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BAI vergibt zum 7. Mal den Wissenschaftspreis

Was einst als Innovation begann, wird so langsam zur Tradition. Zum siebenten Male hat der Bundesverband Alternative Investments (BAI) den BAI-Wissenschaftspreis für exzellente Arbeiten im Bereich Alternative Investments vergeben. Und als gastgebendes Haus sorgte Lupus alpha in Frankfurt für den würdigen Rahmen.


Frank Dornseifer
Geschäftsführer BAI

Übergeben wurden die Preise von BAI-Vorstandsmitglied Prof.Dr. Rolf Tilmes und Jury-Mitglied Dr. Lars Jaeger, Head of Quantitative Research bei GAM und vielen Branchenmitgliedern als Buchautor und Vordenker bekannt. Jaeger, der auch die Würdigungen für die einzelnen prämierten Arbeiten hielt, stellte generell fest, dass die Qualität der eingereichten Werke von Jahr zu Jahr im Niveau steigt. Besonderes Lob gab es für die von Luca Zeiner eingereichte Bachelor-Arbeit zum Thema „Private Equity und Venture Capital in der Medizintechnikindustrie“. Hier seien bereits alle Elemente einer guten wissenschaftlichen Arbeit enthalten. In der Kategorie Master­arbeiten überzeugte die Arbeit von Patrick Voßkamp zum Thema „Optimal Equity Factor Investing“, die das Potenzial der aktiven Steuerung von Aktienfaktoren in einem Multi-Faktor-Portfolio untersucht.

Dass der BAI durchaus auch Themen aus angrenzenden Wissenschaftsbereichen zu schätzen weiß, dokumentiert die Verleihung des Preises in der Kategorie Dissertationen an Dr. Alexander Schäfer. Dr. Schäfer widmete seine Untersuchungen keinem klassischen AI-Thema, sondern einem von vermutlich breiterem Interesse: „Bank Reforms and Bail Out Expectations in the Aftermath of the Subprime ­Crises“. Fachlich konzentrierter ging es dann aber wieder bei der letzten Kategorie „Sonstige wissenschaftliche Arbeiten“ zu. Hier überzeugte ein Team unter Prof.Dr. Florian Weigert. Er und seine Co-Autoren Vikas Agarwal und Stefan Ruenzi untersuchten „Tail Risk in Hedge Funds: A Unique View from Portfolio Holdings“.

„Wir sehen, dass der BAI-Wissenschaftspreis inzwischen einer der etablierten Preise in der Finanzindustrie ist“, sagte BAI-Geschäftsführer Frank Dornseifer. „Und wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn uns im kommenden Jahr wieder viele Arbeiten zur Begutachtung eingesendet werden würden.“

Wie smart ist Smart Beta wirklich?

Vor der Preisverleihung konnten sich die Gäste schon einmal warmdenken. ­Alexander Raviol, Head of Alternative Solutions von Lupus alpha, eröffnete den inhaltlichen Teil des Abends mit dem Thema „Wie smart ist Smart Beta wirklich?“. So stellte Raviol fest, dass das Thema in einem gewissen Sinne in der Öffentlichkeit doch sehr diffus angekommen sei und hieß jede Bemühung, für Klarheit zu sorgen, willkommen. So fange es schon bei den Begriffsbestimmungen an: Smart Beta, Risikoprämien, Faktorinvestments. Oftmals würden diese Begriffe unscharf verwendet und den Adressaten von Informationen seien die Unterschiede nicht klar. „Ich wünsche mir eine stärkere ökonomische Überlegung anstelle der manchmal zu beobachtenden Übermathematisierung in den Diskussionen um dieses Thema“, schlug Alexander Raviol vor.

Die Thesen und Ergebnisse von Raviols Vortrag wurden dann in einer hochkarätig besetzten Runde diskutiert. Neben Alexander Raviol bestritten Dr. Lars Jaeger (Head of Quantitative Research, GAM) und Dr. Christian Jasperneite (Chief Investment Officer, M.M. Warburg & Co) das Podium. Die geistigen Kraftströme zum Thema „Smart Beta zwischen Data Mining und nachhaltigen Risikoprämien“ durfte Ali Masarwah, Chefredakteur von Morningstar Deutschland, moderieren.

Mit einem Frontalangriff auf den Begriff Smart Beta eröffnete Dr. Christian Jasperneite das Panel. „Wir sollten besser von Factor Investing sprechen“, schlug er vor. „Schließlich interessiert ja, welche Faktoreigenschaften das Portfolio hat.“  Dr. Jaeger ergänzte mit einer fundierten historischen Übersicht über die Entwicklung der Begrifflichkeiten von „Fundamental Indexing“ bis Smart Beta. Für das Plenum besonders spannend dürfte die Diskussion um das Thema „Wie viele Faktoren gibt es wirklich?“ gewesen sein. Die Literatur kennt wohl um die 200. Für Raviol sind nur drei wirklich wichtig, für Dr. Jasperneite eher sieben. Dr. Jaeger wiederum erweiterte das Spektrum von reinen Equity-Betrachtungen auf andere Assetklassen, was doch wieder mehr Spielraum bei der Identifizierung wichtiger Faktoren gab.

„Ich mache mir keine Sorgen, was die Wachstumsgeschichte der liquiden Alternatives in Deutschland anbelangt“, sagte Ralf Lochmüller, Gründungspartner und Sprecher von Lupus alpha, als Gastgeber der Veranstaltung. Seit 2008 untersucht Lupus alpha das Absolute-Return- bzw. Liquid-Alternatives-Fondsuniversum auf Basis von Daten des Analysehauses Thomson Reuters Lipper. „In den ersten sechs Monaten 2017 stieg das Volumen der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Absolute-Return- und alternativen UCITS-konformen Fonds um 13 Prozent auf einen neuen Höchststand von knapp 228 Milliarden Euro an.“ Im Langfristvergleich über fünf Jahre, so Lochmüller, hätten die Produkte ihre Versprechen einlösen können. 87 Prozent aller untersuchten Fonds erzielten in diesem Zeitraum eine positive Rendite bei einer durchschnittlichen Wertentwicklung von drei Prozent pro Jahr.

Ziel des BAI Wissenschaftspreises ist es, Forschungsarbeiten aus dem Bereich Alternative Investments wie Hedgefonds, Private Equity/Venture Capital, Infrastruktur oder Rohstoffe zu fördern, Theorie und Praxis zu verbinden sowie eine Basis für den wissenschaftlichen Austausch und Know-how-Transfer innerhalb der Studiengänge sowie zwischen Wissenschaft, AI-Industrie und Investoren zu schaffen. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige Jury, bestehend aus anerkannten Experten aus Wissenschaft und Praxis.

Diskussionsrunde_BAI
Hochkarätig besetzte Diskussionsrunde: (v. li.): Dr. Lars Jaeger (Head of Quantitative Research, GAM), Alexander Raviol (Head of Alternative Solutions, Lupus alpha),  Dr. Christian Jasperneite (Chief Investment Officer M. M. Warburg & Co) und Moderator Ali Masarwah (Chefredakteur Morningstar Deutschland)