Interview

„CTAs sind prädestiniert, Outperformance zu liefern“

Alexis Grutter betreut zwei quantitativ ausgerichtete Fonds, die auf einer umfangreichen Trendfolgestrategie basieren. Anlässlich des 151. Hedgeworks beschreibt er, wie sich mit seiner Momentum-Satellite-Strategie auch unter schwierigen Marktbedingungen unkorrelierte und langfristig positive Renditen erzielen lassen.


Alexis Grutter,
La Financière de l’Echiquier

HEDGEWORK: Monsieur Grutter, Sie betreuen den Echiquier QME. Wofür steht QME?
Alexis Grutter: QME steht für Quantitative Multi Edge. Dieser Fonds wurde so konstruiert, dass er auf einer Vielzahl von Märkten aktiv ist und deren Ineffizienzen ausnutzt.

HEDGEWORK: Können Sie die grundsätzliche Anlagestrategie und die Anlageziele des Fonds beschreiben?
Grutter: Der Kern von QME ist eine Trendfolgestrategie an circa 100 verschiedenen liquiden Terminmärkten: Aktienindizes, Staatsanleihen, Zinsen und Devisen. Die AIF-Version des Fonds (Echiquier QME Global) handelt zusätzlich auch Rohstoff-Futures, die in der OGAW-Version (Echiquier QME) weggelassen werden. In Bezug auf die Philosophie halten wir unsere Formeln relativ einfach, da wir keine ‚Überanpassung‘ der Daten erreichen wollen. Je mehr Parameter Sie in eine Formel setzen, desto weniger solide und robust wird sie nach unserer mehr als zehnjährigen Erfahrung sein, wenn Sie die Strategie live handeln. Jeder ernsthafte professionelle Entwickler systematischer quantitativer Strategien weiß, dass man ein komplexes Modell mit vielen Parametern erstellen kann, welches eine hervorragende Performance in einem Back-Test zeigt. Doch diese Strategien sind üblicherweise nicht robust genug.

HEDGEWORK: Wie gehen Sie also vor?
Grutter: Der wirklich große Unterschied von Echiquier QME zu seinen Wettbewerbern liegt in den Satelliten-Strategien, die entwickelt wurden, um unsere Momentum-Strategie in schwierigen Marktbedingungen zu unterstützen, und die 30 Prozent des Gesamtrisikos des Fonds darstellen. Der Satelliten-Teil besteht größtenteils aus ‚mean reversion‘ und ‚carry trades‘ und wird auf den gleichen Märkten wie die Momentum-Strategien gehandelt. Auch hier sind die Signale zum Kauf oder Verkauf rein quantitativ. Damit verfolgen wir das Ziel, im Vergleich zu den traditionellen Märkten unkorre­lierte und langfristig positive absolute Renditen zu erzielen.

HEDGEWORK: Sie empfehlen Managed Futures als Beimischung. Weshalb?
Grutter: Auf lange Sicht sind Managed Futures im Vergleich zu den traditionellen Märkten unkorreliert und haben sogar eine negative Korrelation, wenn diese Märkte fallen. Sie helfen in diesen Phasen, positive Erträge zu generieren und sind somit eine gute Satelliten-Anlageklasse für jedes breit diversifizierte Anlegerportfolio.

HEDGEWORK: Managed Futures hatten zuletzt eine harte Zeit. Weshalb sollte man die wieder stärker beachten? Was hat sich geändert?
Grutter: CTAs sind zyklisch, diese Strategie benötigt Trends, um Performance zu liefern. Wenn Trends sich umkehren oder verschwinden, neigt diese Strategie dazu, schlechte Ergebnisse zu liefern. Doch nach einem deutlichen Verlust – wie jetzt gerade Mitte November geschehen – sind CTAs prädestiniert dafür, eine deutliche Outperformance zu liefern. Heutzutage sind viele Märkte in einem Abwarte-Modus, wobei die Märkte in der Regel nicht daran interessiert sind, mittelfristig in einer solchen unvolatilen Situation zu verharren. Wenn also die Volatilität wieder auftritt und Trends zurückkommen, können CTAs zukünftig wieder gute Erträge zeigen. Das aktuelle Timing in CTAs zu investieren könnte ziemlich gut sein.
 
HEDGEWORK: Welches Potenzial trauen Sie Managed Futures zu?
Grutter: Managed Futures sind eine sehr gute Strategie, eine positive Rendite auch in Bärenmärkten zu generieren. Wir sind jetzt seit fast einer Dekade in einem Bullenmarkt bei Aktien – das war eine sehr lange Zeit mit potenziell weniger attraktiven Bewertungen für eine Vielzahl von Titeln.

HEDGEWORK: Und der Rentenmarkt?
Grutter: Auf der Rentenseite ist das aktuelle Umfeld ebenfalls nicht ohne Risiko, wenn die Zinsen in den USA und Europa steigen sollten und die Zentralbanken sich auf einen weniger akkommodierenden Pfad hinbewegen sollten. Wenn es also bei der Volatilität zu einem Regimewechsel kommen sollte, würden CTAs davon deutlich profitieren. Ein gutes Signal dafür ist, dass seit Anfang des Jahres viele quantitative Fonds gute Netto-Mittelzuflüsse hatten, insbesondere im Bereich der Trendfolger/CTAs. Diese Investoren kaufen sich zu einem Zeitpunkt ein, in dem diese Strategien nahe ihren Tiefstständen notieren, was historisch gesehen immer der beste Zeitpunkt für eine Investition in diese Anlageklasse war.

