Hedgework-Interview

„Für unser Anlagekonzept ist Informationsvorsprung die Basis.“

Das Schweizer Finanzhaus Da Vinci Invest will die Auswirkungen von überraschenden Nachrichten an den Finanzmärkten systematisch nutzen. Dafür setzen sie extrem schnelle Rechner ein, die zudem in unmittelbarer Nähe zum Rechenzentrum der Börse aufgestellt sind, um ultrakurze Reaktionszeiten zu erreichen.


Hendrik Klein,
Da Vinci Invest AG

Hendrik Klein, CEO der Da Vinci Invest AG, stellte beim 90. Hedgework in Frankfurt seine Strategie vor. Im nachfolgenden Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen, die sich dazu stellen.

Hedgework: Herr Klein, Sie haben ein Konzept entwickelt, mit dem Sie von den Ano­malien und Ineffizienzen an den Finanzmärk­ten profitieren wollen. Können Sie erklären, worauf das Konzept basiert?

Hendrik Klein: Für unser Anlagekonzept ist der Informationsvorsprung die Basis. Wir suchen ganz gezielt nach speziellen, markt­relevanten Nachrichten – elementar ist, dass diese Daten und Nachrichten Computer-lesbar sind –, dann werten wir diese in Bruchteilen von Sekunden aus und versuchen ein paar ­Millisekunden früher als die anderen Marktteilnehmer zu reagieren. Dabei profitieren wir von unserer langjährigen Erfahrung im manuellen Nachrichtenhandel.

Hedgework: Von unerwarteten Ereignissen kann immer nur der Schnellste profitieren, die anderen laufen mit der Masse mit. Wie wollen Sie sicher stellen, immer zu den Schnellsten zu gehören?

Klein: Sie haben recht. Es kommt maßgeblich auf die Geschwindigkeit an, mit der wir handeln können. Daher brauchen wir immer die schnellsten Rechner, und wir müssen diese – Stichwort Co-Location – möglichst nahe zur Matching Engine, dem Rechenzentrum der Börse, platzieren. Sicherstellen können wir das nur, indem wir schnell wachsen, um unseren Wettbewerbsvorteil zu behalten. Doch das erfordert regelmäßig hohe ­Investitionen. Deswegen bieten wir demnächst auch einen Publikumsfonds an, um diese Strategie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das ermöglicht uns dann wieder mehr Kapital für Investitionen in schnellere Technik. So wollen wir die Nase vorn behalten.

Hedgework: Was würde passieren, wenn Sie nicht (mehr) zu den Schnellsten gehören würden?

Klein: Das würde unser Anlagekonzept empfindlich stören. Dann würden wir letzten Endes gar nicht mehr zum Handeln kommen, weil die schnelleren Investoren uns die besten Preise wegschnappen würden. Die Kosten des Setups müssten wir aber leider trotzdem tragen.

Hedgework: Ihr Handelssystem läuft auto­matisch ab. Können Sie erklären, was dahinter steckt und wie es funktioniert?

Klein: Unser Handelssystem verarbeitet alle möglichen verfügbaren Kursdaten und Nachrichten. Daraus generiert es vollautomatisch Orders, die an der Börse in Millisekunden ausgeführt werden. Das Glattstellen der Positionen und das kontinuierliche Risiko­management sind ebenfalls programmiert. Ein manuelles Eingreifen durch den Fondsmanager ist nicht notwendig.

Hedgework: Welche Eingriffsmöglichkeiten bleiben für den Fondsmanager denn überhaupt noch?

Klein: Es gibt natürlich auch bei uns einen Notfallknopf, der von dem überwachenden Händler jederzeit betätigt werden kann, wenn er Positionen aus welchen Gründen auch immer manuell glatt stellen muss.

Hedgework: Ihr Konzept setzt auf den Herdentrieb der Anleger, die auf unerwartete Ereignisse an den Finanzmärkten hin alle in dieselbe Richtungen rennen, sodass es zu Kursübertreibungen an den Börsen kommt. Dabei nutzen Sie einerseits die Gier und im anderen Extrem die Angst der Anleger. Welches ist dabei der stärkere Trendauslöser – und warum?

Klein: Gier und Angst sind die Instinkte, denen Anleger unweigerlich folgen. Die Angst sitzt tiefer und löst bei Anlegern schnellere und heftigere Bewegungen aus. Gier entsteht langsamer und stetiger. Angst kann sehr plötzlich entstehen und zu unkontrolliertem Verhalten führen. Insofern kann unser Fonds von Ereignissen, die die Kurse unkontrolliert fallen lassen, viel stärker profitieren als von Ereignissen, die zu übertriebenen Kurssprüngen führen.

