Interview
„Diversifikationsvorteile von Managed Futures“
„Diversifikations-vorteile von Managed Futures“ lautete der Vortrag, den Dr. Olivier Schmid anlässlich des 86. Hedgeworks Anfang Juli hielt. Er nutzte die Gelegenheit, die Vorteile von CTAs herauszustellen: „Die Möglichkeit in einem breiten Anlageuniversum Long und Short zu gehen und die entsprechenden Positionen zu hebeln.“ Als Ergebnis biete sich Anlegern ein „geradezu optimales Diversifikationspotenzial“. Die Highlights des Vortrags finden Sie im nachfolgenden Interview.
AIMhedge
Hedgework: Herr Dr. Schmid, Sie betonen die Vorteile einer Beimischung von Managed Futures in Anlageportfolios. Erklären Sie doch bitte zunächst, was Sie unter Managed Futures verstehen?
Olivier Schmid: Unter Managed Futures verstehen wir einen Anlagestil. Charakteristisch für diesen Anlagestil ist die systematische Ausnutzung von Trends an den Finanzmärkten und das äußerst liquide Anlageuniversum. Historisch gesehen waren solche Produkte bis in den frühen 70er-Jahren weitgehend auf Rohstoffmärkte beschränkt und die entsprechenden Manager als „Commodity Trading Advisors“ bezeichnet. Mit der massiven Entwicklung der Futures-Märkte hat sich das Anlageuniversum deutlich erweitert. Heute traden Managed Futures mehr als 100 liquide Futures in allen Anlageklassen.
Hedgework: Welche Instrumente kommen bei Managed-Futures-Fonds zum Einsatz?
Schmid: Das Anlageuniversum von Managed Futures deckt sämtliche Anlageklassen
ab, also Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Zinsen und Währungen. Dabei werden die
liquidesten Futures – Forwards – eingesetzt. Bei der Auswahl der Instrumente
steht deren Liquidität im Vordergrund. Sämtliche Instrumente müssen im großen
Stil gehandelt werden können, ohne dass dabei ein Marktimpact (slippage)
entsteht. Diese Liquidität ermöglicht es den Managed Futures, ihre Asset Allocation
äußerst dynamisch zu steuern.
Hedgework: Welche Erfolge können Managed Futures vorweisen?
Schmid: Managed Futures haben eine schöne Erfolgsgeschichte. Neben den bereits
erwähnten Vorteilen, eines systematischen Ansatzes und einer uneingeschränkten
Liquidität kann sich die Managed-Futures-Industrie mit einem nachhaltig guten
Track Record schmücken. Nimmt man den Barclay Trader Index CTA als Benchmark,
so beträgt die durchschnittliche Rendite seit 1980 über 10 Prozent p.a.
Besonders beeindruckend ist dabei, dass kaum negative Jahre zu verzeichnen
waren und dass die negativen Jahre im tiefen einstelligen Bereich ausgefallen
sind. Managed Futures haben also eindeutig Absolute-Return-Charakter.
Hedgework: Wie hat sich das im verwalteten Vermögen niedergeschlagen?
Schmid: Es ist wenig erstaunlich, dass es der Managed-Futures-Industrie gelang,
die von ihr verwalteten Vermögen massiv zu erhöhen. Gemäß der Barclay-Datenbank
beträgt der Zuwachs an verwaltetem Vermögen seit 1980 über 25 Prozent pro Jahr.
Die Zuflüsse flachten auch in den letzten 10 Jahren kaum ab. Heute werden über
300 Milliarden USD durch die Managed-Futures-Industrie verwaltet, mehr als in
jeder anderen Hedgefondsstrategie.
Hedgework: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Motive für Investoren, bei
Managed Futures zuzugreifen?
Schmid: Die letzten 10 bis 15 Jahre mit ihren vielen Krisen stellten die Investoren vor schwierige Herausforderungen. Die Erweiterung des Anlageuniversums und die vermehrten Investitionen in Rohstoffe, Private Equity und Hedgefonds brachten auch nicht die gewünschte Robustheit in die gemischten Portfolios. So mussten während der Finanzkrise viele Investoren schmerzhaft erfahren, dass in Krisenzeiten auch diese Anlageklassen stark mit den Aktien korrelieren.
