusehends kleineren Investoren.
In den vergangenen 12 Monaten ist das verwaltete Vermögen
der Gesamtheit von Hedgefonds mehr als doppelt so schnell gewachsen wie das in
Dach-Hedgefonds“, schreibt Randal Goldsmith im Funds-of-hedge-funds Sector
review May 2011 von Standard & Poor’s. Die Begründung hierfür liefert er
sogleich nach: „Der Hauptgrund für diese Abweichung ist, dass institutionelle
Anleger zunehmend direkt investieren.“
Großinvestoren zeigen Dach-Hedgefonds die kalte Schulter
Im Vergleich zu den früheren Höchstständen beim verwalteten Vermögen wird der Unterschied recht deutlich: Während Hedgefonds etwa 15 Prozent von den früheren Höchstständen entfernt seien, fehlten bei Dach-Hedgefonds rund 40 Prozent zu früheren Vermögens-Levels. Für Goldsmith ein klares Indiz dafür, dass die großen institutionellen Investoren Dach-Hedgefonds zusehends meiden und bevorzugt direkt in Hedgefonds investieren.
In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass das verwaltete Vermögen von Dach-Hedgefonds in den vergangenen 12 Monaten (per Ende März 2011) auf 970 Milliarden Dollar angestiegen ist. Wobei S&P-Analyst Goldsmith einen Teil des Anstiegs der Performance zuschreibt, während er den Netto-Mittelzufluss nur als „moderat“ bezeichnet.
Das aggregierte Vermögen unter Verwaltung von Single-Hedgefonds ist demgegenüber in den ersten drei Monaten dieses Jahres um drei Prozent auf 2552 Milliarden Dollar angestiegen. Unter dem Strich sei das ein mehr als doppelt so starker Anstieg gewesen als bei Dach-Hedgefonds, wie Goldsmith berechnet hat.
Der S&P-Analyst sieht darin späte Folgen der Probleme aus den Jahren 2008 und 2009, die bei Dach-Hedgefonds jetzt noch durchschlagen: Einerseits den Imageschaden, den die Madoff-Affäre ausgelöst hat, und andererseits den Fakt, dass es bei etlichen Fonds immer wieder nicht geklappt habe, das versprochene Alpha zu generieren. Für das Jahr 2010 berechnete Standard & Poor’s bei den beobachteten Dach-Hedgefonds einen durchschnittlichen Wertzuwachs von mageren fünf Prozent und im ersten Quartal 2011 von ebenfalls nicht gerade üppigen ein Prozent.
„2010 wurde der durchschnittliche Ertrag von Dach-Hedgefonds von enttäuschenden Ergebnissen bei Low-Beta-Long/Short-Equity-Hedgefonds gedämpft“, präzisiert Randal Goldsmith. „Demgegenüber performten Long-biased-Equity-Hedgefonds sehr gut.“ Es ist demnach nicht verwunderlich, dass große Investoren mit ausreichendem Kapital und dem notwendigen Know-how nun direkt in die aussichtsreichsten Hedgefonds investieren wollen.
Stockender Mittelzufluss zwingt Management zum Handeln
Die Verantwortlichen der Dach-Hedgefonds sind somit gezwungen, auf die veränderten Marktgegebenheiten zu reagieren. S&P-Analyst Goldsmith hat festgestellt, dass einige Anbieter bereits „Rationalisierungsmaßnahmen“ eingeleitet haben. So seien beispielsweise bei GAM und bei der französischen HDF die Investment Teams verkleinert worden. Zugleich sei bei einigen Häusern in den Bereichen Risk Management, Due Diligence sowie IT aufgestockt worden.
Eine weitere Maßnahme, das Mittelaufkommen anzukurbeln, besteht im Erschließen neuer Anlegerschichten. Dach-Hedgefonds versuchen verstärkt auch kleinere Investoren auf sich aufmerksam zu machen. So habe HDF große Anstrengungen unternommen, auch für kleinere Vermögen den gewohnten individuellen Service bieten zu können. Die Mindestanlagesumme wurde in diesem Zusammenhang von 100 Millionen Euro auf 30 bis 40 Millionen Euro abgesenkt.
Zugleich stellen die Anbieter die Vorteile von Dach-Hedgefonds deutlicher heraus. Unbestritten ist das hohe Maß an Diversifikation. Dach-Hedgefonds können bestens diversifiziert sein hinsichtlich der Hedgefondsstrategien, der Hedgefondsmanager wie auch der Sicherheitslevels. Kunden mit weniger großen Anlagevermögen können eine derart breite Streuung nicht darstellen. Ebenso wenig können sie mit den Möglichkeiten von Dach-Hedgefonds mithalten, das Vermögen hinsichtlich einzelner Sektoren oder regionaler Schwerpunkte zu streuen.
Diversifikation ist das große Plus der Dach-Hedgefonds
Hinzu kommt der Vorteil der Marktkenntnisse der Dachfondsmanager, die sich quasi rund um die Uhr mit ihrem Metier beschäftigen. Um ähnliche Kenntnisse vorzuhalten, müssten die Kunden zunächst spezielle Abteilungen aufbauen bzw. einrichten.
Auch von Permal weiß Goldsmith zu berichten, dass viele Anstrengungen unternommen wurden, um die Portfolios in separate und individuelle Managed Accounts umzuwandeln.
„Viele Investoren schätzen die Vorteile von Dach-Hedgefonds“, fasst Analyst Goldsmith zusammen. Was sie bislang vielfach von einem Einstieg abgehalten hat, seien die hohen Anlagesummen gewesen. Insofern dürften die Bemühungen der Anbieter und niedrigere Eintrittbarrieren auf fruchtbaren Boden fallen, schätzt er.
Die Kosten der Dachfondsmanager relativieren deren Vorteile
Andererseits betont Goldsmith die Bedeutung der zusätzlichen Kosten des Dachfondsmanagements, die sich letztlich negativ in der Performance niederschlagen, was die Vorteile der Diversifikation relativiere.
Das Klonen erfolgreicher Hedgefondsstrategien durch UCITS-Fonds sei eine weitere Möglichkeit, neue Kundengruppen zu erschließen. Da UCITS-Fonds zwingend auf liquide Assets aufbauen, böten sie sich in erster Linie für Retail-Kunden an. Als Nachteil sieht Goldsmith, dass manche Strategien nicht repliziert werden könnten, was die Angebotsvielfalt erheblich einschränke.