Hedgework: Können Sie ein paar Ereignisse aufzählen, bei denen es zu einer Transaktion Ihres Systems kam?

Klein: Das System reagiert derzeit auf volkswirtschafte Ereignisse wie beispielsweise die US-Arbeitsmarktdaten. Ein Beispiel war der März dieses Jahres. Die Volkswirte schätzten, dass 190.000 neu geschaffene Stellen gemeldet würden. Tatsächlich waren es dann aber 216.000 neue Stellen. Eine sehr gute Nachricht, die den Bund-Future nach unten gehen ließ.Wir haben die Gelegenheit genutzt und den Bund sofort bei 120,87 verkauft, um ihn dann etwas später bei 120,80 wieder zurückzukaufen.

Hedgework: Die Kursspannen, in denen Sie sich bewegen, sind demnach sehr eng.

Klein: Ganz genau. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir unter den Schnellsten sind, sonst würden die Spannen noch kleiner und viel weniger abwerfen.

Hedgework: Wie groß ist die Gefahr, dass Fehlsignale Sie auf dem falschen Fuß erwischen und welches ist der größtmögliche Schaden, der sich daraus ergeben könnte?

Klein: Die Gefahr von Fehlsignalen ist sehr gering und würde alle anderen Marktteilnehmer ebenfalls auf dem falschen Fuß erwischen. Und Verluste müssen daraus auch nicht entstehen. Sie müssen bedenken, dass wir immer nur für Sekunden, selten auch für Minuten investiert sind. Dann erfolgt die automatische Glattstellung der Positionen. Zudem investieren wir nie ohne Stop-Loss-Marke.

Hedgework: Wie lange testen Sie Ihr System schon und welche Ergebnisse hat es dabei gebracht?

Klein: Wir sind seit Februar 2009 am Markt. Seitdem gab es keinen negativen Monat und nur drei ausgestoppte Positionen. Die Renditen waren jedes Jahr zweistellig im Plus. Dieses Jahr liegen wir sogar mit sage und schreibe 78,3% im Gewinn.

Hedgework: Sie haben erwähnt, dass Sie die Ereignisse, auf die das Managementsystem reagiert, ausweiten wollen. Woran denken Sie da und bis wann soll das implementiert sein?

Klein: Tatsächlich kommt es derzeit nur etwa 10 bis 15 Mal pro Monat zu solchen Ereignissen und Kursverwerfungen, bei denen wir handeln. Daher denken wir intensiv darüber nach, welche Ereignisse ebenfalls starke kursrelevante Auswirkungen haben und wie wir die in unser System integrieren können. Naheliegend sind positive und auch negative Unternehmens­nachrichten, die sich natürlich auf die Kurse der jeweiligen Unternehmen auswirken. Das ist für uns der nächste Schritt, den wir in einem  Jahr implementiert haben wollen.

Hedgework: Und was kommt danach?

Klein: Wir denken zurzeit sehr stark darüber nach, wie wir Naturereignisse und politische Nachrichten nutzen können. Das wird allerdings noch ein wenig länger dauern.

Hedgework: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ronny Kohl

Vita

Hendrik Klein ist Mitgründer, CEO und Entwickler der Investmentstrategie bei der Da Vinci Invest AG. Sein Handwerk lernte der 37-jährige Diplom-Betriebswirt (FH) als DTB-Händler (Deutsche Börse, heute EUREX) bei MTH, Newedge und als Aktienhändler bei der Landesbank Baden-Württemberg. Bei Frohne & Klein Wertpapierhandelshaus verantwortete er den Handel als Rentenoptions-, Indexoptions- und Aktien­options-Market-Maker bevor es ihn in die Schweizer Berge zog. Er lebt mit seiner Frau und 2 Kindern in Zürich.

Da Vinci Invest ist ein von Banken und anderen Finanzkonzernen unabhängiger Vermögensverwalter und Fondsmanager. Die Firma wurde 2004 mit Hauptsitz in Unterägeri/Schweiz gegründet und ist mehrheitlich im Besitz des Managements. Da Vinci bietet alternative Multi-Strategy-Investmentprodukte für institutionelle Anleger und fachkundige, vermögende Privatinvestoren an. Das Team besteht derzeit aus 5 Investmentprofis mit einer langjährigen Erfahrung in Eurex-Handel, Softwareentwicklung und Risiko­management.

Kontakt

Hendrik Klein
Tel.: +41 41 511 83 40
E-Mail: info@davinci-invest.ch
Web: www.davinci-invest.ch