Investoren suchen somit nach Anlagemöglichkeiten, die einerseits
eine attraktive langfristige Rendite bieten und andererseits in Krisenzeiten
einen positiven Beitrag leisten können. Staatsanleihen weisen zwar dieses
„Decoupling“ auf, aber aufgrund der tiefen Volatilität kompensieren sie in
Bärenmärkten keinesfalls die Verluste bei den risikobehafteten Anlageklassen.
Des Weiteren bezweifeln angesichts der weltweiten Schuldenkrise immer mehr
Investoren, dass Anleihen in Zukunft eine solche Entkoppelung entfalten werden.
Hedgework: Und Ihr Fazit?
Schmid: Managed Futures bieten diesen Investoren ein geradezu optimales Diversifikationspotenzial. Die Möglichkeiten Short zu gehen und Investitionen zu hebeln ermöglichen es ihnen, auch in Krisenzeiten positive Renditen zu erzielen. Dies lässt sich anhand sämtlicher Krisen der Vergangenheit nachvollziehen und insbesondere anhand der Finanzkrise in 2008, in der die Managed Futures zweistellige Renditen erzielten. Angesichts dieser Diversifikationsvorteile gehören Managed Futures in jedes Depot.
Hedgework: Wie gelingt es mit Managed-Futures-Fonds nachhaltig positive Renditen zu erzielen? Was machen sie anders als traditionell gemischte Fonds?
Schmid: Wie bereits erwähnt investieren Managed Futures in sämtliche
Anlageklassen und passen ihre Asset Allocation schnell den Marktumständen an.
Betrachtet man beispielsweise das Krisenjahr 2008, so verdienten Managed
Futures einerseits mit Long-Positionen auf Anleihen- und Zinsfutures und
andererseits mit Short-Positionen auf Rohstoff- und Aktienfutures. Wie bereits
erwähnt eröffnen die Möglichkeiten, in einem breiten Anlageuniversum Long und
Short zu gehen und die entsprechenden Positionen zu hebeln, den Managed Futures
einen entscheidenden Vorteil.
Hedgework: Im Gegensatz zu Mischfonds.
Schmid: Traditionell gemischte Fonds haben einen vergleichsweise beschränkten
Handlungsspielraum. Der Long-only-Ansatz verhindert eine effiziente Allokation
der Risiken, sodass die meisten gemischten Fonds vorwiegend dem Aktien-
(Markt-) Risiko ausgesetzt sind. Dies lässt sich einfach zeigen durch
Regression der Renditen eines gemischten Fonds auf die Renditen eines
Aktienindex.
Hedgework: Sie sagen, Managed Futures gehören in jedes Depot. In welchem
Maß würden Sie Managed-Futures-Fonds beimischen?
Schmid: Dieses Verhältnis lässt sich relativ einfach anhand von Portfolio-Optimierungen bestimmen. Geht man von einem gemischten Portfolio aus und erhöht schrittweise den Anteil an Managed Futures, so zeigt sich, dass bereits mit einem Anteil von 20 bis 30 Prozent das Risikoprofil des Portfolios nachhaltig verbessert wird. Simuliert man ein entsprechendes Portfolio in der Vergangenheit, so verbessert sich die risikoadjustierte Rendite deutlich und die Verluste in Krisenzeiten werden erheblich verkleinert. Diese Ergebnisse sind übrigens recht stabil im Zeitablauf.
Bereits in den 80er-Jahren hat Prof.
Lintner – bekannt für seinen Beitrag zur Capital Asset Pricing Theory – diese
„diversification benefits of managed futures“ dargestellt. Seinen Schlussfolgerungen
ist auch 30 Jahre später nichts hinzuzufügen.
Hedgework: Welches Risiko müssen Anleger aushalten können, die dauerhaft in
Managed Futures investieren?