HEDGEWORK: Welche Signale gibt es wiederum, das Exposure in Managed Futures zu reduzieren?
Grutter: Das ist schwer zu beantworten. Wie sicher sind wir am Ende der Momentum-Phase bevor der Trend kippt? Ein wesentliches Merkmal eines Trends ist, dass er immer länger währt, als man am Anfang erwartet. Deshalb sollte man die Kursentwicklung laufen lassen. Wenn Trends allerdings brechen, kommt es zu Kursverlusten, die es zu vermeiden gilt. Um diese Auswirkungen zu minimieren, haben wir die Satelliten-Strategien entwickelt, die dazu neigen, die negativen Auswirkungen einer Trendumkehr zu begrenzen und gleichzeitig positive Erträge zu generieren, sofern die Märkte keine klaren Trends liefern. Mit unserem 70:30-Ansatz von Momentum zu Satelliten sind wir in der Lage, für unsere Kunden eine positive Rendite sogar zwischen zwei Trendumkehrungen zu liefern, sodass Sie investiert bleiben können. Generell glauben wir, dass Kunden CTAs ständig in ihrem Portfolio halten sollten. Wir vergleichen das gern mit der Feuerpolice für ein Wohngebäude, die man gesetzlich abschließen muss, von der man allerdings hofft, dass man sie nie benötigt.

HEDGEWORK: Wie können Anleger andererseits erkennen, welche Produktangebote interessant sind und welche nicht?
Grutter: Diversifikation ist hier das Schlüsselwort. Wenn Sie im Bereich Trendfolger einen Fonds wählen, sollten Sie die Diversifizierung der im Fonds befindlichen Einzel-Strategien einerseits und die Diversifizierung der im Fonds gehandelten Märkte andererseits beachten. Darüber hinaus sollten Anleger auch die jeweilige maximale Kapazität berücksichtigen. Auch wenn Futures-Märkte extrem liquide sind, können Sie keine Multi-Milliarden-Fonds identisch verwalten, wie einen kleineren Fonds. Bei gro­ßen Vermögen verringert sich zwangsläufig die Diversifizierung – und die Konzentration des Portfolios auf den liquidesten Teil der Futures-Märkte nimmt zu. Deshalb ist unser Hauptinteresse, im Bereich von Managed Futures von einem maximal diversifizierten Portfolio zu profitieren. Unser noch relativ kleiner Fonds kann das und wir wissen immer schon, welche Kapazitätsgrenze wir haben werden.

HEDGEWORK: Wie variabel ist Ihre Investitionsquote?
Grutter: Wenn unser System keine Trends findet, gibt es auch Phasen in denen wir nicht oder nur sehr schwach investiert sind. Wichtig ist hier aber, dass wir nicht diskretionär eingreifen und das quantitative System überstimmen. Aus der Historie von La Financiere de l’Echiquier bildet dieses quantitative System einen schönen Gegenpol zu unseren seit über 25 Jahren erfolgreichen diskretionären Long-only-Strategien im Bereich europäischer Aktien, insbesondere bei Small- und MidCaps.

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Vita:

Alexis Grutter ist seit 2013 Fondsmanager bei La Financière de l’Echiquier und betreut gemeinsam mit Ludovic Berthe den AIF Echiquier QME Global (ISIN: FR0011526268)sowie dessen UCITS-Variante Echiquier QME (ISIN: FR0012815876). Die Fonds zielen als systematisch verwaltete Anlagelösung mit innovativem, quantitativen Ansatz auf einen Wertzuwachs ohne Korrelation zu den traditionellen Vermögenswerten ab. Sie verfolgen eine Momentum/Satellite-Strategie, wobei die Bestandteile mit einer Gewichtung von 70:30 berücksichtigt werden.
Grutter ist Absolvent der Université Paris-Sorbonne, wo er einen Master in Bank-Finanzwesen erwarb, und begann seine berufliche Laufbahn 2001 als quantitativer Analyst für Schwellenländer und Zinsprodukte bei Fortis IM. 2003 wechselt er zu HDF Finance, wo er als Analyst, Fund Picker für alternative Fonds, Manager für alternative Fonds (2008) sowie Manager für systemische Strategien (2011) tätig war.

La Financière de l’Echiquier wurde 1991 gegründet und gehört mit einem verwalteten Vermögen von rund 8,5 Milliarden Euro und rund 100 Mitarbeitern zu den führenden unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaften in Frankreich. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz seiner Führungskräfte und Mitarbeiter. Seine Tätigkeit betrifft die Verwaltung des Sparguthabens und der Finanzanlagen im Auftrag von Privatkunden, Vermögens­verwaltungsberatern und institutionellen Anlegern.