Research
Prime Capital Hedge Fonds Review Juli 2011
Hedgefondsmanager agieren in einem zunehmend schwierigeren Umfeld. Prime Capital gibt einen aktuellen Überblick über die Entwicklung der einzelnen Strategien.
Konjunkturrisiken und Schuldenkrise belasten die Märkte
Der Juni 2011 stand wie der Vormonat im Zeichen nachgebender Notierung bei risikobehafteten Assets. Hauptursachen waren weltweite Wachstumsrückgänge, Diskussionen um die erreichte Schuldenobergrenze der USA sowie Befürchtungen um einen Zahlungsausfall Griechenlands. Während die Aktienmärkte zwischenzeitlich um bis zu 5,5 Prozent nachgaben, konnten die Verluste zum Monatsende teilweise wieder ausgeglichen werden, nachdem US-Notenbank-Chef Bernanke weitere geldpolitische Stimuli in Aussicht stellte und eine Pleite Griechenlands vorerst abgewendet werden konnte. Der MSCI World verlor im Juni insgesamt 1,7 Prozent. Auch die Aktienmärkte der Emerging Markets setzten ihre tendenziellen Kursrückgänge fort (-1,9 Prozent). Intakt sind auch die Trends steigender Renditen bei den Anleihen der PIIGS-Staaten sowie sinkender Rohstoffpreise (Öl: -7,5 Prozent, Gold: -2,2 Prozent).
Die weitere Entwicklung der Finanzmärkte steht im Spannungsfeld der Entscheidungen vieler Notenbanken, die Leitzinsen zu erhöhen. Während sich die US-Notenbank Fed nach wie vor zurückhält, erhöhte die EZB den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent. Auch die Zentralbanken der Schwellenländer ziehen die geldpolitischen Zügel nach einigen Monaten ohne Zinsentscheidungen wieder an.
Überblick über die Entwicklung der Hedgefondsstrategien
Relative Value: Relative Value-Strategien zeigten sich im Juni weniger widerstandsfähig als im Vormonat, schnitten aber im Vergleich zu anderen Hedgefonds-Strategien immer noch gut ab. Der Convertible Arbitrage Index sank um ein Prozent, der Corporate Index um 0,6 Prozent. Fixed Income Asset Backed verlor 36 Basispunkte. Structured Credit Arbitrage wird neutral bis positiv eingestuft. Die das Angebot übersteigende Nachfrage an den ABS-Märkten sorgt für weiteren Aufwind, obwohl treibende Faktoren in den Märkten weitgehend fehlen. Reine Convertible Arbitrage Strategien erhalten einen negativen Ausblick, da Wandelanleihen nun mit ihren fairen Werten gehandelt werden. Die Situation ist aber stabiler als vor der Krise, weil Long only-Käufer weiterhin die Mehrheit der Investoren bilden. Volatility Arbitrage wird positiv gesehen, solange die Schwankungen im mittelfristigen Bereich weiter hoch und die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung unsicher bleiben.
Event Driven: Für Event Driven-Strategien war der Juni kein guter Monat. Distressed-Ansätze verloren 54 Basispunkte und erzielten damit die schlechtesten Ergebnisse. Die Bilanz seit Jahresbeginn sieht allerdings deutlich besser aus, hier liegen Distressed Manager gegenüber den meisten anderen Sub-Strategien vorn. Risk Arbitrage wird neutral eingestuft, da die Erholung der globalen M&A-Märkte langsamer verläuft als erwartet. Zukünftige mögliche Makroereignisse können weiterhin für hohe Schwankungen und für Unsicherheiten bei der Initiierung von Deals sorgen. Distressed Securities wird positiv eingeschätzt. Ausfallraten sollten in einem Umfeld steigender Zinsen und Rohstoffpreise wieder zunehmen. Außerdem sind viele High-Yield-Emissionen als überteuert einzustufen und die dahinter stehenden Unternehmen als nicht kreditwürdig.
Equity Hedge: Ähnlich der unterschiedlichen Entwicklung regionaler Aktienmärkte brachten Equity-Strategien im Juni gemischte Resultate hervor. Der HFRX Equity Hedge Index sank um 2,6 Prozent, während der HFRX Equity Market Neutral Index 0,9 Prozent zulegte (im Vergleich: S&P 500 -1,8 Prozent, Dax +1,1 Prozent, MSCI Emerging Markets -1,9 Prozent). Mit Ausnahme von Japan verloren die weltweiten Aktienmärkte im Juni weiter an Boden, ausgelöst durch schwache ökonomische US-Daten und den vorsichtigen Ausblick der Notenbank Fed zur weiteren Gesundung der Wirtschaft. Netto-Verkäufe überwogen bei Equity Managern den dritten Monat in Folge. Auf der Short-Seite wurden neben Titeln aus den Industriestaaten insbesondere asiatische Schwellenländeraktien leer verkauft. Das Umfeld für fundamentales Stock Picking bleibt herausfordernd aufgrund weiter überdurchschnittlicher Korrelationen.
Tactical Trading: Herausforderungen sahen sich im Juni auch Tactical Trading Manager gegenüber. Managed Futures Strategien verbuchten deutliche Verluste, hauptsächlich in Long-Positionen auf Aktienindizes und Rohstoffe (DJ CS HFI Managed Futures Index: -3,1 Prozent). Systematisches Kurzfrist-Trading brachte weitgehend ausgeglichene Ergebnisse, Global Macro Manager waren durchschnittlich im Minus. Der Ausblick für diese Strategie ist neutral; die Manager sollten in der Lage sein, Potenziale bei Aktien, Währungen und Bonds der Emerging Markets zu nutzen. Managed Futures behalten im langfristigen Bereich einen neutralen bis negativen Ausblick. Unruhige, kurzfristig stark schwankende Märkte bleiben ein Risiko. Kurzfristig orientierte Manager sollten diese Volatilität aber positiv umsetzen können.
Commodities: Der Juni war ein weiterer klassischer Monat, in dem Risiken gemieden wurden. Risikoreiche Asset-Klassen setzten ihren Ausverkauf fort, angetrieben von der Sorge um die US-Konjunktur sowie die Probleme in Griechenland. Gemessen am Newedge CTI-Trading Index verzeichneten Commodity Manager einen Verlust von 2,2 Prozent. Richtungsweisend für Energierohstoffe waren das OPEC-Meeting und die Stellungnahme der Internationalen Energieagentur (IEA) zu den Ölreserven. Überraschend entschied sich die OPEC gegen eine Erhöhung der Fördermengen. Was allerdings von den Märkten weitgehend ignoriert wird, ist die Tatsache, dass einige OPEC-Mitglieder, allen voran Saudi-Arabien, bereits oberhalb ihrer Förderquoten produzieren.
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