Schmid: Das offensichtliche Risiko, welches ein Anleger mit Managed Futures eingeht, ist die Gefahr eines Drawdowns, also eines größeren Verlusts in kurzer Zeit. Dieses Risiko materialisiert sich immer wieder bei Trendbrüchen. Managed Futures setzen sich diesem Risiko bewusst aus, kapitalisieren während der Trendphase und erleiden anschließend kurzfristig Verluste. Durch ihre Flexibilität passen sich Managed Futures aber schnell an; nach einigen Wochen pendeln sich die Renditen wieder im positiven Bereich ein.
Das Drawdown-Risiko
ist nach über 30 Jahren Erfahrung sehr gut dokumentiert. Man kann davon
ausgehen, dass es in nahezu jedem Kalenderjahr zu einer Durststrecke kommt. Wie
aber bereits erwähnt, gelingt es dennoch meistens eine positive Jahresrendite
zu erzielen.
Hedgework: Und zweitens?
Schmid: Das zweite, weniger offensichtliche Risiko ist, dass sich über eine
längere Periode keine Trends an den Finanzmärkten materialisieren. In diesen
Seitwärtsphasen lässt sich mit Managed Futures kein Geld verdienen. Angesichts
der derzeit immensen ökonomischen Ungleichgewichte bin ich aber sehr
optimistisch, dass wir in der nahen Zukunft starke Trends beobachten werden.
Hedgework: Manche Investoren meinen, Managed Futures hätten den Charakter von
Put-Optionen. Das würde bedeuten, ein Einstieg wäre interessanter, wenn etwa
die Aktienmärkte schon gestiegen sind. Wie ist Ihre Meinung zum Thema Timing?
Schmid: Einige Analysten verstehen tatsächlich Managed Futures als eine Art Put-Option und verweisen auf die dynamische Korrelation mit Aktien und die Fähigkeit in Krisenzeiten gut zu performen. Streng genommen, müsste man sogar von einem Straddle sprechen, da Managed Futures in Bärenmärkten nicht nur Absicherung bieten, sondern auch absolute Performance. Die Analogie soweit zu treiben, dass man nach starken Trendphasen an den Aktienmärkten Managed Futures als Absicherung einsetzt, ist hingegen eine Fehlüberlegung. Managed Futures kapitalisieren nämlich während der gesamten Trendphase und leiden bei einem Trendbruch zunächst.
Managed Futures zu timen und als Put-Option nach Aktienrallys einzusetzen, birgt somit die Gefahr, kurz vor einem Drawdown zu investieren. Allgemein bin ich eher skeptisch, ob es überhaupt gelingen kann, Investitionen in Managed Futures zu timen. Angesichts der immer wieder zu beobachtenden Drawdowns macht es sicherlich Sinn, nach größeren Rückschlägen einzusteigen. Allgemein würde ich jedoch empfehlen, Managed Futures nicht zu timen und Investitionen in mehreren Tranchen vorzunehmen.
Hedgework: Worin lassen sich Managed-Futures-Fonds unterscheiden?
Schmid: Fast alle Managed Futures verfolgen einen Trendfolgeansatz.
Unterschiede gibt es bei der Trendlänge/Frequenz, bei der Ein- und
Austiegslogik sowie beim gehandelten Universum. Die meisten großen
Managed-Futures-Fonds lassen sich dabei als globale mittel- bis langfristigen
Trendfolger bezeichnen, die konstant in allen Märkten investiert sind und ihre
Positionen nur inkrementell aufgrund der Trendsignale anpassen. Will man ein
diversifiziertes Managed-Futures-Portfolio aufbauen, so empfiehlt es sich, auch
außerhalb des Mainstreams nach guten Produkten zu suchen. AIMhedge
beispielsweise bietet Produkte an, die eine digitale Einstiegslogik und ein auf
Stop-loss basierendes Risikomanagement aufweisen. Auch im Bereich „high
frequency“ wird in der Industrie derzeit einiges entwickelt.
Hedgework: Ganz generell: Wie können Anleger gute von schlechten
Managed-Futures-Fonds unterscheiden?
Schmid: Das Hauptkriterium bei der Diskriminierung wird auch in Zukunft die Performance bleiben. Die Überlegung dabei ist, dass erfolgreiche Managed Futures nicht nur Glück hatten, sondern auch im Research und in der Operation einen Vorsprung haben. Man sollte sich aber von einer guten Performance allein nicht blenden lassen. Der zukünftige Erfolg hängt nämlich wesentlich vom Willen und der Fähigkeit ab, sich ständig zu verbessern. Da sind ein gutes Management und ein starkes Research die unabdingbare Voraussetzung. Ich würde somit jedem Investor empfehlen, diese nicht quantitativen Erfolgsfaktoren im Rahmen einer Due Diligence mitzuberücksichtigen.

Mittelzufluss: Die Assets under Management sind seit 2002 überproportional gestiegen.

Outperformance: Der AIMhedge Classic (EUR) schaffte in sechs Jahren (per 1.12.2010) eine Rendite von 14,5% p.a., der Barclays Trader Index CTA nur 5,6% p.a. Indes war die Volatilitätbeim AIMhedge Fonds mit 16,9% mehr als doppelt so hoch wie beim Index (6,1%).
Hedgework: Kommen wir zu AIMhedge. Welchen Leistungen können Sie Ihren Kunden bieten?
Schmid: Wir bieten Fonds mit sehr gutem Track Record und einer hohen Transparenz. Unsere Hauptstrategie hat sich seit Januar 2005 hervorragend bewährt. Beim DB Platinum Fonds können wir sogar eine tägliche Liquidität ermöglichen.
Hedgework: Und was kostet das?
Schmid: Der an den AIMhedge Index gekoppelte UCITS-III-konforme Fonds der
Deutschen Bank – der DB Platinum AIMhedge – erhebt je nach Anteilsklasse eine
Management Fee von 1,55 bzw. 2,55 Prozent. Beide Klassen haben eine Performance
Fee von 20 Prozent.
Hedgework: Welche eigenen Fonds bieten Sie an?
Schmid: Neben dem DB Platinum AIMhedge haben wir diverse Strukturierte Produkte
und zwei Offshore Fonds im Programm.
Hedgework: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie die Anlagestrategie?
Schmid: Wir haben einen gänzlich systematischen Ansatz. Alle Käufe und Verkäufe
werden durch ein Computersystem errechnet, an einen Broker zur Ausführung
gesendet und dann von uns freigegeben. Die Logik hinter dem System haben
natürlich wir verfasst und geschrieben.
Hedgework: Wie sieht Ihre Erfolgsbilanz aus?
Schmid: Die kann sich sehen lassen. Wir haben bislang eine jährliche Rendite
von ca. 13 Prozent erzielt, und das bei einer Volatilität ähnlich der des
Aktienmarkts.
Hedgework: Und wer investiert bei Ihnen?
Schmid: Unsere Kunden sind überwiegend Institutionelle Investoren aus dem deutschsprachigen Raum. Aber auch aus Großbritannien und Italien kommen viele Investoren.
Das Gespräch führte Ronny Kohl
Vita
Dr. Olivier Schmid ist ein ausgewiesener Experte in der Entwicklung und Anwendung von
quantitativen Investmentstrategien. Er arbeitet seit 2010 für AIMhedge als
Senior Researcher & Portfolio Manager. Frühere berufliche Stationen waren
die Caralus AG, Bank Julius Bär und die Quantica Capital AG.
Olivier Schmid hat an der Universität St. Gallen (HSG) studiert und promoviert.
AIMhedge wurde im Jahr 2005 von Holger Albers, der bereits 15 Jahre Erfahrung mit einem
eigenen Managed-Futures-Portfolio gesammelt hatte, in Liechtenstein gegründet.
Zeitgleich startete der AIMhedge GDF Classic Fund seine ersten Investments.
2008 wurde der Fonds auch für externe Investoren geöffnet. Zurzeit verwaltet
AIMhedge mit 18 Mitarbeitern rund 260 Millionen USD und handelt an mehr als 80
Märkten weltweit. Das Unternehmensziel ist es, mit qualitativ hochwertigen
Produkten, die ständig weiterentwickelt werden, sowie einem hohen Maß an
Service und Transparenz, für die Kunden langfristig attraktive Renditen zu
erzielen.
Kontakt
Dr. Florian Dettmer
Telefon: +423 375 77 16
Email: florian.dettmer@aimhedge.com
www.aimhedge.com